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Archiv Sendung vom 11.09.2003

So kommt der Wolf auf den Hund

So kommt der Wolf auf den Hund

Hirten, Hunde, Zäune - Eine Chance für Schaf und Wolf

NETZ NATUR-Sendung vom 11.09.2003

Nachdem das Parlament diesen Sommer die Schutzbestimmungen in Sachen Wolf nicht aufgehoben und damit dem Antrag einer hauptsächlich von den Schafbesitzern unterstützten Motion im Nationalrat nicht gefolgt ist, muss man sich in der Schweiz darauf einstellen, mit dem Grossraubtier wieder zu leben - rund hundert Jahre, nachdem es in unserem Land ausgerottet worden war.

(Wolf)

Der Wolf macht von sich reden, seit er immer wieder und immer häufiger durch schweizerische Wälder streift. Seit 1995 die ersten Schafe im Wallis nachweislich von frei lebenden Wölfen gerissen worden waren, haben schon insgesamt 5 Tiere ihre Einwanderung in die Schweiz mit dem Leben bezahlt: Im Wallis wurden zwei Wölfe offiziell von Wildhütern abgeschossen, einer wurde gewildert und ein vierter kam auf der Simplonstrasse unter den Schneepflug. Im Kanton Graubünden wurde ein Wolf, der den Schafherden zusetzte, auf Anordnung der Behörden erlegt. Trotzdem halten sich zur Zeit mehrere Wölfe in der Schweiz auf.


Die hundeartigen Raubtiere wandern immer wieder aus dem Nachbarland Italien ein, wo sie sich im Apennin immer in kleinen Gruppen halten konnten. Seit den Siebzigerjahren breiten sich die italienischen Wölfe über ganz Italien und auch nach Westen und Norden aus. Sie profitieren von der stetigen Zunahme der Wildtierbestände und vom absoluten Schutz, den der Wolf nach den international verbindlichen Bestimmungen der Berner Konvention geniesst.

(Ein Schäfer mit seinen Hunden)

NETZ Natur zeigt auf, wo die Schweiz heute steht, wenn es ums Zusammenleben mit dem Wolf geht. Nach einer mehrjährigen Phase, die beim Versuch, die Schafherden vor Wolfsattacken zu schützen, von vielen Misserfolgen geprägt war, zeichnen sich auch in schweizerischen Verhältnissen erste Erfolge ab, Schafherden vor frei lebenden Wölfen zu schützen. Der Einsatz von Elektrozäunen, aber auch die erfolgreiche Einführung von Schutzhunden in die Schafherden sind erste Fortschritte. Doch es sind noch viele Hindernisse zu überwinden, denn das Know How des Schafehütens, das Handwerk des Schäfers, ist in der Schweiz weitgehend in Vergessenheit geraten. So mangelt es an gut ausgebildeten Hirten, die im schwierigen Gelände der Alpen mit Schafen und Hunden umzugehen und dem Wolf ein Schnippchen zu schlagen wissen.

(Herdenschutzhund Welpe)

NETZ Natur hat mit der Kamera mitverfolgt, wie die ersten Schutzhunde aufgewachsen sind, die in der Schweiz gezüchtet wurden: Wie sie schon als niedliche Welpen mit den Schafen vertraut sind und wie sie auf ihre Aufgabe als Beschützer der Herde vorbereitet werden. Dabei wird deutlich, dass es schwierig ist, altes Kulturgut, das verloren gegangen ist, wieder aufzubauen und neuen Gegebenheiten anzupassen. Es werden neue Kenntnisse entwickelt, um die Schafhaltung zu verbessern: Dadurch wird auch die Pflanzenvielfalt auf den Alpweiden geschützt und die Übertragung von Krankheiten von den Schafen auf Gämsen und andere Wildtiere vermindert. Der Bund hat finanzielle Mittel für Verbesserungen in der Schafhaltung, die auch die Herden vor den Wölfen wirksam schützen kann, bereit gestellt. Insofern ist der Wolf als einheimischer Beutegreifer nicht nur für die natürliche Dynamik unter den Wildtieren wertvoll – er ist auch eine Chance zur Verbesserung der Schafhaltung in der Schweiz.