Louise Bourgeois zwischen Mutterliebe und Vaterhass
Die Kindheit
Louise Bourgeois wird 1911 in Paris als eines von drei Kindern geboren. Die Eltern betreiben eine Restaurationswerkstatt für alte Tapisserien mit über 20 Angestellten. Schon früh darf Louise in der elterlichen Werkstatt mithelfen und erhält eine gute Schulbildung.
Die Mutter
Doch sie wächst in einer Familie auf, in der die weiblichen Nachkommen der Familie nicht sehr erwünscht sind. Die Suche nach Halt und Sicherheit dominiert das Leben des Kindes Louise. Die Mutter wird zur Leitfigur und die schwierige Kindheit zum Quell ihres Schaffens. Sie ist Inspiration und Bürde zugleich. So finden fast alle Kunstwerke von Louise Bourgeois ihren Ursprung in ihrer Kindheit - auch ihre Spinnenskulpturen.
Die Spinne ist ihr erfolgreichstes Motiv. Repliken finden sich überall auf der Welt. Sie sind eine Ode an die Mutter: Ein Ausdruck mütterlicher Geborgenheit und kindlicher Wut auf die Mutter, die früh verstirbt und das Kind Louise alleine zurück lässt. Nach dem Tod der Mutter versucht Louise Bourgeois sich das Leben zu nehmen.
Der Vater
Der Vater bietet nach dem Verlust der Mutter keinen Schutz. Aggression, Erniedrigung, Abweisung und Entsetzen über seine vielen ausserehelichen Beziehungen prägen schon immer die Vater-Tochter-Beziehung. 10 Jahre lang hat er die Familie genötigt, mit seiner Maitresse unter einem Dach zu leben.
Ein Schlüsselerlebnis der öffentlichen Erniedrigung durch den Vater war für die kleine Louise das sonntägliche Schälen der Orange.
Die Mutter steht für Schutz, der Vater für Zerstörung. Eine weitere Anekdote vom elterlichen Esstisch verdeutlicht dies besonders:
Louise Bourgeois hat aber nicht nur mit dem Vater als Person zu kämpfen, sondern auch damit, dass sie Charakterzüge des ungeliebten Vaters an sich selbst entdeckt. Das Feindbild ist Teil ihrer selbst…
Louise Bourgeois hat sich zwar nie mit dem Vater versöhnt, wohl aber damit, das Kind beider Eltern zu sein.








