Kunst
Liebesrelikte
Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk eröffnet sein «Museum der Unschuld»
Sendung vom 02.05.2012
2008 veröffentlichte Orhan Pamuk seinen Roman «Museum der Unschuld», die Geschichte einer unerfüllten Liebe im Istanbul der 1970er Jahre. Nun eröffnet der türkische Nobelpreisträger das reale «Museum der Unschuld», ein vierstöckiges Altstadthaus in Istanbuls Stadtteil Beyoglu, voll mit echten Souvenirs aus der fiktiven Lovestory, alles vom Autor selbst gesammelt. Entstanden ist das einzigartige Projekt eines poetischen Hauses, in dem sich Wirklichkeit und Phantasie durchdringen. «Kulturplatz» war an der Eröffnung dabei und hat mit Orhan Pamuk gesprochen.
Autorin: Meili Dschen
«Das Museum der Unschuld», von Orhan Pamuk, Hanser Verlag
Witziger Feinsinn
Mit David Weiss verliert die Schweiz einen wichtigen und humorvollen Künstler
Sendung vom 02.05.2012
David Weiss begann seine Laufbahn als Bildhauer und Zeichner, entwickelte aber spätestens in der Zusammenarbeit mit Peter Fischli eine reiche Bandbreite des künstlerischen Ausdrucks: von Texten und Fotografien über Filme bis zu Plastiken und Installationen. Die humorvoll-philosophische Hinterfragung von alltäglichen Szenerien wie in «Der Lauf der Dinge», «Wurstserie» und «Plötzlich diese Übersicht» machten das Schweizer Künstlerduo weltweit bekannt, 2003 erhielt es den Goldenen Löwen der Biennale Venedig. In «Kulturplatz» erinnern sich der Fotograf Willy Spiller und andere langjährige Weggefährten an David Weiss.
Autoren: Stefan Zucker, Markus Wicker
In Gedenken an David Weiss zeigt die «Sternstunde Kunst» am Sonntag, 6. Mai um 12.00 Uhr auf SF1 zwei Filme des Künstlerduos Fischli/Weiss: «Der Lauf der Dinge» und «Der geringste Widerstand».
Baumstamm Bloch
Ein Appenzeller Brauch geht um die Welt
Sendung vom 25.04.2012
Der letzte Baumstamm der Saison, der in Appenzeller Wäldern geschlagen wird, ist etwas Spezielles: Er wird «das Bloch» genannt und in einem Umzug feierlich durch die Dörfer gezogen. Dann wird er versteigert, und mit dem Erlös wird das anschliessende Fest finanziert. Doch jetzt ist alles anders: Den letzten Stamm von Urnäsch haben zwei Künstler aus Zürich ersteigert: Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger alias «Com&Com». Nun schicken sie den Baumstamm auf eine Weltreise und laden Künstler ein, etwas mit dem Bloch zu machen.
Autorin: Julia Bendlin
Paradies der nackten Jünglinge
Die skurrile Kunst-Religion des Elisàr von Kupffer
Sendung vom 11.04.2012
Vor hundert Jahren war das Tessin eine ideale Projektionsfläche für Visionen und Utopien. In Minusio bei Locarno entstand Anfang des letzten Jahrhunderts ein Tempel für eine neue Religion: den Klarismus. Der Künstler Elisàr von Kupffer stellte sich mit Pathos und Humor selbst in den Mittelpunkt dieser Weltanschauung. Sein Hauptwerk «Die Klarwelt der Seligen» zeigt ein Paradies voller nackter Jünglinge – androgyne Wesen, die von einer Welt jenseits der Geschlechtergrenzen berichten.
Autor: Markus Tischer
«Das Elisarion und seine Ursprünge», Centro Culturale e museo Elisarion , Minusio, bis zum 29. April 2012
Droht der «Kulturinfarkt»?
Auf Visite am Museumsstandort Bern
Sendung vom 04.04.2012
Seit Pro-Helvetia-Chef Pius Knüsel zusammen mit deutschen Autoren im Pamphlet «Der Kulturinfarkt» zur Halbierung der Kulturhäuser aufgerufen hat, ist die Aufregung in der Kulturszene gross. Wie angezeigt sind diese provokativen Nadelstiche? Ist tatsächlich überall das übersubventionierte, publikumsferne «More of the same» zu sehen? «Kulturplatz» geht auf Visite an den Museumsstandort Bern und attestiert: Die Situation des Patienten ist zwar nicht ganz harmlos – doch vorbeugende Massnahmen sind seit längerem eingeleitet.
Autorin: Julia Bendlin, Richard Herold
«Der Kulturinfarkt» von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz, erschienen im Knaus Verlag
«Kulturplatz»-Sendung vom 21.03.2012, 22.20 Uhr auf SF 1
Mit Eva Wannenmacher aus der Glasi in Hergiswil
Eva Wannenmacher erkundet die «Glasi» in Hergiswil, beobachtet Glasbläser bei ihrem traditionellen Handwerk und lässt sich vom Musiker Ben Jeger das Spiel auf Glasinstrumenten demonstrieren.
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Edward Kienholz & Nancy Reddin Kienholz: «The Bronze Pinball Machine with Woman Affixed Also», 1980 (Bettina Matthiessen)
Kabinett der Provokationen
Warum die rebellische Kunst von Edward Kienholz noch heute bewegt
Sendung vom 14.03.2012
Die Verlogenheit und Selbstgerechtigkeit der US-Nachkriegsgesellschaft – dagegen hat Edward Kienholz mit seiner spektakulären Kunst zeitlebens protestiert. Als erster hat er für seine Installationen konsequent auf Abfall und Ramsch zurückgegriffen, als Statement gegen Konsumwahn und Wegwerfmentalität. Sei es die sexuelle Ausbeutung der Frau, die Korruptheit von Politik und Medien oder die Brutalität sozialer Ausmarchungen: stets verweisen die plakativen Szenerien von Kienholz auf tief verwurzelte Ungerechtigkeiten in der westlichen Gesellschaft – und wirken dadurch heute noch so aktuell wie schon vor 60 Jahren.
Autorin: Ulrike Haak
«Kienholz: Die Zeichen der Zeit», Museum Tinguely, Basel, bis 13. Mai 2012
«Kulturplatz»-Sendung vom 14.03.2012, 22.20 Uhr auf SF 1
Sendung vom 14.03.2012
Mit Eva Wannenmacher aus dem Museum Tinguely Basel
Eva Wannenmacher erkundet im Museum Tinguely «Die Zeichen der Zeit», die spektakuläre Retrospektive des amerikanischen Kunstpioniers Edward Kienholz, dessen provokatives Werk den verlogenen Umgang der Gesellschaft mit Sex, Religion, Krieg und Tod anprangert.
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Kunst selbstgemacht
Die Kreativszene entdeckt den Reiz des Do-it-yourself
Sendung vom 08.02.2012
Zur stereotypen Figur des Heimwerkers gesellt sich ein neuer Typus: der des Heimkünstlers. Ob Damien Hirsts Diamantenschädel oder ein Schiessbild von Niki de Saint Phalle: Es gibt nichts, was man nicht auch selber herstellen könnte. Künstler und Designer surfen gekonnt auf der jüngsten Welle. Sie vertreiben Baukästen für Designermöbel und Kunst zum Selbermachen. Do-it-yourself-Kunst ist bestimmt billiger als das Original, aber macht es auch glücklicher? «Kulturplatz» forscht bei Kulturschaffenden nach, was es mit dem neuen Trend auf sich hat.
Autorin: Karin Moser
«Do it yourself Möbel», von Christopher Stuart, Haupt Verlag, Bern
Promis und Verbrechen
Im «Blick»-Fotoarchiv schlummert das nationale Gedächtnis des Boulevard
Sendung vom 01.02.2012
Mit gut sieben Millionen Aufnahmen ist es der grösste physische Bildbestand der Schweiz: das Ringier Bildarchiv. Insbesondere mit dem Fotoarchiv des «Blick» dominiert der führende Schweizer Verlag das visuelle Zeitgeschehen seit über 50 Jahren. Die Medienbilder stellen politische, gesellschaftliche und kulturelle Zeitgeschichte dar. Heute gehört der Bildbestand dem Staatsarchiv Aargau. Für eine aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Aarau durften einige Künstler den Bildbestand nutzen. Auch der «Kulturplatz» hat gestöbert in den Fotos von Prominenz und Verbrechen, im nationalen Bildgedächtnis des Boulevard.
Autor: Stefan Zucker
















