Archiv Sendung vom 19.05.2011
Mangroven: Affen, Krabben, Krokodile
iSimangaliso - «das Wunder» oder das «Einzigartige» in der Sprache des Zulustammes in Südafrika, bezeichnet einen Wald zwischen Land und Meer, der wegen seiner überwältigenden Natur bereits 1999 auf die Liste des Unesco-Weltnaturerbe gesetzt wurde. «NETZ NATUR» unternimmt eine spannende Safari ins Reich der Mambas, Schlammspringer und Hippos und zeigt, wie wichtig Mangrovenwälder für den ganzen Planeten sind.
Produktion und wissenschaftliche Beratung
(Diese Sendung ist ab dem Ausstrahlungsdatum für 7 Tage (20.05.-26.05.2011) online und kann aus urheberrechtlichen Gründen nicht als DVD bestellt werden. )

Turnfest: Wie beim Eidgenössichen winken die Krabben perfekt synchron mit ihren bunten überdimensionalen Scheren.
Mangroven sind einzigartige Bäume: Sie wachsen auf Stelzwurzeln auf riesigen Schlammflächen zwischen Land und Meer. Sie liegen im Rhythmus der Gezeiten einmal trocken und stehen kurz darauf mit der einströmenden Flut wieder gänzlich im Wasser. Dieser spezielle Lebensraum, der für den unbeholfenen Menschen kaum zugänglich ist, beherbergt wahre Wunder: Fische, die an der Luft umherspazieren und Wasser in ihren Kiementaschen mitführen, um zu atmen. Bunte Krabben, die zu Tausenden die Schlammflächen bearbeiten und sich mit ihren plakativen Riesen-

Designer Schlange: Das grafische Muster scheint auf einer Sandfläche auffällig – im Laub macht sie die Schlange indessen praktisch unsichtbar. (Gabunviper)
scheren synchron zuwinken, dass es aussieht wie eine Darbietung am Eidgenössischen Turnfest. Und die fette Gabunviper, die mit geometrischen Mustern wie ein textiles Designerprodukt daherkommt, die aber im Licht-und-Schatten-Spiel auf dem Laubboden praktisch unsichtbar ist, wenn sie reglos auf Sumpfratten lauert. Die Aufzählung skurriler und kaum bekannter Lebensformen könnte noch seitenlang weitergehen - «NETZ NATUR» stellt das pulsierende Leben im Mangrovenwald vor.
Doch auch die Mangrovenbäume selbst warten mit biologischen Spezialitäten auf: Sie filtern und reinigen das Wasser und entziehen dem Meerwasser den hohen Salzgehalt, was die enorme Vielfalt an Tieren erst möglich macht. Einige Mangrovenarten tun dies, in dem sie das Salz über die Blätter abgeben, andere Bäume speichern es den Blättern selbst und werfen dann das Laub bei Bedarf ab. Organisches Material von Pflanzen und von Tieren wiederum nutzen die zahlreichen Krabben als Nahrungsgrundlage. Und die Krabben sind Futter für Wildschweine, Mangusten, Greifvögel, Fische und viele andere Tiere.
Zu den eindrücklichsten Mangroven-Bewohnern gehören die Nilkrokodile: Der Film zeigt sie von ihrer zärtlichen Seite. Die Männchen werben um die Gunst der Weibchen, indem sie mit dem Rückenpanzer vibrieren und das Wasser tanzen lassen. Die Paarung erfolgt im Gegensatz zur grobschlächtigen Dinosaurier-Erscheinung äusserst sanft. Piepsig wird es, wenn die frisch geschlüpften Krokodilbabys nach ihrer Mutter rufen. Nach Monaten im sandigen Nest sind ihre Rufe unter der Erde zu hören. Die Krokodilmutter schaufelt vorsichtig die frisch geschlüpften Jungen frei und trägt sie zwischen ihren riesigen Zähnen ins nahe gelegene Wasser. Von da an sind sie auf sich alleine gestellt.
Eine wichtige Aufgabe der Mangrovenwälder ist wohl ihre Funktion als Kinderstube für Jungfische, die vom Meer her mit der Flut einströmen und zwischen den Mangroven Schutz vor Raubfischen finden. Leider wäre es fast schon erstaunlich, wenn diese Naturparadiese nicht bedroht wären: Weltweit sind Mangrovenwälder in den letzten 50 Jahren um fast die Hälfte zurückgegangen. Somit fällt auch weltweit ein grosser Teil des Schutzgürtels für die Jungfische weg. Darunter zu leiden haben vor allem die einheimischen Küstenfischer, deren Fang-Erträge enorm zurückgegangen sind. Aber auch als Barriere gegen Stürme und Tsunamis nehmen die Mangrovenwälder eine wichtige Rolle ein. Dessen ungeachtet werden sie vielerorts zur Holzverwendung, zur Landgewinnung, für Crevettenfarmen oder bei der Erdölgewinnung zerstört.
iSimagaliso, der märchenhafte, geschützte Mangrovenwald Südafrikas, der Ort der Wunder, ist auch ein Ort der Hoffnung. Die faszinierende Dokumentation von National Geographic, die «NETZ NATUR» vorstellt, kann Impulse vermitteln, wie man Mangrovenwälder weltweit besser schützen kann.






