Medien
Des Widerborstigen Ehrung
Eigentlich möchte Herr Bichsel keinen Literaturpreis bekommen
Generationen von Literaten und Lesern sehen ihn als grosse literarische Stimme seiner Zeit und seines Landes. Folgerichtig erhält Peter Bichsel nun, zum Auftakt der Literaturtage in seiner Heimat Solothurn, den Grossen Schillerpreis. Warum das seine Bewunderer wie Pedro Lenz, Mike Müller oder Gabriel Vetter toll finden, warum das der Geehrte mit eher gequältem Lächeln zur Kenntnis nimmt – «Kulturplatz» lässt den Laureaten und die Gratulanten zu Wort kommen.
Autorin: Uta Kenter
Verleihung des Grossen Schillerpreises an Peter Bichsel am 17. Mai 2012, Landhaus Solothurn, 16.00 Uhr
34. Solothurner Literaturtage, 18. bis 24. Mai 2012
Blick hinter die Kulisse
Eurovision Song Contest zwischen Unterhaltung und Unterdrückung
Sendung vom 09.05.2012
Wenn sich in der Hauptstadt von Aserbaidschan die aus dem ganzen Kontinent entsandten Schlager- und Popsternchen im Singwettstreit messen, blickt Europa nach Baku. Und erkennt dabei auch – so hoffen Menschenrechtsaktivisten im Land der unterdrückten Meinungsfreiheit – die politischen Fakten hinter der glitzernden Fassade des Song Contest. Wie gut stehen die Chancen, dass der TV-Event in Baku positive Folgen für die demokratiehungrige Bevölkerung hat? «Kulturplatz» fragt nach: bei Aktivisten, Regierungsvertretern und TV-Verantwortlichen.
Autorin: Lisa Röösli
Eurovision Song Contest, 22., 24. und 26. Mai in Baku, Countdown am 22. Mai und Final am 26. Mai live auf SF zwei
Liebesrelikte
Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk eröffnet sein «Museum der Unschuld»
Sendung vom 02.05.2012
2008 veröffentlichte Orhan Pamuk seinen Roman «Museum der Unschuld», die Geschichte einer unerfüllten Liebe im Istanbul der 1970er Jahre. Nun eröffnet der türkische Nobelpreisträger das reale «Museum der Unschuld», ein vierstöckiges Altstadthaus in Istanbuls Stadtteil Beyoglu, voll mit echten Souvenirs aus der fiktiven Lovestory, alles vom Autor selbst gesammelt. Entstanden ist das einzigartige Projekt eines poetischen Hauses, in dem sich Wirklichkeit und Phantasie durchdringen. «Kulturplatz» war an der Eröffnung dabei und hat mit Orhan Pamuk gesprochen.
Autorin: Meili Dschen
«Das Museum der Unschuld», von Orhan Pamuk, Hanser Verlag
Bloggerinnen kämpfen für Meinungsfreiheit
«Forbidden Voices» zeigt den Kampf der Bloggerinnen in Kuba, Iran und China
Sendung vom 25.04.2012
Die Bloggerinnen Farnaz Seifi (Iran), Yoani Sanchez (Kuba) und Zeng Jinyan (China) wurden verhaftet, verhört und bedroht, weil sie der Welt von den Zuständen in ihrem Land berichten wollten. Der Film «Forbidden Voices» der Schweizer Regisseurin Barbara Miller dokumentiert die Arbeit dieser mutigen Frauen im Kampf um Meinungsfreiheit und Demokratie und zeigt, wie hoch der Preis ist, den sie dafür bezahlen.
Autorin: Lisa Röösli
Abenteuerliches Künstlerleben
André Hellers offenherzige Biografie
Sendung vom 11.04.2012
Unlängst ist er 65 geworden – der österreichische Künstler, Poet, Sänger, Impressario und Gartenarchitekt André Heller. In einer verblüffend ehrlichen Biografie beschreibt der ehemalige «Du»-Chefredakteur Christian Seiler das aufregende Leben des Multi-Talents. Und spart dabei die Krisen und persönlichen Abstürze nicht aus. Entstanden ist ein aufregendes Zeitdokument, das André Hellers Leben und seine – wie er sie nennt – «Expeditionen» in die Welt der Kunst beschreibt. «Kulturplatz» hat André Heller und seinen Biografen in Wien getroffen.
Autor: Eduard Erne
«Feuerkopf – André Heller. Die Biografie» von Christian Seiler, erschienen im Bertelsmann-Verlag
Das Download Syndrom
Musikschaffende verlangen vom Staat Massnahmen gegen die kostenlose Verbreitung ihrer Kunst
Sendung vom 21.03.2012
Schweizer Musiker verlangen vom Bundesrat, gegen das Gratis-Downloading einzuschreiten, denn sie bangen um ihre finanzielle Existenz. In Begleitung von Sina, Ritschi und Ivo wurde Musikervereins-Präsident Reto Burrell im Bundeshaus vorstellig, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Dass die digitale Verbreitung von Gratis-Songs die Einnahmen der Urheber schmälert, darüber ist man sich bei Musikern, Plattenfirmen und Web-Experten einig. Doch wenn es um konkrete Therapien gegen das grassierende Download-Syndrom geht, herrscht grosses Rätselraten.
Autoren: Markus Wicker, Stefan Zucker
Der Kulturinfarkt
Pro Helvetia-Direktor Pius Knüsel fordert eine Schrumpfkur für Kulturinstitutionen
Sendung vom 21.03.2012
«Von Allem zu viel und überall das Gleiche» heisst der griffige Untertitel einer Polemik, mit der Pius Knüsel und drei deutsche Koautoren die finanziellen und ästhetischen Auswüchse der staatlich geförderten Subventionskultur anprangern: Das Postulat einer Kultur für alle sei gescheitert, die etablierten Kulturinstitutionen dächten nur noch an den Selbsterhalt, die Förderpolitik brauche eine radikale Schrumpfkur. Ist die Zeit reif für diese Art von Kultur-Revolution? «Kulturplatz» fragt nach.
«Der Kulturinfarkt», von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz, Knaus Verlag, 2012
Kony 2012
Wie die Internetgemeinde einen Massenmörder jagt
Sendung vom 14.03.2012
Seit 2005 wird er vom internationalen Strafgerichtshof gesucht: Joseph Kony, Massenmörder und Kriegsverbrecher. Über 30'000 Kinder haben er und seine Rebellenarmee LRA allein in Norduganda für ihre Plünderungszüge zwangsrekrutiert, nun wüten die Schlächter in der ganzen Region Zentralafrika. In all den Jahren schaffte es niemand, Kony dingfest zu machen. Das will die kalifornische Hilfsorganisation «Invisible Children» ändern: Mittels einer globalen Aufklärungs- und Sammelkampagne über Internet will sie Kony in die Enge treiben und festnehmen. Das weltweite Echo ist überwältigend, rund 100 Millionen Menschen wurden bisher erreicht – doch die Meinungen über Sinn und Unsinn dieser Initiative gehen weit auseinander. «Kulturplatz» berichtet über eine der grössten politischen Internetkampagnen.
Autoren: Julia Bendlin, Richard Herold
«Facebook» ist überall
Wie das Netzwerk uns zum Affen macht
Sendung vom 07.03.2012
Das Wappen des Imperiums «Facebook» ist aus unserem Leben kaum mehr wegzudenken. Schliesslich ist «Facebook»-Land nach Indien und China das drittgrösste Reich der Erde: 800 Millionen virtuelle Einwohner sind bisher registriert. «Facebook» weiss, wir wir aussehen, was wir mögen, mit wem wir in Verbindung stehen. Lässt die Lust am Austausch uns zu nützlichen Idioten des Netzwerks werden, das nun mit dem Kapital unserer angelegten Profile an die Börse geht? «Kulturplatz» über Nebenwirkungen der digitalen Offenbarung.
Autorinnen: Sibilla Semadeni, Valerie Thurner
David Bauer: «Kurzbefehl - Der Kompass für das digitale Leben», Echtzeit Verlag
Selbstbespiegelung im Musentempel
Wie Holcim mit Fotokunst Firmenjubiläum feiert
Sendung vom 29.02.2012
Mit der Foto-Ausstellung «Industrious» erhält «Holcim» zum 100. Firmen-Jubiläum einen fulminanten Auftritt im Kunstmuseum Bern. Wie viele Firmen hat der Konzern den Image-Mehrwert einer kulturellen Präsentation erkannt. Der grosse Auftritt wirft allerdings Fragen auf: Steht die Schau im Zusammenhang mit der Image-Beeinträchtigung durch die Verurteilung Stephan Schmidheinys in Italien – da der Name «Schmidheiny» eng mit dem Namen «Holcim» verbunden ist? Und vor allem: Warum zeigt das Kunstmuseum Werke, die in erster Linie eine Auftragsarbeit des Industrie-Giganten darstellen?
Autoren: Stefan Zucker, Markus Wicker
«Industrious – Marco Grob & hiepler, brunier», Kunstmuseum Bern, 2. März bis 6. Mai 2012

















