Zehn komische Momente - zehn Gründe, warum wir lachen
Jeder Satz eine Pointe
Man kann den Misthaufen und den muffigen Zivilschutzkeller förmlich riechen, wenn das „Duo Fischbach“ aus seinem Leben erzählt. In „Fischbachs Hochzeit“ (2005) verrät das verschrobene Pärchen endlich, wie es sich kennengelernt hat. Die Fischbachs halten mit nichts hinter dem Berg, selbst ihre Hochzeitsnacht machen sie zum Thema. Und tischen dabei brühwarm die dunklen Geheimnisse auf, die in dieser Nacht der Nächte an den Tag kommen. So finden sie heraus, dass sie blutsverwandt sind. Und plötzlich hagelt es Pointen.
Lachen, wenn die anderen leiden I
Ganz schön fies, diese Boulevardkomödien. Je schlechter es den Figuren auf der Bühne geht, desto lustiger ist es fürs Publikum. Ein wunderschönes Beispiel liefert dabei die von Regula Imboden gespielte Lisa in „Baby Baby Balla Balla“ (2007). Sie erfährt das ihre Mutter offenbar tödlich verunfallt ist. Das ist natürlich Quatsch, ein Lügenmärchen von ihrem Gatten Thomas, der damit eine andere Lüge kaschiert. Lisa leidet, und das Publikum biegt sich vor Lachen. Sie glauben es nicht? Überzeugen Sie sich selber.
Lachen, wenn die anderen leiden II
In „Ein seltsames Paar“ – bekanntgeworden durch Jack Lemmon und Walter Matthau - bricht eine lebenslange Freundschaft auseinander. Absolut existenziell und traurig für die beiden Hauptfiguren – so auch in der Aufführung vom Casino-Theater Winterthur (2005). Der epische Wutausbruch von Mike Müllers Oskar und die verdatterte Reaktion von Freund Felix, gespielt von Viktor Giacobbo, ist so logisch wie lustig.
Der Zuschauer als freiwilliger Komplize
Theater am Fernsehen ist dann am Besten, wenn man etwas von der Atmosphäre im Saal mitkriegt. Wenn man spürt, dass Komödianten ihr Publikum mitreissen, es zum Komplizen machen und im Ausnahmefall sogar ins Spiel einbeziehen. Der Basler Volksschauspieler Häbse Hersberger ist ein Meister im Aufbrechen dieser ominösen unsichtbaren„vierten Wand“, die eigentlich zwischen Publikum und Bühne steht. Und plötzlich sitzt man nicht mehr zuhause, sondern im Theatersaal. Im Schwank „Aber nei Traugott“ (1999) muss Hauptfigur Häbse einen Wutanfall mimen, um seine eigene Haut zu retten. Ein Requisit spielt dabei eine wichtige Rolle.
Man freut sich, auf das, was kommt
Alfred Rasser hat mit dem HD- Läppli eine der bekanntesten Schweizer Bühnenfiguren geschaffen. In „Demokrat Läppli“ (1975) legt sich der sanfte Revoluzzer mit Autoritäten an –eigentlich ohne es zu wollen. So bringt er Behörden, Politiker, Psychiater und Polizei solange zur Weissglut, bis Läppli einen Vormund kriegt. Man könnte fast Mitleid mit diesem superkorrekten Menschen kriegen, wenn man sich nicht so freuen würde auf Philosophie à la Läppli.
Zuschauer als Experten
Liebe und Freundschaft, Lüge und Verrat – in Komödien geht es häufig um existenzielle Themen. Aber nicht immer. Manchmal genügt schon der ganz normale Alltag, um ein Publikum abzuholen und zu unterhalten. So erlebt sich das Publikum plötzlich als Experten und Expertinnen, die zum Geschehen auf der Bühne ein kundiges Urteil abgeben könnten: Beim „Pantoffelheld“ aus dem Jahre waren es 1983 wohl in erster Linie Hausfrauen, bügelnde Männer waren damals eher die Ausnahme. Zu denen gehörte der frischgebackene Hausmann Daniel (Jörg Schneider), der sich mit Bügelbrett und Knitterjeans abquält. Paul Bühlmann als Kumpel Georges macht das schon einiges souveräner.
Alkohol I: Schnaps und Sex - wenn der Biedermann in Fahrt kommt
Starke, entscheidungsfreudige Helden ohne Selbstzweifel sind ungeeignete Hauptfiguren für Komödien, lieber hat man die Biedermänner – mit einem bisher verborgenen Potenzial das wachgeküsst oder sonstwie herausgekitzelt werden muss. DER Spezialist für solche Rollen ist zweifellos Walter Roderer, dem im „Mustergatten“ (1985) gleich beides wiederfährt, damit er endlich aus sich herauskommt: Zum einen wird er von einer attraktiven Frau umgarnt. Und dann gibt’s auch noch den Teufel Alkohol, der Billie Zellweger so locker macht wie noch nie.
Alkohol II: Mit Schnaps zum Monster
Dank Alkohol – oder eher dank zuviel Alkohol kommt es in einem Schwank oft zu einer unerwarteten Wendung. In „Zimmer 12A“ (2001) bereitet sich ein frisch verheiratetes Pärchen auf ihre Hochzeitsnacht vor – beide nehmen dieses Abenteuer unberührt in Angriff. Begreiflicherweise ist der Grad an Nervosität ziemlich hoch. Da hilft in vielen Fällen Flüssigkeitszufuhr – denkt der Ehemann. Was er nicht weiss: ein früherer Gast hat im ganzen Zimmer Schnaps versteckt. Auch in der Wasserkaraffe. Und plötzlich wird aus einem braven Verkäufer für Herrenunterwäsche (Renato Salvi) ein lüsternes Monster.
Alkohol III: Slapstick dank einem Gläschen zuviel
Ab einem gewissen Alkohol-Pegel wird die Zunge schwer und die Schwerkraft zum Feind des eigenen Körpers. Ist selten lustig, wenn man’s selber live erlebt oder miterlebt. Im Theater kann das zum Slapstick-Erlebnis erster Güte werden, wenn dieser Zustand so virtuos vorgeführt wird, wie in „Heimisbach“ (1977), einer Aufführung der Emmentaler Liebhaberbühne – übrigens ein reiner Amateurverein. Im folgenden Kabinettstückchen schwankt brilliant Kurt Zahm.
Kleine Gesten - grosse Reaktionen
Ruedi Walter spielt in „My Fründ Hanspi“ den liebenswürdigen Herrn Vischer, der einen ganz besonderen besten Freund hat: einen zwei Meter grossen weissen Hasen namens Hanspi. Das Problem daran: Keiner ausser Vischer sieht Hanspi. Man liefert den guten Mann in Psychiatrie ein, wo sich die Rollen aber bald umkehren und der Chefarzt dem ausgezeichneten Zuhörer Vischer seine innersten Wünsche anvertraut. Ruedi Walters Figur reagiert bloss oder stellt ein zwei Fragen. Aber das genügt schon.


