Rundschau Sommer Specials: Zwei Gemeinden, zwei Welten
Sommerserie 2011
Zwei Gemeinden, zwei Welten
ab 13. Juli 2011 auf SF 1
Die Schweiz ist ein Land der Gegensätze. Die Rundschau wirft im Wahljahr 2011 das Schlaglicht auf zehn Gemeinden, die innerhalb der Schweizer Politlandschaft eine extreme Position einnehmen. Sie zeigt in einer fünfteiligen Serie, wie unterschiedlich die Menschen in der Schweiz denken und wie weit ihre Positionen voneinander abweichen. In welcher Schweizer Gemeinde sind die Stimmbürger am europafreundlichsten; wo am europafeindlichsten? Wie leben die Menschen in der reichsten Gemeinde; womit kämpft eine Gemeinde, die kurz vor dem Bankrott steht? Döttingen lebt seit 40 Jahren mit und vom Atomkraftwerk Beznau; die Berggemeinde St. Antönien will die grösste Solarenergie-Anlage der Schweiz bauen. Kreuzlingen kämpft mit der Zuwanderung aus Deutschland; Linthal im Glarnerland leidet unter der Abwanderung.
Die beiden Moderatoren Sonja Hasler und Urs Leuthard tauchen ein ins Gemeindeleben und gehen der Frage nach, wie die Schweiz trotz zunehmender sozialer Gegensätze funktioniert.
Mittwoch, 13. Juli 2011: Arm – reich
Wollerau, SZ versus Neuenhof, AG
Die Schwyzer Gemeinde Wollerau und die Aargauer Gemeinde Neuenhof liegen rund vierzig Autofahrminuten voneinander entfernt – und doch trennen die beiden Gemeinden Welten. Beide waren einmal arme Bauerndörfer. Heute ist Wollerau eine der reichsten, Neuenhof eine der ärmsten Gemeinden der Schweiz. Hier die Luxusgemeinde Wollerau am Zürichsee, Wohnort der Superverdiener: Luxusimmobilie reiht sich an Luxusimmobilie. Dort die Agglogemeinde Neuenhof im Limmattal, Zuhause der Niedrigverdiener. Arbeiterblock reiht sich an Arbeiterblock. Trotz der Geldsorgen will der Gemeindepräsident von Neuenhof den Steuerfuss senken – und hofft damit, Wollerau ein wenig näherzukommen. Was passiert, wenn in der Schweiz Gemeinden kurz vor dem Bankrott stehen und andere immer reicher werden?
Mittwoch, 20. Juli 2011: Öffnung – Abschottung
Cologny, GE versus Unteriberg, SZ
In Cologny am Genfersee herrscht eine internationale Atmosphäre. Hier ist der Sitz des WEF (World Economic Forum) und von 'terre des hommes', hier stehen Villen von Milliardären und Showstars. Viele Einwohner arbeiten in Genf für internationale Unternehmen und Organisationen. Ausländeranteil: 37 Prozent. Das Gegenteil: Unteriberg im Kanton Schwyz, mit einem Ausländeranteil von fünf Prozent. Das Dorf liegt am Fuss eines Skigebietes, das eine Stunde von Zürich entfernt. Unteriberg ist ein SVP-Hochburg. Ein wichtiger Arbeitgeber ist die Rüstungsindustrie, die auf dem Ochsenboden Munition testen lässt. Bei Abstimmungen über Öffnung und Veränderung zeigt sich Unteriberg als die konservativste Gemeinde der Schweiz. „Darauf sind wir stolz“, sagt Revierförster Franz Laimbacher.
Mittwoch, 27. Juli 2011: Atomdorf – Solardorf
Döttingen, AG versus St. Antönien, GR
Döttingen im Kanton Argau lebt seit 40 Jahren mit und vom Kernkraftwerk Beznau. Die grosse Mehrheit der Bewohner steht zur Atomenergie und zum Standort des Kernkraftwerkes in ihrer Gemeinde - trotz Fukushima. Die Döttinger profitieren wirtschaftlich von Beznau und haben sich an das AKW gewöhnt. Im Gegensatz dazu will St. Antönien in Zukunft vollständig auf Solarenergie setzen. In der abgelegenen Talschaft im Prättigau soll das grösste Solarkraftwerk der Schweiz entstehen. Kilometerlange Lawinenverbauungen werden mit Solarpanels bestückt – und damit soll nicht nur das Dorf, sondern auch die Umgebung mit Strom versorgt werden. Nebenbei will der Gemeinderat die Solaranlage touristisch vermarkten. Was bedeutet der geplante Atomausstieg für die Döttinger und wie kam St. Antönien zu dieser Vorreiterrolle bei der Solarenergie?
Mittwoch, 3. August 2011: Zuwanderung – Abwanderung
Kreuzlingen, TG versus Linthal, GL
Kreuzlingen am Bodensee ist die Gemeinde mit den meisten deutschen Zuwanderern. Überall wird gebaut, die Stadt wächst rasant. Vielerorts sind Schweizer in der Minderheit. Die Zuwanderung füllt zwar die Gemeindekasse, löst aber in der Bevölkerung auch Unmut aus. Die Personenfreizügigkeit ist hier Fluch und Segen zugleich. Mit ganz anderen Problemen kämpft die Glarner Gemeinde Linthal: Laut Statistik die Gemeinde, in der prozentual in den letzten Jahren am meisten Bewohner weggezogen sind. Jetzt schliesst sogar der Metzger sein Geschäft. In den leeren Hallen der stillgelegten Textilindustrie soll nun das Gewerbe wiederbelebt werden.
Mittwoch, 10. August 2011: Mehr Sozialstaat - mehr Eigenverantwortung
Tramelan, BE versus Appenzell, AI
Wenn es bei Abstimmungen um die Stärkung und den Ausbau des Sozialstaates geht,stimmen die Bewohner von Tramelan im Berner Jura immer klar dafür. Die Region ist mit ihrer Uhren- und Maschinenindustrie krisenanfällig. Daher gibt es eine lange Tradition, bei Schwierigkeiten Hilfe vom Staat anzufordern. Ganz anders im Dorf Appenzell. Hier verlaufen dieselben Abstimmungen in die entgegengesetzte Richtung. Man hilft sich selbst oder die Gemeinschaft springt ein - auch wenn bei den Bauern Subventionen willkommen sind. Dafür hält sich Landwirt Emil Inauen zurück bei den Arztbesuchen, sogar so lange, bis seine kranke Niere nicht mehr zu retten war.








