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Die Ermittler aus Stuttgart (SWR)

Kommissar Thorsten Lannert

Thorsten Lannert braucht ein neues Leben. In dem alten ist zuviel passiert, das er nicht mehr reparieren kann. Lannert ist nicht der Typ Polizist und Mann, der den Kopf in den Sand steckt. Man muss ihn schon vierteilen, damit er nicht wieder aufsteht. Und selbst dann ist das noch nicht sicher. Aber manchmal gibt es Dinge, die unumkehrbar sind. Genau die sind ihm passiert.

Lannert ist das, was man neudeutsch "streetwise" nennt. Er hat von der Pike auf angefangen, er war immer auf der Straße, er hat sich im Job nicht hochgearbeitet, sondern durchgebissen. Zuletzt war er verdeckter Ermittler in Hamburg. Vier Jahre lang. Länger als zwei Jahre lässt man einen VE normalerweise nicht draußen in der Kälte. In Hamburg war Lannert ein wichtiger Mann. In Stuttgart beginnt der Hauptkommissar als ein Niemand.

Andere hätten den Dienst quittiert oder wären Dauergäste in einer psychiatrischen Anstalt geworden. Lannert hat sich verboten, ein verbitterter Mann zu werden. Denn er hat Witz, er hat den Schalk im Nacken. Im Grunde ist er ein lebenslustiger Typ. Und seine Selbstdisziplin sorgt dafür, dass er nicht zurückblickt. Meist gelingt ihm das. So kommt er rüber als ein harter, aber wohlwollender Polizist. Nur manchmal, in einer Geste, in einem Blick, können wir kurz in ihn hineinschauen. Sekundenbruchteile lang. Und wir wollen nicht alles wissen, was wir da gesehen haben.

Thorsten Lannert ist kein Teamplayer, denn sein auf der Straße erworbenes Misstrauen sitzt so tief, dass er niemandem wirklich traut. Nicht mal seinem Briefträger. Instinktmensch ist die Bezeichnung, die am ehesten auf ihn zutrifft. Lannert kennt die Paragraphen ebenso gut wie Sebastian Bootz, aber im Zweifelsfall hört er auf seinen Bauch. Mehr noch: Im Konflikt zwischen seiner persönlichen Moral und dem Gesetz droht das Gesetz manchmal ins Hintertreffen zu geraten.

Lannerts Menschenkenntnis und seine Erfahrung bringen etwas mit, was Bootz sich bisher nur theoretisch erschließen kann: Verständnis für den Täter. Thorsten Lannert hat einen wunden Punkt: Kinder. Wenn es um Kinder geht, sind Polizisten plötzlich besonders sensibilisiert. Für Lannert trifft das in Potenz zu. Steht ein Kind auf dem Spiel, gehen bei Thorsten Lannert komplett die Lichter aus.

Schauspieler Richy Müller
Richy Müller, gebürtiger Mannheimer, erlebte seinen Durchbruch als Schauspieler 1978 mit der Leonie Ossowski-Verfilmung "Die große Flatter". Es folgten u. a. Reinhard Hauffs "Der Mann auf der Mauer" oder Roland Emmerichs "Das Arche Noah Prinzip". Nach einer Reihe von Rollen als raubeiniger Macho spielte der ehemalige Leistungsturner in den 80ern vorwiegend Theater.

Wieder vor die Kamera zurückgekehrt, überzeugte er als Charakterdarsteller in einer Vielzahl von Rollen unterschiedlichster Genres, u. a. mit Hauptrollen in "Irren ist männlich" von Sherry Hormann, "Die innere Sicherheit" von Christian Petzold, "Farland" von Michael Klier, "Unsere Mutter ist halt anders" von Franziska Buch oder markanten Nebenrollen wie in Thomas Durchschlags Film "Allein" oder 2005 in zwei SWR-Koproduktionen: "Nicht alle waren Mörder" von Jo Baier und Chris Kraus' vielfach ausgezeichnetem Kinofilm "Vier Minuten".

Gregor Schnitzlers Gudrun Pausewang-Verfilmung "Die Wolke" mit Richy Müller in einer der Hauptrollen, ebenfalls 2005 gedreht, war 2006 in den Kinos zu sehen. 2006 stand der Schauspieler für "Noch ein Wort und ich heirate dich" (Regie Wilhelm Engelhard) vor der Kamera, 2007 für den Abenteuer-Zweiteiler "Die Schatzinsel" in der Regie von Hans-Jörg Thun. Gerade war er in einer der Hauptrollen von "Ein verlockendes Angebot" (Regie Tim Trageser) auf dem Bildschirm zu erleben.

Kommissar Sebastian Bootz

Bootz braucht Ordnung. Das verschafft Überblick, das verschafft Kontrolle. Das verhilft ihm zu der Klarsicht, die ihn auszeichnet.
Er sammelt Fakten, er analysiert. Aber Sebastian Bootz hat sich – im Gegensatz zu anderen Menschen dieses Typus’ – einen Humor und eine Lässigkeit bewahrt, die den ersten Eindruck dieses Mannes dominieren. Er lädt also zum Unterschätzen ein. Denn hinter der lockeren Fassade verbirgt sich ein Mann, der dem Gesetz dienen will. Ohne Wenn und Aber.

Sebastian Bootz wohnt mit seiner Frau Julia und seinen beiden Kindern Maja und Henri in einer zum Einfamilienhaus umgebauten Werkstatt im Stuttgarter Westen. Verkehrsberuhigte Zone. Das Leben ist übersichtlich. Nach dem Abitur und der Verwaltungsfachhochschule in Villingen stieg er gleich in den gehobenen Dienst ein. Geradlinig und schnörkellos ist seine Karriere verlaufen. Glatt, sagen einige über ihn. Unbestechlich in seiner Haltung, sagen die anderen.

Er konnte sich nicht damit zufrieden geben, dass er Dinge erarbeiten sollte, die bereits geschehen waren. Er wollte das Vorher begreifen. Er belegte vier Semester Kriminalpsychologie. Für die Kollegen ist das gewöhnungsbedürftig, für sie liest er manchmal aus dem Kaffeesatz. Für Bootz ist das pure Wissenschaft. Jede Hilfe ist eine Demütigung. Diesen polarisierenden Satz hat mal jemand von sich gegeben, für Sebastian Bootz ist es ein Credo. Er legt Wert darauf, dass er Dinge allein bewältigen kann. Dass er niemanden braucht – und er wird diese Haltung ändern.

Der Schreibtisch ist sein bevorzugtes Revier. Er gibt ihm Sicherheit. Da ist sein Gehirn gefragt. Man kann eine Schachpartie mit ihm im Kopf austragen. Mit der Angehörigen eines Opfers, die sich ihm weinend in die Arme wirft, fühlt er sich überfordert. Er wird trotzdem Trost spenden und richtige Worte finden, aber wir merken ihm an, dass er sich dabei an einen weit entfernten Ort wünscht – zum Beispiel an seinen Schreibtisch.

Schauspieler Felix Klare
Felix Klare wurde 1978 in Heidelberg geboren. Er wurde an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin ausgebildet und ging nach seinem Debüt am Berliner Ensemble und dem Hamburger Schauspielhaus 2002 für zwei Jahre ans Theater Freiburg. Nach ersten Fernsehrollen in "SK Kölsch" und "Ich leih dir meinen Mann" stand Felix Klare 2005 für die "Debüt im Dritten"-Produktion "Das Leben der Philosophen", Regie Holger Haase, und den Kinofilm "Offset" in der Regie von Didi Danquart vor der Kamera.

Zur Zeit ist er am Düsseldorfer Schauspielhaus zu sehen, wo er in der letzten Saison die Titelrolle in Stephan Rottkamps Inszenierung von "Othello" spielte, und am Bayerischen Staatsschauspiel, wo er u. a. in Sarah Kanes "Gier" (Regie Tina Lanik) und Simon Stephens’ "Country Music" (Regie Alexander Nerlich) auf der Bühne steht. Im Februar hat am Düsseldorfer Schauspielhaus Tschechows "Iwanow" in der Regie von Amélie Niermeyer Premiere, mit Felix Klare in der Rolle des Arztes.