Beyoncé
Destiny's Child kann man getrost als die Surpremes der 90er-Jahre bezeichnen: zwei extrem erfolgreiche Girlgroups, in deren Zentrum eine zukünftige Diva steht, im Hintergrund ein ebenso visionäres wie unnachgiebiges Management. Gemäss dieser Analogie käme Beyoncé Giselles Knowles die Rolle der Diana Ross zu, ihre Eltern würden als Berry und Gordy eine Art texanisches Familien-Motown leiten. Beyoncé steht somit in einer langen Tradition stimmgewaltiger, afro-amerikanischer Sängerinnen.
Dass Beyoncé auch die ganz grossen Gesten und Gefühle versteht, hat sie zuletzt bewiesen, als sie bei Barack Obamas Inauguration „America The Beautiful“ und anlässlich des ersten Tanzes des ersten afro-amerikanischen Präsidenten „At Last“ gesungen hat.
Beyoncés Alter Ego Sasha Fierce performt im Gegensatz dazu Songs für die Tanzfläche, sexy und beatorientiert. Hitparadenmaterial, so scheint es. Doch das Ganze erinnert eher an die roh-aufgeheizte Atmosphäre jamaikanischer Dancehalls als an das züchtige Mainstreamradio der USA.
Wiederholung
Samstag, 23. Juni 2012 um 12.25 Uhr auf SF info
CD-Tipps
4 (2011)
Auf ihrem vierten Album klingt Beyoncé weiterhin nach - Beyoncé. Anklänge auf 70s/80s Soul («Love On Top») sind ebenso zu hören wie karibische Grooves («End Of TIme»), ultra-kitschige Balladen («I Was Here») oder futuristisch-tanzbare Frauenhymnen («Run The World (Girls)»).
I Am... Sasha Fierce (2008)
Die tanzbare Hymne «Single Ladies», das ergreifende «Ave Maria», das kitschige «Halo», ein paar durchschnittliche Albumfüller (wie auf jedem Album der Sängerin) kennzeichnen Beyoncés drittes Album. Auch wenn die Stücke im Gesamten weniger frisch daher kommen wie auf den ersten beiden Alben, ist Beyoncés Stimme überragend und schreibt ihre Erfolgsgeschichte mühelos fort - unter anderem mit 6 Grammy-Auszeichnungen in einer Nacht.
B'Day (2006)
Der Eröffnungssong «Deja Vu» zeigt wie schon beim Debut-Album die Wucht von Beyoncés gesanglicher Energie - und ihrem kongenialen Produzententeam. Die Sängerin kennt ihre Musikgeschichte und kondensiert sie wiederum in Songs, die gnadenlos in die Beine fahren - oder in Powerfraumanier den Männern harte Realitäten an den Kopf schmettern («Irreplaceable»). Mit diesem Album beweist Beyoncé, dass sie nicht nur weit mehr als ein One-Album Wonder ist, sondern das Kaliber hat, in die Annalen der ganz grossen Schwarzen Sängerinnen einzugehen.
Dangerously In Love (2003)
Die erfolgreiche Girlgroup Destiny's Child ist Geschichte und Beyoncé startet mit einem Big Bang ihre Solokarriere. «Dangerously in Love» schlägt ein wie eine Bombe und Singles wie «Crazy In Love» und «Baby Boy» zeigen das ganze Spektrum dieser Ausnahmesängerin - Vintage Soul ist ebenso Teil ihres Repertoires wie jamaikanischer Dancehall und urbaner Club Sound. Das Album wird mit 5 Grammys ausgezeichnet.








