Archiv Sendung vom 29.06.2010
«Das Leben der Anderen»
Düstere Geheimnisse, starke Frauen, die ihr Schicksal meistern und eine unmögliche Liebe: der «Literaturclub» taucht ein in das Leben der Anderen. Zu Gast ist der deutsche Historiker und Journalist Johannes Willms, Kulturkorrespondent der Süddeutschen Zeitung in Paris. Nach den Biographien zu «Balzac» und «Napoleon» ist er nun in das Leben des literarischen Abenteurers Henri Beyle, besser bekannt als «Stendhal», eingetaucht. Er diskutiert mit, bei den Büchern der Sendung.
Als Vorleser zu Gast ist der Film- und Theaterschauspieler Thomas Sarbacher.
Der «Literaturclub» macht Lust auf Lesen - neu im Papiersaal in Zürich.
Diesmal in der Kritikerrunde: Barbara Villiger Heilig und Peter Hamm.
Moderation: Iris Radisch
Tickets für die Aufzeichnung können Sie hier bestellen.
Der «Literaturclub» wird am Montag, 28. Juni um 20.15 Uhr im Papiersaal in Zürich aufgezeichnet. Türöffnung um 19.15 Uhr.
«Der Geist am Berg» von Tim Krohn
Die Begegnung mit einer Frau namens Anna war kurz und schmerzhaft wie eine Ohrfeige, doch sie bescherte ihm auch eine Geschichte: so beschreibt der Schweizer Bestsellerautor Tim Krohn die Ursprünge seines neusten Romans «Der Geist am Berg». Er erzählt darin die Geschichte der wilden Stine, die mit ihrer Mutter und dem Knecht Severin auf einer steinigen Alp lebt. Stine hasst das Tal, niemals will sie weg von der Alp. Doch der Berg zerfällt, immer wieder werden Ziegen von Steinen erschlagen. Als das Geld knapp wird, tritt sie einen Job in der Bar des nahen Grandhotels an. Dort trifft sie Bruno, den sie mit ihrem rauen Gesang und ihrer Wildheit verzaubert. Als Bruno zurück zu seiner Verlobten fährt, besteigt Stine zum ersten Mal in ihrem Leben den Bus in die Stadt. Stine kämpft um ihre Liebe mit den Mitteln, die sie kennt, und zahlt einen bitteren Preis.
Erscheint am 30. Juni. Buchpremiere am 17. Juli in Avers.
www.galiani.de
«Geheimnisse» von Joyce Carol Oates
Seit Jahren wird sie als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis gehandelt: die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oates. In ihrem neusten Roman «Geheimnisse» erzählt sie die düstere Geschichte einer deutschen Emigranten-Familie, die 1936 vor den Nationalsozialisten nach New York flieht. Der Vater, einst Mathematikprofessor, muss sich jetzt als Totengräber durchschlagen, angefeindet vom Umfeld, beginnt er zu trinken, terrorisiert die Familie. Tochter Rebecca wächst auf in einem Klima von Aggression und Schweigen – bis zum Eklat. Der Vater erschiesst die Mutter und sich selbst. Rebecca entkommt nur durch Zufall und beschließt fortan, sich selbst neu zu erfinden: als Hazel Jones. Aber natürlich ist das nicht so einfach. Denn nichts bleibt so lebendig, wie ein gut gehütetes Geheimnis.
www.fischerverlage.de
«Drei starke Frauen» von Marie NDiaye
Drei Lebensläufe, drei Schicksale, drei starke Frauen: die französische Schriftstellerin Marie NDiaye erzählt in ihrem berührenden Roman, wie sich drei völlig unterschiedliche Frauen von den Schwierigkeiten des Lebens nicht unterkriegen lassen wollen. Da wäre zum Beispiel die 40jährige Norah: im Auftrag des Vaters soll die Juristin ihren Bruder in Dakar aus dem Gefängnis holen. Eine Reise, die sie an die Grenzen des Wahnsinns führt. Fanta wiederum hat Dakar verlassen, um ihrem Ehemann in die französische Provinz zu folgen. Doch dort erwartet sie nicht das friedliche Paradies, sondern nur seelische Einöde. Und dann wäre da noch Khady Demba, die junge Afrikanerin, die illegal nach Frankreich einwandern will und tragisch scheitert. Für «Trois femmes puissantes» ist die Französin Marie NDiaye als erste schwarze Frau mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet worden, dem wichtigsten französischen Literaturpreis.
Erscheint am 21. Juni.
www.suhrkamp.de
«Vorliebe» von Ulrike Draesner
Astrophysikerin Harriet, halbindisch und mathematikbegeistert, macht in ihrem Beruf aus wissenschaftlichen Daten schöne kosmische Bilder, ein wenig Lüge darf dabei schon sein. Auch zuhause scheint alles gut eingerichtet mit Partner Ash und dessen Sohn Ben. Doch dann fährt Ash mit dem Auto ausgerechnet die Frau von Harriets Jugendliebe an. Und so steht die Astrophysikerin plötzlich wieder jenem Mann gegenüber, den sie längst vergessen zu haben glaubte. Ein vermeintlich harmloses Liebesgetändel beginnt: Man ist ja offen, Heimlichkeiten und Eifersucht sind antiquiert, man verhält sich den Klischees der Gefühlswelt gegenüber abgeklärt. Doch dann driften die Dinge, allmählich und unaufhaltsam, aus der geordneten Umlaufbahn. Für ihren Roman «Vorliebe» erhält die deutsche Schriftstellerin am 21. Juni den Solothurner Literaturpreis.
www.luchterhand-literaturverlag.de
Gast: Johannes Willms
Das Leben der Anderen ist sein Stoff. Der Historiker und Publizist Johannes Willms hat sich bereits mit seinen Werken zu Napoleon und Balzac als Biograph der französischen Geistesgeschichte ausgezeichnet. Jetzt richtet sich sein Blick auf den grossen Stilisten Stendhal, geborener Henri Beyle aus Grenoble, der sich mit «Rot und Schwarz» oder der «Kartause von Parma» in die Weltliteratur eingeschrieben hat.
«Stendhal» von Johannes Willms
Ein verschlagener und vergnügungssüchtiger Franzose, dieser Stendhal. Nicht besonders sympathisch, klein gewachsen, zur Fettleibigkeit neigend, hässlich. Früh verliert er seine abgöttisch geliebte Mutter, und diese Erfahrung soll sein Leben prägen: Hin- und hergerissen zwischen Gefühl und Sex verliert er sich im Traum des Frauenverführers und ist dabei ewig unglücklich verliebt. Auf der einen Seite die romantische Liebe, die ihn immer wieder enttäuscht – auf der anderen die Suche nach wüstem, ordinären Sex. Er führt ein ruheloses Leben: von Grenoble, über Paris, Mailand, Preussen, Russland bis in die Provinz Civitavecchia. Bis er mit 59 Jahren auf offener Strasse in Paris an einem Herzinfarkt stirbt. Sein Leben - ein Roman.
www.hanser-literaturverlage.de
Leseempfehlungen
Sabahattin Ali: Die Madonna im Pelzmantel, Dörlemann (Peter Hamm)
Emmanuel Bove: Schuld, Lilienfeld (Barbara Villiger Heilig)
Marion Poschmann: Geistersehen, Gedichte, Suhrkamp (Iris Radisch)
Alexander von Villers: Briefe eines Unbekannten, ausgewählt und herausgegeben von Constanze und Karlheinz Rossbacher, Lehner Verlag (Johannes Willms)
Mit wem schlafen Sie? - Bettlektüretipps von Erica Pedretti
Wer liest was warum? Heute mit der Schweizer Schriftstellerin Erica Pedretti, die am 15. Juni für ihr aktuelles Buch «fremd genug» (Suhrkamp) mit dem Literaturpreis 2010 des Kantons Bern ausgezeichnet wurde. Sie empfiehlt Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weisse Arme (Hanser).
Ausstrahlungsdaten:
Dienstag, 29. Juni um 22.20 Uhr auf SF 1
Mittwoch, 30. Juni um 04.05 Uhr auf SF1
Samstag, 3. Juli um 14.05 Uhr auf SF1
Mittwoch, 30. Juni um 11.00 Uhr auf SF info
Donnerstag, 1. Juli um 12.45 Uhr auf SF info
Sonntag, 17. Juli um 10.45 Uhr auf 3sat
















