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Archiv Sendung vom 15.09.2011

Wer stinkt hier?

In Amerika kennt sie jede und jeder. Mit ihrem kecken Blick hätten sie das Zeug zu Publikumslieblingen. Doch keine anderen Tiere sind so gefürchtet wie die Stinktiere: quirlige, schwarz-weisse Pelzknäuel voller Widersprüche. Grund genug, für «NETZ NATUR», ihrem liebenswürdigen und geheimnisvollen Wesen auf den Grund zu gehen.

Produktion und wissenschaftliche Beratung

(Diese Sendung ist ab dem Ausstrahlungsdatum für 7 Tage (16.09.-22.09.2011) online und kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht als DVD bestellt werden. ) 

Zwei Stinktiere

Stinkbombe: Ist die Drohung mit aufgestelltem Schwanz zu wenig deutlich, macht der Skunk ernst und treibt einen Angreifer mit einem stinkenden Sekret in die Flucht.

Sie fürchten weder Tod noch Teufel - weder Bären, noch Kojoten noch Pumas. Und selbst hartgesottene Jäger und begeisterte Naturfreaks machen einen grossen Bogen um sie. Stinkfrech spazieren sie selbst am helllichten Tag durch die Gegend, und niemand tut ihnen etwas.

Ganz offensichtlich können sie sich das leisten, denn niemand will sich mit einem Stinktier anlegen. Die fürchterliche Waffe, die alle Feinde auf Distanz hält, ist an der Wurzel ihres buschigen Schwanzes verborgen. Zwei prall gefüllte Drüsen mit einem stinkenden Sekret, dem der zweifelhafte Rekord des weltweit übelsten Geruchs nachgesagt wird.

Pünktlich klettern: Fleckenskunks sind die einzigen Stinktiere, die gut klettern können. Alle anderen 11 Arten halten sich vor allem am Boden und in Höhlen auf.

Dabei sind Stinktiere, von denen es zwölf verschiedene Arten gibt, neugierig und gutmütig und spritzen ihren Saft nur, wenn sie ernsthaft in die Bredouille geraten - doch das interessiert wenig, denn bloss schon der Gedanke, ein paar Tropfen ihres Wehrsekretes abbekommen zu können, macht jeden menschlichen und tierischen Zeitgenossen vorsichtig. Und so kommt es, dass Skunks, wie sie in Amerika genannt werden, selbst in den Städten scharenweise unterwegs sind - meist in der Nacht, wenn ihre Beutetiere aktiv sind: Insekten, Spinnen, Würmer, aber auch Mäuse und/oder Amphibien sowie Reptilien.

Weder farb- noch geruchlos: Die schwarz-weisse Fellfärbung der Stinktiere warnt Feinde davor, sich mit ihnen anzulegen.

Selbst die gefährlich giftigen Klapperschlangen, die normalerweise alle, der sich nähern, mit ihrer Schwanzrassel warnen, halten ihr Schwanzende bei Stinktieren merkwürdig stumm und verkrümeln sich diskret. Stinktieren wird angelastet, sie seien Träger der Tollwut und verbreiteten die tödliche Seuche. Aber anders als bei ihren nächtlichen Streifgenossen, den Waschbären, sind Tollwutfälle bei Stinktieren selten. Trotzdem wird dies vielerorts zum Vorwand genommen, sie massiv zu bekämpfen.

Der Forscher Jerry Dragoo zieht Waisen mit der Flasche auf.

Herz für Stinker: Der Forscher Jerry Dragoo zieht Waisen mit der Flasche auf. Ein Glück, dass er den Gestank nicht wahr nimmt.

Dagegen tritt der Biologe Jerry Dragoo an. Er arbeitet im Staat New Mexico - und er hat ein Gebrechen: Er kann keine Gerüche wahr nehmen. Dieser Defekt verhilft ihm zu einem ungeahnten Privileg: Er kann ohne Risiko mit Stinktieren umgehen. Jerry Dragoo betreibt eine Auffangstation für verletzte, verwaiste und unwillkommene Skunks und widmet sich ihrer Erforschung - eine spannende Beschäftigung, die viele unbekannte Seiten dieser neugierigen und liebenswürdigen Marderverwandten zum Vorschein bringt. Nur wenn er sich nach der Arbeit wieder in menschliche Gesellschaft begibt, hat ihm diese nahegelegt, jeweils intensiv zu duschen und die Kleider zu wechseln. Das US-Filmteam jedoch, das ihn für diese Dokumentation begleitete, war den tierischen Gerüchen bei den Dreharbeiten voll ausgesetzt.

Gestank als Waffe ist beileibe keine Exklusivität der Stinktiere, selbst wenn sie in dieser Geruchsdisziplin die wahren Meister sind. Auch hierzulande leben Marder, die mit den Stinktieren verwandt sind und den üblen Geruch im wissenschaftlichen Namen tragen: Mustela putorius, der stinkende Marder. Schlangen oder Tausendfüssler setzen ebenfalls stinkende Sekrete ein, um ihren Feinden den Appetit zu verderben und so ihr Leben zu schützen.

«NETZ NATUR» setzt sich auf die aufreizende Spur der tierischen Düfte, die das Fernsehpublikum sozusagen aus sicherer Deckung mitverfolgen kann: Noch werden über das Fernsehen keinerlei Duftstoffe in die gute Stube übertragen.