Archiv Sendung vom 05.04.2011
«Max Frisch und seine Enkel»
Wenn sein 100jähriger Geburtstag ansteht, sind Publikationen und Biographien über den Säulenheiligen Max Frisch vorprogrammiert. Anlässlich seines 100. Geburtstags am 15. Mai und seines 20. Todestages am 4. April pickt der «Literaturclub» Rosinen aus dem Wust der Neuerscheinungen. Iris Radisch und die Kritikerrunde diskutieren mit der Literaturkritikerin Beatrice von Matt über ihre persönlichen und literarischen Zugänge zu MF sowie über die Biographie «Max Frisch – Biographie eines Aufstiegs» von Julian Schütt.
Unbestritten sind die offensichtlichen oder verdeckten Einflüsse von Frischs Sprache und Themen auf die heutige Schweizer Literaturszene: Auf Peter Stamm mit seinen Erzählungen unter dem Titel «Seerücken», auf den Salzburger Stier-Preisträger Gabriel Vetter aus der noch jungen Schweizer «spoken word»-Szene und auf Christian Uetz mit «Nur Du, und nur Ich». Auch der Ich-Erzähler dieses Buches verzweifelt an der Liebe, aber ganz anders als Max Frisch.
Iris Radisch, Barbara Villiger Heilig und Juri Steiner diskutieren mit Beatrice von Matt über die Bücher der Sendung:
«Mein Name ist Frisch» von Beatrice von Matt
«Max Frisch – Biographie eines Aufstiegs» von Julian Schütt
«Seerücken» von Peter Stamm
«Nur Du, und nur Ich» von Christian Uetz
Live-Performance von Gabriel Vetter.
Der «Literaturclub» wurde am Montag, 7. März 2011, um 20.00 Uhr im Papiersaal in Zürich aufgezeichnet. Türöffnung um 19.15 Uhr.
«Mein Name ist Frisch» von Beatrice von Matt
Er nannte sie zuerst «Fräulein Doktor», später «Frau Beatrice». Max Frisch hat Beatrice von Matt mehrmals getroffen. Zum grossen Frisch-Jubiläumsjahr legt die Literaturkritikerin und langjährige Redaktorin der NZZ einen Textband mit Begegnungen vor: Darin erzählt sie von Frischs literarischen Motiven, seinen Leidenschaften, Vorlieben und Freundschaften. Aber auch von der ersten und der letzten persönlichen Begegnung. Von Matts Anliegen ist es, die eng gefassten Etiketten «politischer Frisch» und «Frisch und die Identität» zu erweitern, indem sie die Vielfalt und den Farbenreichtum des Dichters und Denkers betont. Zum Beispiel beleuchtet sie das Verhältnis zwischen dem Architekten und dem Schriftsteller Frisch oder seine Beziehung zum Meer.
Die Literaturkritikerin Beatrice von Matt war lange Jahre Redaktorin der NZZ für deutsche und niederländische Literatur, Jurorin vieler Literaturpreise und sorgfältige Beobachterin der Schweizer Literatur.
www.nagel-kimche.ch/
«Max Frisch – Biographie eines Aufstiegs» von Julian Schütt
Eine Kindheit und Jugend zwischen zwei Weltkriegen, auch wenn die Schweiz verschont bleibt. Eine getrübte Kindheit, ein beschädigtes Familienleben prägen sein schriftstellerisches Selbstverständnis. Ab 1946 entstehen die Klassiker «Graf Öderland», das «Tagebuch 1946-1949» und «Stiller» (1954). In ihnen zeigt Max Frisch auf seine Weise, dass Politik und Literatur keine Gegensätze sein müssen. Der grosse Identitätssucher geht stets vom Ich aus, obwohl er es jedesmal als Glück empfindet, wenn er sich fremd ist.
Julian Schütt, einer der besten Kenner von Leben und Werk des Schweizer Autors, zeichnet im ersten Teil der Biographie den Aufstieg bis in die Mitte der Fünfziger Jahre nach und erzählt , wie Max Frisch zum Weltautor wurde.
www.suhrkamp.de
Weitere Neuerscheinungen zu Max Frisch
Volker Weidermann: Max Frisch. Sein Leben, seine Bücher. Kiepenheuer & Witsch, 2010.
Max Frisch: Sein Leben in Bildern und Texten. Herausgegeben von Volker Hage. Surhkamp, 2011.
«Seerücken». Erzählungen von Peter Stamm
Die Einsamkeit im gemeinsamen Urlaub. Ein verlassenes Hotel in den Bergen. Ein Mädchen im Wald. Ein Pfarrer, der die Vögel füttert. Die erste Liebe mit Gewicht: Peter Stamm, einer der wichtigsten Schweizer Autoren, berichtet in zehn Erzählungen von Leben, die nicht gelebt, die aufgeschoben, erinnert und schliesslich verpasst werden. Er beschreibt die feinen Eruptionen, die sich im Rückblick als Erdbeben erweisen. «Seerücken» ist für den Leipziger Buchpreis nominiert.
www.fischerverlage.de
«Nur Du, und nur Ich» von Christian Uetz
Der Schweizer Lyriker Christian Uetz wurde bekannt durch seine «spoken poetry». Jetzt liegt sein erster Roman vor, «Nur Du, und nur Ich», die Liebesgeschichte zweier Menschen, die sich treffen und nicht mehr voneinander lassen können. Sich immer wieder für kurze Momente finden, um sich sofort wieder abzustossen. In Berlin lebt die Frau, in Basel der Mann, sie versuchen auf Reisen nach Spanien und in Indien ihre Liebe zu leben. Vergeblich. Bis sie von ihm ablässt.
Ein Roman über das Verlangen nach Liebe, aber auch über die Unfähigkeit, Nähe zuzulassen. Über Lust, Hingabe und Zerstörung.
www.secession-verlag.com
Mit wem schlafen Sie? - Bettlektüretipps von Michel Gammenthaler
Auf der Bühne zieht er alle Register: Schauspiel, Kabarett und Zauberei. Der Preisträger des Salzburger Stiers 2010 geht am 23. März 2011 mit seinem 4. Soloprogramm «Wahnsinn» auf Tournée. Im Literaturclub erzählt er von seinem Lieblingsbuch:
Olivier Sillig: Schule der Gaukler (Bilger Verlag)
Buchempfehlungen
Hugo Ball: Tenderenda der Phantast, Haymon (Juri Steiner)
Fabio Pusterla: Bocksten, Limmat (Barbara Villiger Heilig)
Philip Roth: Nemesis, Hanser (Beatrice von Matt)
Janne Teller: Krieg. Stell dir vor, er wäre hier, Hanser (Iris Radisch)
Ausstrahlungsdaten:
Dienstag, 5. April 2011 um 22.25 auf SF1
Mittwoch, 6. April 2011 um 02.30 Uhr auf SF1
Mittwoch, 6. April 2011 um 11.00 Uhr auf SFinfo
Donnerstag, 7. April 2011 um 12.40 Uhr auf SFinfo
Samstag, 9. April 2011 um 14.05 auf SF1
sowie am Sonntag, 15. Mai 2011 um 10.15 Uhr auf 3sat.









