Film
Kino der grossen Geste
Jean Dujardin verzückt in «The Artist» als Stummfilmstar
«The Artist» ist ein spektakulär gelungenes Wagnis: ein Stummfilm in Schwarz-Weiss, der Publikum und Kritiker gleichermassen begeistert. Wesentlichen Anteil am Erfolg des Melodrams um einen Stummfilmstar, der den Sprung ins Tonfilmzeitalter verpasst, hat der französische Schauspieler Jean Dujardin. Er wurde eben mit dem Golden Globe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. In seinem meisterhaft eingesetzten Charme wird er höchstens noch von Uggie übertroffen, dem ebenfalls preisgekrönten Terrier.
Autorin: Jutta Louise Oechler
«The Artist», Regie: Michel Hazanavicius, mit Jean Dujardin, Uggie, Bérénice Bejo und anderen. Ab 26. Januar in den Deutschschweizer Kinos
Ausharren in Hollywood
Ein Besuch bei «Dällebach»-Regisseur Xavier Koller
Sendung vom 18.01.2012
Der einzige Schweizer Filmregisseur, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, eröffnet mit seinem neuen Film «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» die Solothurner Filmtage. «Kulturplatz» erforscht bei einem Besuch in Los Angeles, ob Kollers Verfilmung einer Schweizer Legende ein Indiz dafür sein könnte, dass der Regisseur nächstens wieder in die Schweiz zurück kommt.
Autorin: Uta Kenter
«Eine wen iig, dr Dällebach Kari», Film von Xavier Koller, mit Nils Althaus, Hanspeter Müller-Drossaart und Carla Juri, Premiere an den Solothurner Filmtagen am 18. Januar 2012
Der Alptraum vom Fliegen
Werner Herzogs Film über den Skispringer Walter Steiner
Sendung vom 11.01.2012
Die Suche des Regisseurs Werner Herzog nach Grenzerfahrungen führte ihn in den 70er-Jahren auf die Spuren des Schweizer Skispringers Walter Steiner. Wie dieser erste Skiflugweltmeister der Geschichte seinen Weg zwischen Leistungseuphorie und Angst vor dem fatalen Absturz suchte, hielt Herzog eindrücklich fest. Damit gelang ihm ein frühes Werk psychologischer Sportberichterstattung, ein Exempel dafür, wie stark der Sport von seiner medialen Darstellung lebt.
Autor: Pascal Derungs
«Die grosse Ekstase des Bildschnitzers Steiner», Film von Werner Herzog (1974)
Die Höhle der Erkenntnis
Werner Herzog zeigt die ältesten Bilder der Welt in 3D
Sendung vom 11.01.2012
Als im französischen Ardèche-Tal die Höhle von Chauvet mit den ältesten figürlichen Darstellungen der Menschheitsgeschichte entdeckt wurde, war dies eine Sensation. Doch nur ein erlesener Kreis von Wissenschaftlern hatte bis anhin Zutritt zu diesem steinzeitlichen Wunderort, wo sich Pferde, Löwen und Nashörner an den Wänden tummeln. Werner Herzog erhielt als einziger Filmer die Erlaubnis, während einer Woche in Chauvet zu drehen. Was er in seinem Film «Die Höhle der vergessenen Träume» in 3D präsentiert, ist eine faszinierende Reise in die Seele der Menschen vor über 30‘000 Jahren.
Autor: Lars Friedrich
«Die Höhle der vergessenen Träume», 3D-Film von Werner Herzog, ab 12. Januar 2012 in den Deutschschweizer Kinos
Die Familie des Markus Imboden
Als Regisseur eines umstrittenen «Tatorts» ist Markus Imboden 2011 bereits in den Schlagzeilen. Im November kommt dann «Der Verdingbub» in die Kinos und wird zum erfolgreichsten Schweizer Film des Jahres. In ihm erzählt Imboden, wie die Schweiz bis in die 50er Jahre elternlose Kinder versklavte. Imboden hat das Thema gewählt, weil es ihm persönlich nah ist: Sein eigener Vater war Vollwaise. Ein Gespräch über Land und Stadt, über seine eigene Flucht vor dem Schweigen und die heilende Wirkung der Kunst.
Gerhard Richter privat
Einer der bedeutendsten lebenden Maler gewährt erstmals Einblicke in seine Welt und sein Atelier
Sendung vom 14.12.2011
Gerhard Richter ist einer der wichtigsten und teuersten Künstler der Welt. Und einer der geheimnisvollsten, denn er meidet die Öffentlichkeit konsequent. So ist es geradezu sensationell, dass die Filmemacherin Corinna Belz ihn überzeugen konnte, Einblick in seine Arbeits- und Lebenswelt zu gewähren. Volle drei Jahre lang begleitete sie ihn mit der Kamera. «Gerhard Richter Painting» ist eine leise, aber faszinierende Dokumentation über den Künstler, für den Malen eine andere Form des Denkens ist.
Autor: Roger Brunner
«Gerhard Richter Painting», Regie: Corinna Belz (D 2011), ab 15. Dezember in den Deutschschweizer Kinos
«Habemus Papam»
Michel Piccoli spielt einen Papst, der keiner sein will
Sendung vom 07.12.2011
Nanni Morettis neuer Film «Habemus Papam» ist eine blasphemische Provokation: Der frisch gekürte Papst widersetzt sich dem göttlichen Willen, entzieht sich seinen Pflichten und entflieht aus dem Vatikan. Brillant spielt Altstar Michel Piccoli den empfindsamen Würdenträger, der sich verweigert, weil er kein Unfehlbarer sein kann, wie es das Dogma verlangt. Die Tragikomödie hat in Italien harsche Proteste ausgelöst, weil sie katholische Rituale entlarvt und die irdischen Schwächen der Geistlichkeit betont. Doch gerade deswegen strahlt der temporeiche Film des Atheisten Moretti besondere menschliche Anteilnahme aus.
Autor: Reinhold Jaretzky
«Habemus Papam», mit Michel Piccoli, Regie: Nanni Moretti, ab 8. Dezember in den Deutschschweizer Kinos
Elfentanz auf vielen Hochzeiten
Die Selbstinzenierungen der Künstlerin Miranda July
Sendung vom 30.11.2011
Die öffentlichen Liebeserklärungen an die amerikanische Künstlerin in Zeitungen, Magazinen und Blogs werden täglich mehr. Offen bleibt, wie sehr diese Begeisterung ihrer Kunst geschuldet ist, wie viel eher der verspielten Selbstinszenierung in ihren Filmen. Anlässlich der Schweizer Premiere des neuen Films «The Future» trat Miranda July selbst in Erscheinung. Nein, sie inszenierte sich … und eroberte noch ein paar Herzen.
Autorin: Sibilla Semadeni
«The Future», Film von Miranda July, ab 15. Dezember in den Deutschschweizer Kinos
George Harrisons «Heiligsprechung»
Martin Scorsese setzt dem stillen Beatle ein Denkmal
Sendung vom 23.11.2011
Im sanft ironischen Blick des Beatles-Leadgitarristen erkannten viele Fans die Spuren der Unterdrückung durch die Leithammel John Lennon und Paul McCartney. Doch George Harrison, der jüngste der Fab Four, fand auf eigene Weise zum Seelenfrieden. In Starregisseur Scorseses Dokumentarfilm über den begnadeten Gitarristen wird deutlich, dass Harrison sein Heil schon früh abseits des gleissenden Rampenlichts in tieferer Innerlichkeit suchte.
Autor: Nino Gadient
«George Harrison – Living In The Material World», Film von Martin Scorsese, erscheint auf DVD am 8. Dezember 2011
«George Harrison – Living In The Material World», Biografie von Olivia Harrison, Knesebeck
Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl
Zwei Frauen auf ungleichen Wegen zum Ruhm
Sendung vom 23.11.2011
Zwei Berlinerinnen träumen den gleichen Traum vom Erfolg in der Filmwelt und beschreiten völlig verschiedene Wege. Während Marlene Dietrich in Hollywood zur Diva aufsteigt und aus der Ferne gegen die Nazis kämpft, wird Leni Riefenstahl unter Hitlers Fittichen zur Vorzeigekünstlerin der Nazis. Die verblüffende Parallelbiografie der Politologin Karin Wieland erzählt den parallelen Aufstieg von zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Autorin: Uta Kenter
Karin Wieland:«Dietrich & Riefenstahl. Der Traum von der neuen Frau», Hanser Verlag

















