Bühne
Die Bürde der Erinnerung
Lukas Bärfuss' neues Theaterstück hinterfragt die Wissensgesellschaft
Tony hat's schwer: Durch einen Unfall fliegt ihm plötzlich unermessliches Faktenwissen zu, ausgerechnet über die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg. Tony versucht davon zu erzählen, doch alle wimmeln ab. Lukas Bärfuss sticht mit seinem neuen Theatertext in alte und neue Wunden. Er provoziert mit unbequemen Fragen über die Verantwortlichkeit gegenüber der Vergangenheit, und er thematisiert die Frage nach der Bedeutung von Wissen und Bildung in der modernen «Wissensgesellschaft». «Kulturplatz» über ein anspruchsvolles Theaterstück.
Autor: Eduard Erne
«Zwanzigtausend Seiten», Drama von Lukas Bärfuss, Schauspielhaus Zürich, bis 15.März 2012
Der Preis des Ruhms
Die Basler Primaballerina Ayako Nakano über Licht und Schatten einer Tanzkarriere
Rampenlicht und Schattenseiten – die Solotänzerin Ayako Nakano weiss, was es wirklich heisst, professionell zu tanzen. «Kein Tag ohne Schmerzen», sagt die 35-Jährige, die vor 20 Jahren den «Prix de Lausanne» gewann und heute unter der Ballettdirektion von Richard Wherlock Hauptrolle um Hauptrolle am Theater Basel tanzt. Publikum und Kritiker sind von der zierlichen Japanerin, ihrer körperlichen Perfektion und emotionalen Intensität begeistert. Auf der Bühne gibt es für sie nur Leidenschaft; die Entbehrungen und Leiden des Berufs zeigen sich im Alltag.
Autorin: Nicole Salathé
«The Fairy Queen», Tanztheater nach Henry Purcell, mit Ayako Nakano, Choreografie: Richard Wherlock , Theater Basel, bis 30. März
Ausharren in Hollywood
Ein Besuch bei «Dällebach»-Regisseur Xavier Koller
Sendung vom 18.01.2012
Der einzige Schweizer Filmregisseur, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, eröffnet mit seinem neuen Film «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» die Solothurner Filmtage. «Kulturplatz» erforscht bei einem Besuch in Los Angeles, ob Kollers Verfilmung einer Schweizer Legende ein Indiz dafür sein könnte, dass der Regisseur nächstens wieder in die Schweiz zurück kommt.
Autorin: Uta Kenter
«Eine wen iig, dr Dällebach Kari», Film von Xavier Koller, mit Nils Althaus, Hanspeter Müller-Drossaart und Carla Juri, Premiere an den Solothurner Filmtagen am 18. Januar 2012
Den Sternen nah
Warum Opernfans ihren Lieblingssängern um die ganze Welt nachreisen
Sendung vom 14.12.2011
Die 22jährige Kira und ihre Mutter Deb Carlton reisen seit 11 Jahren um den ganzen Erdball mit dem einen Ziel, dem Startenor José Cura so nah wie möglich zu kommen. Hinter den Kulissen ein Erinnerungsfoto mit Kira und dem Star zu schiessen, ist der Höhepunkt eines jeden Opernabenteuers. Mittlerweile haben die Carltons ihren Liebling schon über 200 Mal gesehen und ihre Erlebnisse mit Tausenden von Fotos belegt. «Kulturplatz» hat die beiden Opernbesessenen zu José Curas Auftritt in «Turandot» ins Zürcher Opernhaus begleitet und sie in Washington besucht, wo sie ihre Cura-Devotionalien horten.
Autorin: Sandra Steffan
Bühne frei
Wie die Jungsopranistin Regula Mühlemann ihrem ersten Star-Auftritt entgegen fiebert
Sendung vom 14.12.2011
Regula Mühlemann gilt als die Entdeckung der Schweizer Opernszene. Der 25jährigen Sopranistin aus Adligenswil bei Luzern gelang letztes Jahr unerwartet ein grosser Wurf: Bei der Opernverfilmung «Der Freischütz» wurde sie für die Rolle des «Ännchen» gewählt. Seither geht es steil aufwärts, und jetzt erfüllt sich ein Traum: Sie singt gemeinsam mit Weltstar Rolando Villazón in «L'elisir d`amore» auf der Zürcher Opernbühne. «Kulturplatz» hat die hochbegabte Schöne dabei beobachtet, wie sie sich daheim in Luzern auf den grossen Auftritt vorbereitet.
Autorin: Sandra Steffan
«Kulturplatz»-Sendung vom 14. Dezember 2011, 22.20 Uhr auf SF 1
Sendung vom 14.12.2011
Mit Nina Mavis Brunner aus dem Zürcher Opernhaus
Im Opernhaus Zürich trifft Nina Mavis Brunner hinter den Kulissen der Donizetti-Oper «L'elisir d'amore» den Startenor Rolando Villazón und das junge Luzerner Sopranstimmwunder Regula Mühlemann zum Gespräch über Gesang, Leidenschaft, Karriere und Ruhm.
«L'elisir d'amore», Oper von Gaetano Donizetti, Opernhaus Zürich
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Durchhalteparolen der Empörten
Ägyptens Kulturschaffende ringen um die Früchte der Revolution
Sendung vom 30.11.2011
Die Tanztheater-Choreografin Karima Mansour verliess Bern überstürzt, als auf dem Tahrir-Platz in Kairo der politische Frühling ausgerufen wurde, um in ihrer Heimat politisch mitzuarbeiten. Nach der bitteren Enttäuschung über den Machtmissbrauch der Militärs bangt sie nun um die Früchte der Revolution, die sie mitgetragen hat. Mansour setzt, wie die meisten Tahrir-Aktivisten, auf eine zweite, radikale Welle der Empörung, um ihrem Land den Weg in die Demokratie zu ebnen. Denn von den ersten Wahlen nach Mubaraks Abgang erwartet sie keine Wunder.
Autor: Eduard Erne
Späte Ehrung
Christoph Marthaler bekommt endlich den Reinhart-Ring
Sendung vom 16.11.2011
Mit seinen absurd-komischen und hochmusikalischen Theaterstücken wurde er zum bekanntesten Schweizer Theaterexport. Nun erhält der europaweit erfolgreiche Zürcher mit dem Hans Reinhart-Ring endlich die höchste Schweizer Theaterehre. «Kulturplatz» fragt bei Regiekollegen und Weggefährten Marthalers nach, was sie von der späten Ehrung halten.
Autorin: Sarah Herwig
Hass per Radio
Wie ein Radiosender zu Ruandas Völkermord aufstachelte
Sendung vom 09.11.2011
Noch immer lässt sich schwer begreifen, warum in den Neunziger Jahren in Ruanda Freunde zu Feinden wurden – und Zehntausende zu Mördern. Der Schweizer Theaterregisseur Milo Rau versucht nun die Mechanismen des Völkermords zu beleuchten. Für ihn spielt die ruandische Radiostation RTLM eine zentrale Rolle bei der systematischen Vorbereitung zum Genozid. Rau inszeniert anderthalb Stunden Radioprogramm mit Überlebenden. Ein Theaterabend, der erschüttert und mit einer klaren Message aufwühlt: Das Böse steckt im Banalen.
Beitrag: Julia Bendlin
«Hate Radio», Regie: Milo Rau, Aufführungen am 25.-29. Januar 2012 im Migros-Museum Zürich; 2./3. Februar 2012 im Südpol Luzern; im April 2012 in der Kaserne Basel und im Schlachthaus Bern
Gute Laune mit Hintersinn
Warum wir das «Weisse Rössl» unterschätzt haben
Sendung vom 02.11.2011
Das«Weisse Rössl» steht für Ohrwürmer und Operetten-Seligkeit. So wurde es dem Publikum in unzähligen Filmen mit Peter Alexander oder Johannes Heesters serviert – und dabei missverstanden. Komponist Ralph Benatzky war ein Meister der musikalischen Satire. Er schrieb das Singspiel zur Zeit der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre als ironische Sehnsuchts-Idylle. Das Luzerner Theater zeigt das Stück nun in dieser ursprünglichen Fassung. «Kulturplatz» entdeckt ein unterschätztes Bühnenwerk.
Beitrag: Richard Herold
«Im weissen Rössl», Regie: Dominique Mentha, Luzerner Theater, bis 12. Mai 2012

















