Archiv Sendung vom 20.12.2011
«Die Vergangenheit der Zukunft»
Eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft schlägt der Literaturclub im Dezember: Da zeichnet Umberto Eco eine Spur von Italien nach Paris zu Verschwörern und Verschwörungstheorien des 19. Jahrhunderts. Der Schauspieler Josef Bierbichler erzählt von drei Generationen deutscher Verhältnisse in einer Seewirtschaft in Bayern. Und keiner beschreibt den Widerstand der «kleinen Leute» im Nazi-Deutschland der 40er Jahre so packend wie Hans Fallada.
In «Erinnerungen an eine Zukunft» ohne uns schliesslich entwirft Miriam Meckel die Utopie einer Zukunft im Netz, die uns Menschen nicht mehr braucht.
Miriam Meckel ist Gast im Literaturclub.
Iris Radisch, Juri Steiner und Peter Hamm diskutieren mit Miriam Meckel über die Bücher der Sendung:
«Next.» Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns» von Miriam Meckel
«Jeder stirbt für sich allein» von Hans Fallada
«Der Friedhof in Prag» von Umberto Eco
und
«Mittelreich» von Josef Bierbichler
Es liest der Schauspieler Ueli Jäggi.
Der «Literaturclub» wird am Montag, 12. Dezember 2011, um 20.00 Uhr im Papiersaal in Zürich aufgezeichnet. Türöffnung ist um 19.15 Uhr.
«Next. Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns» von Miriam Meckel
Eine beunruhigende Reise in die Zukunft unternimmt Miriam Meckel in ihrem neuen Buch. Es ist eine Zukunft, die den Computernetzwerken gehört und nicht mehr den Menschen. Und diese Zukunft ist schon da. Passé sind Zufall und Unberechenbarkeit unseres Lebens. Was wir mögen, was wir tun, was wir lieben: alles ist im Netz.
Unser Datenschatten weiss mehr über uns als wir selbst, so die tückische Diagnose der St. Galler Kommunikationswissenschaftlerin. Schon antiquiert mutet da ein Menschenbild an, das auf Selbstbestimmung und Individualität beharrt. Das Einzelne, Unvorhersehbare, Besondere: Alles vorbei? Gibt es die Zukunft ohne uns?
Mit ihrem letzten Buch «Brief an mein Leben. Erfahrungen mit einem Burnout» lancierte Miriam Meckel einen aufsehenerregenden Bestseller.
http://www.rowohlt.de
«Jeder stirbt für sich allein» von Hans Fallada
Ein moderner Klassiker wird plötzlich zum Weltbestseller.
Anna und Otto Quangel heissen seine Protagonisten, die im Nazideutschland der 40er Jahre zum privaten Widerstand aufrufen. Sie schreiben Postkarten mit Umsturzparolen, die sie an verschiedenen Orten in ganz Berlin ablegen. Es gibt Photos der Gestapo, die das tatsächliche Aussehen des Paares festhalten, bei ihrer Verhaftung im September 1942. Ein Jahr danach werden sie in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Die Stücke aus den Polizeiakten sind die Vorlage für den Schriftsteller Hans Fallada, der eigentlich Rudolf Ditzen heisst. Fallada schreibt den Roman im September 1946 wie im Rausch. Es ist sein grosser Zeitroman. Sein Panorama des deutschen Alltags in den Zeiten des Terrors.
1893 in Greifswald geboren, wird Hans Fallada 1932 mit dem Roman «Kleiner Mann - was nun?» weltbekannt.
«Jeder stirbt für sich allein» ist sein letzter Roman.
http://www.aufbau-verlag.de
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«Der Friedhof in Prag» von Umberto Eco
Simone Simonini ist Fälscher. Getrieben von einer unstillbaren Abneigung gegen Juden und Jesuiten ist Simonini zur Stelle, wenn Garibaldis Adjutant ums Leben kommt, oder der Hauptmann Dreyfus in Frankreich des Landesverrats überführt wird. Ein fiktiver Held mitten im historisch verbürgten Geschehen. Simone Simonini, Agent und Doppelagent, Spion und Attentäter, in Turin, in Palermo und in Paris. Und wie Woody Allans «Zelig» ist er immer dabei in dieser Kriminalgeschichte aus dem 19. Jahrhundert.
Auch die «Protokolle der Weisen von Zion», das berüchtigte fiktive antisemitische Pamphlet zeigt Simoninis Autorschaft. Und sie verweisen auf den Titel des Romans als ihren Entstehungsort: Auf den «Friedhof in Prag».
Verschwörungen und Verschwörungstheorien sind die literarische Obsession des Schriftstellers Umberto Eco. Hier geht es um die Geschichten, die Geschichte machen. Um Fälschungen, die Wirklichkeit erzeugen, um die ganze Wirkungsmacht des Fiktionalen.
http://www.hanser-literaturverlage.de
«Mittelreich» von Josef Bierbichler
Nicht reich, nicht arm, «mittelreich» ist «Seedorf», ein kleiner Ort an einem bayerischen See. Es ist der Schauplatz für eine Familiengeschichte über drei Generationen und zugleich ein Abbild deutscher Geschichte zwischen 1914 und 1984. Ein Gasthof steht im Zentrum, seine Bewohner und seine Besucher. Eine Welt im Kleinen, in der sich das grosse Geschehen von zwei Weltkriegen und der noch jungen Bundesrepublik bis fast in die Gegenwart spiegelt. Es ist eine dörfliche, von Religion und Faschismus geprägte Gemeinschaft in Auflösung. Sommergäste, Maschinen und Spekulanten halten Einzug. In den siebziger Jahren kommen die Hippies.«Man genügte sich nicht mehr»: So zweifelt das ortsansässige Personal an sich selbst. Seedorf muss sich wandeln.
Josef Bierbichler, der grosse Theater- und Filmschauspieler hat seinen ersten Roman geschrieben. Er lebt in Ambach am Starnberger See nahe München. «Mittelreich»ist keine Autobiographie.
http://www.suhrkamp.de
Ausstrahlungsdaten
Dienstag, 20. Dezember 2011, um 22.20 Uhr auf SF1
Mittwoch, 21. Dezember 2011, um 01.35 Uhr auf SF 1
Donnerstag, 22. Dezember 2011, um 03.55 Uhr auf SF 1
Samstag, 24. Dezember 2011, um 14.10 Uhr auf SF 1
Mittwoch, 21. Dezember 2011, um 11.00 Uhr auf SFinfo
Donnerstag, 22. Dezember 2011, um 12.40 Uhr auf SFinfo
sowie
Sonntag, 08. Januar 2012, um 10.15 Uhr auf 3sat
Buchempfehlungen
Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte, Hanser (Peter Hamm)
Herman Melville: Bartleby, der Schreiber, C.H.Beck (Miriam Meckel)
Niklaus Spoerri. Who is Who? Fotodokumentarisches Nachschlagewerk der internationalen Double-Szene. Verlag für Moderne Kunst, (Juri Steiner)










