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Übersicht

Kleibers Aufführungen setzten Massstäbe, und seine Art zu dirigieren war schlicht unvergleichlich: weit ausholend seine Bewegungen, die Gesichtszüge glückhaft entrückt. Unter seinem Dirigat vermochte die Musik sich wie ein lebendiger Organismus zu entfalten und nie gehörte Nuancen preiszugeben. Wenn Kleiber sein Orchester mit charismatischer Hand durch die Partituren führte, konnte sich kaum jemand der Magie des Dirigierens entziehen.

In seiner Dokumentation «Spuren ins Nichts - der Dirigent Carlos Kleiber» konfrontiert der Filmemacher Eric Schulz wichtige Weggefährten Kleibers mit Proben- und Konzertaufnahmen des Ausnahmedirigenten. Entstanden ist ein intensives filmisches Porträt, welches nicht nur lebendige Erinnerungen bedeutender Künstler wie Plácido Domingo, Otto Schenk, Michael Gielen, Brigitte Fassbaender oder Otto Staindl einfängt - sondern auch Veronika Kleiber, die Schwester des 2004 verstorbenen Dirigenten, zu Wort kommen lässt. Obwohl sie dies zuvor immer abgelehnt hatte, gab sie explizit für diesen Film ihr erstes und einziges Interview.

Eric Schulz wurde für seinen Film mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er einen Echo 2011, den Grammophone Classical Music Award sowie den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik, in dessen Jurybegründung es heisst: «Genie und Wahnsinn liegen im Künstlertum oft dicht beieinander. Doch kaum einmal werden ihre ekstatischen Momente so vortrefflich ins Bild gerückt wie bei Carlos Kleiber, dem Sohn des berühmten Pultstars Erich Kleiber. Rundum alles, was diesen Tatbestand ausmacht, wird in dem faszinierenden Filmdokument von Eric Schulz sichtbar. Bewundernswert und tragisch zugleich.»

Wiederholung

Samstag, 3. März 2012 um 12.00 Uhr auf SF info

CD- und DVD-Tipps:

1. Carlos Kleiber der Operndirigent

Carl Maria von Weber: Der Freischütz

Mit einer Oper begann Carlos Kleiber die Reihe seiner CD-Aufnahmen, und mit einer Oper beendete er sie. Trotz seiner Abneigung gegen das Medium Schallplatte liess sich Kleiber 1973  zu einer Aufnahme von Carl Maria von Webers „Freischütz“ bewegen. Dies ist bis heute eine der exemplarischen Einspielungen dieses Werks.

Carl Maria von Weber: Der Freischütz, DG CD 231 020

2. Carlos Kleiber als Orchesterdirigent

Ludwig van Beethoven: Sinfonien Nr. 5 und 7 (Wiener Philharmoniker)

Im symphonischen Repertoire ist die Zahl von Kleibers Aufnahmen so klein, dass man ungern auf eine von ihnen freiwillig verzichtet. Beethoven steht dabei im Zentrum. Auch da gibt es die Zeit der Studioaufnahmen und die Zeit danach.

Ludwig van Beethoven: Sinfonien Nr. 5 und 7
DG CD 447 400

2. Carlos Kleiber als Orchesterdirigent

Ludwig van Beethoven: Sinfonien Nr. 4 und 7 (Concertgebouw Orchester)

Was dabei die Unterschiede sind, zeigen die beiden Aufnahmen von Beethovens Siebter: 1976 im Studio mit den Wiener Philharmonikern, 1983 live mit dem Concertgebouw Orchester.

Ludwig van Beethoven: Sinfonien Nr. 4 und 7     
Decca DVD 070 100-9

3. Das Wiener Neujahrskonzert

Neujahrskonzert 1989

Eigentlich würde man dem immer sehr ernsthaften (manchmal auch etwas verkrampft wirkenden) Dirigenten die Hand für die leichte Muse der Strauss-Familie nicht unbedingt zugestehen. Doch Kleiber brachte die Qualitäten der Walzer, Polkas und Csardas heraus wie neben ihm nur noch Nikolaus Harnoncourt.

Neujahrskonzert 1989, Sony CD 45564