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Themenschwerpunkt «Frau und Mann»

Die Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft geben auch heute noch Anlass zu Kontroversen: Einerseits gelten die Errungenschaften der Frauenemanzipation weithin als selbstverständlich, gleichzeitig zeigt sich eine Bewegung zurück zu früheren Werten.

Der Themenschwerpunkt am 10. Oktober 2010 beleuchtet die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln: In der Sternstunde Philosophie spricht die renommierte französische Philosophin Elisabeth Badinter über ihre strittigen Thesen zu Mutterliebe und Mutterwahn. In der Sternstunde Religion erläutert der Franziskanerpater Richard Rohr, welche Herausforderung die Emanzipation der Frauen für die heutigen Männer darstellt. Und der Film «Die Ehre meiner Eltern» betrachtet die Rollen von Mutter und Vater aus der Perspektive des Sohnes.

Richard Rohr

Richard Rohr

Sternstunde Religion vom 10.10.2010: Männer in der Krise?

Richard Rohr im Gespräch mit Judith Hardegger

10.00 Uhr

Die Frauenemanzipation hat den Männern eine Identitätskrise beschert. So lautet eine gängige These. Was also bedeutet es heute, ein Mann zu sein? Mit welchen Ansprüchen sehen sich heutige Väter konfrontiert? Und wie beeinflussen sich Männer-, Väter- und Gottesbilder? Der amerikanische Franziskanerpater Richard Rohr hat sich durch seine Vorträge und Publikationen zum Thema Männerbefreiung auch in Europa einen Namen gemacht. Vielen ist er bekannt durch den Bestseller „Das Enneagramm – die neun Gesichter der Seele“, der in 16 Sprachen übersetzt und mittlerweile 45 Mal aufgelegt wurde.
Im Gespräch mit Judith Hardegger blickt Richard Rohr zurück auf viele Jahre spirituelle Männerarbeit. Er analysiert, warum die Krise des Mannes oft mit einer Krise des Glaubens einhergeht und erklärt, was zu einem ganzheitlichen Mannsein beitragen kann.

Buchtipps:
Richard Rohr: Pure Präsenz. Claudius Verlag 2010.
Richard Rohr: Vom wilden zum weisen Mann. Claudius Verlag 2006.

Die Eltern von Filmautor Benedikt Fischer

Die Eltern von Filmautor Benedikt Fischer

Sternstunde Religion vom 10.10.2010: Die Ehre meiner Eltern

Ein persönlicher Film von Benedikt Fischer

10.30 Uhr

Der Vater ist dement und kann nicht mehr sprechen, die Mutter halbseitig gelähmt und sitzt seit einer Hirnblutung im Rollstuhl: die Eltern von Filmautor Benedikt Fischer. Zunächst waren in dieser Familie die Rollen klar verteilt: der Vater intellektuell, fordernd, daneben die warmherzige aber vielbeschäftigte Mutter. Und nun, im Alter, brauchen beide Hilfe, verdienen Mitgefühl – aber kann man sie ehren? Wie? Wozu? Und was heißt eigentlich "ehren"? Heute sind die traditionellen Beziehungen von mehreren Seiten unter Druck: Neben den gesellschaftlichen Veränderungen stellen vorab die gesundheitlichen Bedingungen das Gefüge in Frage. Die eigenen Eltern auf den Prüfstand zu stellen, wenn diese alt und hilfsbedürftig sind, ist eine heikle Angelegenheit. Darf man das? Ist es vielleicht sogar notwendig, um sich selber besser zu begreifen? Um zu einer neuen Vater- und Mutterliebe zu finden, jenseits von Autoritäten und Machtgefälle?

Elisabteh Badinter

Elisabteh Badinter

Sternstunde Philosophie vom 10.10.2010: Elisabeth Badinter: Mann und Frau – einfach kompliziert

Die Philosophin Elisabeth Badinter im Gespräch mit Norbert Bischofberger

11.00 Uhr

Beziehung, Familie, Kinder und Beruf: wie geht das alles unter einen Hut? Diese Frage beschäftigt viele Frauen und Männer jeden Tag, so auch Elisabeth Badinter, dreifache Mutter und eine der renommiertesten zeitgenössischen Philosophinnen Frankreichs. Sie hat sich im Streit um die Rolle der Frauen und Männer in der Gesellschaft seit den 70iger Jahren immer wieder pointiert zu Wort gemeldet und sich für die Rechte der Frauen stark gemacht. Heute sieht sie die Emanzipation der Frauen zunehmend gefährdet, insbesondere Mütter würden heftig kritisiert, wenn sie nicht ständig den Kindern den Vorrang geben würden. In der „Sternstunde Philosophie“ erläutert Elisabeth Badinter ihre strittigen Thesen und zeigt, wo sie die Grenze zwischen Mutterliebe und Mutterwahn sieht und warum Mutterliebe kein natürliches, sondern ein kulturelles Phänomen ist.

Literaturhinweis:
Elisabeth Badinter: Der Konflikt. Die Frau und die Mutter. Verlag C.H.Beck, München 2010.