Koproduktion SRF/SWR
Koproduktion SRF/SWR: Historischer und aktueller Hintergrund
Wie Reto Flückiger an den Bodensee kam
Per Volksabstimmung haben 2005 54,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung dem Beitritt des Landes zum Justiz- und Polizeiabkommen von Schengen zugestimmt, das die Grenzkontrollen zu den anderen Schengen-Staaten hinfällig macht, ebenso die Visumspflicht für Ausländer und Ausländerinnen aus nicht-EU- bzw. den meisten nicht-europäischen Staaten mit ständigem Wohnsitz in der Schweiz. Umgekehrt dürfen auch bisher visumspflichtige Ausländerinnen und Ausländer aus anderen Schengen-Staaten ohne Visum in die Schweiz einreisen.
Am Anfang der Koproduktionsidee, die zu „Seenot“ (2007), dem ersten gemeinsamen Fall von Reto Flückiger am Bodensee führte, stand das Bewusstsein sowohl der Macher als auch des geneigten "Tatort"-Stammpublikums, dass Eva Mattes alias Kommissarin Klara Blum, seit 2002 für den SWR in Konstanz im Einsatz, über kurz oder lang nicht ohne Fälle mit Bezug zur Schweiz wird auskommen können. Allzu schnell könnten in der beschaulich zwischen Bodensee und Schweizer Grenze gelegenen Stadt mit Geschichte die Geschichten ausgehen, wenn diese denn jedes Mal an der Grenze zur Schweiz haltmachen müssten. Aus der dramaturgischen Not sollte eine Tugend geboren - oder mo-derner ausgedrückt: eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen herausgearbeitet werden. Etwas, das den Konstanzer "Tatort" noch unverwechselbarer macht. Innerhalb wie ausserhalb der "Tatort"-Reihe.
Dazu gehört einerseits die besondere, historisch gewachsene Lage der deutschen Bodenseemetropo-le mit ihrem mehrheitlich Schweizerischen Um- und Hinterland; andererseits rücken auch jüngere und jüngste politische Entwicklungen den Dreiländersee - an und für sich schon rein optisch ein Alleinstel-lungsmerkmal - als geographische Mitte des zusammenwachsenden Europas zusätzlich in den Brennpunkt interessanter Kontraste und Konflikte.
Die Realität zeigt, dass Kriminalität immer komplexere Formen annimmt und je länger je weniger an Landesgrenzen haltmacht. Nicht erst seit der Schengen-Abstimmung keimt in Rand- bzw. Grenzregio-nen wie dem Thurgau mit seiner immer noch idyllisch anmutenden, ländlichen Prägung die Angst, eine weitere Lockerung der Grenzen im zusammenwachsenden Europa öffne allen Arten von Verbrechen Tür und Tor. Dazu kommt der steigende Siedlungsdruck auf die attraktiven Wohnlagen am See, der - Kehrseite des Fortschritts - mit der immer besseren Verkehrsanbindung der Region an die städtischen Zentren und mit der Zuwanderung aus dem Ausland, nicht zuletzt aus dem benachbarten Deutschland, einhergeht.
Über Jahrhunderte, schon lange bevor es die Schweiz und Deutschland als Nationen gab, war die Grenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen unbefestigt, der Thurgau das natürliche Hinterland von Konstanz. In kriegerischen Zeiten bot Konstanz, das im Mittelalter die Bedeutung einer Weltstadt hatte, der Thurgauer Bevölkerung Schutz; in friedlichen Jahrhunderten trugen Thurgauer Bauern Tag für Tag ihre Waren in Konstanz zu Markte. Lange Zeit waren lediglich an den Stadttoren, Kontrollposten vergleichbar mit heutigen Zollübergängen vorhanden. Mehrmals in der Geschichte stand Konstanz sogar als Hauptstadt des Kantons Thurgau zur Diskussion.
Die Situation veränderte sich erst 1939 grundlegend, als die Nationalsozialisten einen Grenzzaun hochzogen und Konstanz damit von seinem städtebaulich und auch gesellschaftlich mit ihr zu einer Stadt zusammengewachsenen Schweizer Vorort Kreuzlingen abtrennte. Diesem Beispiel folgend wur-de auch das erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zwischen den Städten aufgeschüttete Ge-biet Klein Venedig noch 1973 mit Maschendrahtzaun, dem Grenzverlauf folgend, zerteilt.
Mehr als 30 Jahre später und fast 17 Jahre nach der Berliner Mauer fiel der Grenzzaun zwischen Konstanz (D) und Kreuzlingen (CH) und löste - weit über die Grenzen der beiden Nachbarländer hinaus bis nach Australien - ein starkes Medienecho aus. Am 28./29. April 2007, rund einen Monat nach den Dreharbeiten zu "Seenot", feierte die "wiedervereinigte" Stadt Konstanz/Kreuzlingen die Einweihung der gemeinsamen "Kunstgrenze": Die Öffnung und künstlerische Umgestaltung des Grenzabschnitts mit 22 Tarot-Skulpturen des Künstlers Johannes Dörflinger markiert nicht nur symbolisch und nicht nur für die beiden Nachbarstädte einen Meilenstein in der gemeinsamen Geschichte, sondern für die gesamte, über ihre nationalen Demarkationen hinaus zusammenboomende Region am Bodensee, einst "die Seele Europas" genannt. Ohne Landesgrenze wäre die Agglomeration Kreuzlingen/Konstanz mit über 100'000 Einwohnern - Tendenz steigend - schon jetzt die sechstgrösste der Schweiz.
Die Fälle mit Stefan Gubser und Eva Mattes
2010: Der schöne Schein
Sonntag, 16.01.2011 um 20:05 Uhr auf SF 1
Zum dritten und letzten Mal ermitteln Reto Flückiger und Klara Blum gemeinsam am Bodensee. Bevor das Schweizer Fernsehen Flückiger als «Tatort»-Kommissar nach Luzern versetzt, demonstrieren Stefan Gubser und Eva Mattes als grenzüberschreitendes Duo noch einmal, wie gut sich Deutschland und die Schweiz ergänzen, wenn es um Mord geht. mehr
2009: Der Polizistinnenmörder
Sonntag, 03.01.2010 um 20:05 Uhr auf SF 1
Klara Blum ist einem Waffenhändler auf der Spur. Der Mann mit Namen Meiners wird verdächtigt, auf der Flucht eine junge Polizistin erschossen zu haben. Auch Reto Flü-ckiger, Chef der Thurgauer Seepolizei, ist an Meiners interessiert. In Schaffhausen ge-lingt ihm die Festnahme. Doch Klara erwirkt gegen Retos Widerstand die Überführung nach Konstanz. Da gerät der Gefangenentransport in einen Hinterhalt. Auf sich allein gestellt, versuchen Klara und Reto Meiners in Sicherheit zu bringen.
Mit Eva Mattes, Stefan Gubser, Sebastian Bezzel, Martin Brandner, Gilles Tschudi u.a. – Drehbuch: Leo P. Ard; Regie: Florian Froschmayer
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2007: Seenot
Sonntag, 13.01.2008 um 20:05 Uhr auf SF 1
Nächtliche Notsignale ohne ersichtliche Ursache; eine herrenlos im Morgengrauen dümpelnde Yacht namens "Pandora"; und dann ein als vermisst gemeldeter Schweizer Werftbesitzer... Was so rätselhaft, auf dem Bodensee vor Konstanz, beginnt, ver-strickt sich im weiteren Verlauf zu einem ganz und gar nicht klaren Fall für Klara Blum. Die Konstanzer "Tatort"-Kommissarin muss beim Kanton Thurgau Amtshilfe anfordern. Und bekommt Reto Flückiger zugeteilt, den Chef der Thurgauer Seepolizei.
Mit Eva Mattes, Stefan Gubser, Ralph Gassmann, Sebastian Bezzel, Daniel Rohr u.a. – Drehbuch: Dorothee Schön; Regie: René Heisig
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