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Fotografie

Geflutete Kathedralen

Die erhabene Ausstrahlung unterirdischer Wasserspeicher

Sendung vom 09.05.2012

Wuchtige Säulen und Kreuzgewölbe, ein Raumerlebnis wie in in einem sakralen Gebäude – dies bieten die Speicher, denen wir das tägliche, frische Wasser verdanken. Normalsterbliche erhalten aus hygienischen Gründen kaum Zutritt zu diesen unterirdischen Wasserkathedralen, die nur einmal im Jahr begehbar sind, nämlich jeweils zum Zeitpunkt ihrer Reinigung. Der Fotograf Silvio Maraini dokumentiert in seinem Buch «Geflutete Kathedralen» die erhabene Ästhetik verborgener Wasserspeicher.
Autor: Sebastian Günther

«Geflutete Kathedralen», Fotoband von Silvio Maraini, mit einem Vorwort von Benedikt Loderer, Benteli Verlag

Untitled #461. 2007–08 (© 2011 Cindy Sherman )

Kostümball der Identitäten

Was hinter den 1'000 Maskeraden der Fotokünstlerin Cindy Sherman steckt

Sendung vom 14.03.2012

Keine verkleidet sich öfter und schlüpft in mehr Rollen als Cindy Sherman. Mit Schminke, Perücken, Kostümen und Prothesen inszeniert sich die US-Künstlerin in fotografischen Porträts immer wieder selber, posiert als Schlampe oder als Schauspielerin, als Clown oder als Lady, immer auf der Spur der gesellschaftlichen Stereotypen und Zerrbildern von Weiblichkeit. Nun widmet das New Yorker «Museum of Modern Art» der Künstlerin eine umfassende Retrospektive – ein Highlight der internationalen Kunstagenda.
Autor: Stefan Zucker

«Cindy Sherman», Museum of Modern Art, New York, bis 11. Juni 2012

A young man in curlers at home on West 20th Street, N.Y.C. 1966 (© The Estate of Diane Arbus)

Abseits der Norm

Diane Arbus’ grandiose Fotokunst in Winterthur

Sendung vom 07.03.2012

Es ist wohl das fotografische Ereignis in diesem Jahr: die erste Schweizer Retrospektive der Amerikanerin Diane Arbus im Fotomuseum Winterthur. Die Amerikanerin aus gutem Hause war von Menschen magisch angezogen, und gerade von jenen abseits der Norm: Ihre Porträts von Drillingen, Zwergen, Transvestiten und Zirkusvolk entfalten bis heute eine Wirkung, der man sich schwer entziehen kann. Früher heftig umstritten, zählen ihre Bilder heute zum Bedeutendsten des Mediums Fotografie.
Autor: Richard Herold

«Diane Arbus», Fotomuseum Winterthur, bis 28. Mai 2012.

Die Ausstellung wurde vom «Jeu de Paume» Paris und vom «Estate of Diane Arbus LLC» New York konzipiert und in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur, Martin-Gropius-Bau Berlin und Foam_Fotografiemuseum Amsterdam organisiert.

Marco Grob: Michel Ménart, Obourg, Belgium, 2010 (© Holcim IP)

Selbstbespiegelung im Musentempel

Wie Holcim mit Fotokunst Firmenjubiläum feiert

Sendung vom 29.02.2012

Mit der Foto-Ausstellung «Industrious» erhält «Holcim» zum 100. Firmen-Jubiläum einen fulminanten Auftritt im Kunstmuseum Bern. Wie viele Firmen hat der Konzern den Image-Mehrwert einer kulturellen Präsentation erkannt. Der grosse Auftritt wirft allerdings Fragen auf: Steht die Schau im Zusammenhang mit der Image-Beeinträchtigung durch die Verurteilung Stephan Schmidheinys in Italien – da der Name «Schmidheiny» eng mit dem Namen «Holcim» verbunden ist? Und vor allem: Warum zeigt das Kunstmuseum Werke, die in erster Linie eine Auftragsarbeit des Industrie-Giganten darstellen?
Autoren: Stefan Zucker, Markus Wicker

«Industrious – Marco Grob & hiepler, brunier», Kunstmuseum Bern,  2. März bis 6. Mai 2012

Bildarchivar Ringier Bilderdienst, um 1970 (Staatsarchiv Aargau / Ringier Bildarchiv)

Promis und Verbrechen

Im «Blick»-Fotoarchiv schlummert das nationale Gedächtnis des Boulevard

Sendung vom 01.02.2012

Mit gut sieben Millionen Aufnahmen ist es der grösste physische Bildbestand der Schweiz: das Ringier Bildarchiv. Insbesondere mit dem Fotoarchiv des «Blick» dominiert der führende Schweizer Verlag das visuelle Zeitgeschehen seit über 50 Jahren. Die Medienbilder stellen politische, gesellschaftliche und kulturelle Zeitgeschichte dar. Heute gehört der Bildbestand dem Staatsarchiv Aargau. Für eine aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Aarau durften einige Künstler den Bildbestand nutzen. Auch der «Kulturplatz» hat gestöbert in den Fotos von Prominenz und Verbrechen, im nationalen Bildgedächtnis des Boulevard.
Autor: Stefan Zucker

Conrad Jon Godly

Vom Showbiz zur Bergwelt

Wie der ehemalige Glamourfotograf Conrad Jon Godly zur Landschaftsmalerei fand

Sendung vom 01.02.2012

17 Jahre lang gehörte der Bündner Conrad Jon Godly zum Jetset von Fashion und Showbiz, bewegte sich als angesagter Starfotograf in der glamourösen Welt der Models und Celebrities – bis zum Überdruss. Dann kehrte er in die Heimat und zu seinen künstlerischen Wurzeln zurück, zur Malerei. Das Kunsthaus Baselland zeigt nun eine erste Grossausstellung seiner Werke. «Kulturplatz» hat ihn in seinem alchimistischen Atelier bei Thusis besucht.
Autor: Pascal Derungs

«Ursprung», Werke von Conrad Jon Godly, Kunsthaus Baselland, bis 18. März 2012

Blick zum Himmel

Zauber und Erkenntnisgewinn der Wolkenguckerei

Sendung vom 18.01.2012

Der regelmässige Blick zum Himmel ist urmenschlich. Wir Wolkenbeobachter verfolgen flüchtige Objekte, die uns meteorologische Erkenntnisse bescheren, aber noch viel mehr. Die Faszination des Wolkenhimmels verbindet Wissenschaftler, Literaten, Künstler – mit uns allen. Egal, ob wir sehnsüchtig, neugierig, oder einfach nur verträumt zum Himmel gucken.
Autor: Stefan Zucker

«Wolkenstudien – der wissenschaftliche Blick in den Himmel» , Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, bis 12. Februar 2012

Katalog zur Ausstellung: «Wolkenstudien. Cloud Studies. Études des nuages». Hg. von Helmut Völter, Spector Verlag, Leipzig

Sami Al-Hajj

Die Gesichter von Guantanamo

Ein Schweizer Fotografenpaar porträtiert ehemalige Insassen

Sendung vom 18.01.2012

Zehn Jahre nachdem die USA auf Kuba das Internierungscamp Guantanamo in Betrieb nahmen, veröffentlicht das Schweizer Fotografenpaar Mathias Braschler und Monika Fischer eine aufwühlende Dokumentation von ehemaligen Insassen. Bislang anonymen Männern, die in Guantanamo als Terrorverdächtige durch die Hölle gingen, gibt das Schweizer Fotografenpaar ein Gesicht und eine Geschichte. In den meisten Fällen ist es die Geschichte von Menschen, die der Willkür der US-Behörden zum Opfer fielen.
Autor: Sebastian Günther

«Guantanamo Portfolio» von Mathias Braschler und Monika Fischer, veröffentlicht in «Vanity Fair» (USA) und «Stern» (Deutschland)

Inside Fukushima

Ein Fotograf auf der Suche nach der Wahrheit

Sendung vom 04.01.2012

Im August 2011 begab sich der 28jährige Fotograf Kazuma Obara verbotenerweise aufs Gelände des Atomkraftwerks in Fukushima und machte mit seiner Fotoserie «Inside Fukushima» die prekären Arbeitsbedingungen der Reaktorarbeiter publik. Die Bilder fanden in ausländischen Medien grosse Resonanz, in Japan selber konnte er sie bislang nicht publizieren. Seither prangert er in Japan die mangelhafte Berichterstattung über die Reaktorkatastrophe an.

Stuart Franklin: «Tiananmen»

«Magnum Contact Sheets»

Wie aus Fotografien Ikonen wurden

Sendung vom 12.10.2011

Der Bildband «Magnum Contact Sheets» thematisiert Fotos, die zu dokumentarischen Ikonen wurden, indem er sie erstmals den ähnlichen, aber ausgemusterten Aufnahmen auf den Kontaktabzügen gegenüber stellt: Was macht den entscheidenden Unterschied aus in einer Serie von Bildern, was hebt die eine Aufnahme aus der Masse heraus und macht sie zu einem Bild für die Ewigkeit? «Kulturplatz» hat Stuart Franklin besucht und mit ihm über sein legendäres Tiananmen-Foto von 1989 gesprochen, das zum Sinnbild für die Zerschlagung der Demokratiebewegung auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking wurde.
Beitrag: Richard Herold, Stefanie Schunke

«Magnum Contact Sheets», Bildband, Verlag Schirmer/Mosel, 2011