Inhalt

Bühne

John Malkovich in «The Giacomo Variations»

Verführer Malkovich

Der Hollywood-Star spielt in Winterthur Giacomo Casanova

Den grossen Verführer spielte er mehrfach, besonders eindrücklich in «Dangerous Liaisons», wo er Michelle Pfeiffers Herz eroberte. John Malkovichs eigenes Herz schlägt – überraschend für einen Hollywood-Mimen – besonders treu für das Theater. Nun steht der Weltstar im Rahmen eines Gastspiels in Winterthur als Giacomo Casanova auf der Bühne. «Kulturplatz» fühlt dem grossen Verführer Malkovich den Puls.
Autorin: Lisa Röösli

«The Giacomo Variations», ein Musiktheaterprojekt von Michael Sturminger und Martin Haselböck mit Opernszenen von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte, Mittwoch, 16. Mai 2012

Nicole Knuth (li) und Olga Tucek (re)

Bühne als Schicksal

Knuth und Tucek tragen ein gewichtiges Familienerbe leichtfüssig weiter

Nicole Knuth und Olga Tucek servieren bissige  Abgesänge auf die Gegenwart zu lüpfigen Harmonikaklängen. Dass sich die beiden Satirikerinnen lange gegen eine Bühnenkarriere, nämlich die Fortsetzung ihrer schauspielerischen und musikalischen Familientradition sträubten, ist angesichts ihrer Virtuosität kaum zu glauben. «Kulturplatz» erforscht die Familiengeschichte von Knuth und Tucek und begleitet das mit Engelsstimmen und Teufelszungen gesegnete Duo auf seinem Stadtrundgang mit Publikum an den Oltener Kabarett-Tagen.
Autorin: Nicole Salathé

Jugendtrauma

Hansjörg Schneider bringt den Horror der Anstaltserziehung auf die Bühne

Der Berner Schriftsteller Carl Albert Loosli wurde als Kind administrativ versorgt und wuchs in Erziehungsanstalten auf. Zeit seines Lebens litt er unter den traumatischen Erlebnissen seiner Jugend und kämpfte gegen die Allmacht des staatlichen Fürsorgesystems. Von Looslis Schicksal und seinen eigenen Erlebnissen ausgehend hat Hansjörg Schneider nach langer Pause wieder ein Stück für die Bühne geschrieben; eine albtraumhafte Folge von Kinderszenen, die zeigt, wie unter dem Deckmantel bürgerlicher Sittenhaftigkeit ein rigides System von Unterdrückung funktioniert, das von Generation zu Generation weitergegeben wird – bis heute.
Autor: Sebastian Günther

«Looslis Kinder», von Hansjörg Schneider, Inszenierung Liliana Heimberg, Stadttheater Bern, bis 2. Juni

© Marco Zanoni

(Aus dem Ballett «Lions, Tigers and Women»)

Grosswildjagd als Tanz

Das abenteuerliche Leben der Vivienne von Wattenwyl

Löwen, Elefanten und Zebras für das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern: Diese Beute beschaffte der Jäger und Maler Bernhard von Wattenwyl in den 1920er Jahren in Ostafrika. Seine 24-jährige Tochter Vivienne begleitete ihn auf Schritt und Tritt auf seiner Safari. Für Vivienne wurde die stressige Expedition zur Jagd nach der eigenen Identität. Nun kommt ihre abenteuerliche Geschichte im Rahmen des Tanzfestivals STEPS als faszinierendes Tanzerlebnis auf die Bühne.
Autorin: Nicole Salathé

«Lions, Tigers and Women», zweiteiliger Tanzabend von Cathy Marston und Andrea Miller, Stadttheater Bern im Rahmen des Tanzfestivals STEPS

aus dem Stück «Utopia» (Theater Basel)

Vom besten Zustand

Das Theater Basel reist nach «Utopia»

Welche Träume haben junge Menschen von der besten aller Welten? Wie steht es um ihre Visionen einer anderen Gesellschaft? Das Theater Basel hat zusammen mit Jugendlichen auf dem weiträumigen Dreispitz-Areal dem Ort «Utopia» nachgespürt. «Kulturplatz» fragt, wie kühn die Träume heutiger junger Menschen sind.
Autorin: Uta Kenter

«Utopia: Vom besten Zustand», Theater Basel auf dem Dreispitz-Areal, diverse Vorstellungen bis 21. Mai 2012

André Heller

Abenteuerliches Künstlerleben

André Hellers offenherzige Biografie

Unlängst ist er 65 geworden – der österreichische Künstler, Poet, Sänger, Impressario und Gartenarchitekt André Heller. In einer verblüffend ehrlichen Biografie beschreibt der ehemalige «Du»-Chefredakteur Christian Seiler das aufregende Leben des Multi-Talents. Und spart dabei die Krisen und persönlichen Abstürze nicht aus. Entstanden ist ein aufregendes Zeitdokument, das André Hellers Leben und seine – wie er sie nennt – «Expeditionen» in die Welt der Kunst beschreibt. «Kulturplatz» hat André Heller und seinen Biografen in Wien getroffen.
Autor: Eduard Erne

«Feuerkopf – André Heller. Die Biografie» von Christian Seiler, erschienen im Bertelsmann-Verlag

Pius Knüsel als «Kulturdoktor»

Droht der «Kulturinfarkt»?

Auf Visite am Museumsstandort Bern

Sendung vom 04.04.2012

Seit Pro-Helvetia-Chef Pius Knüsel zusammen mit deutschen Autoren im Pamphlet «Der Kulturinfarkt» zur Halbierung der Kulturhäuser aufgerufen hat, ist die Aufregung in der Kulturszene gross. Wie angezeigt sind diese provokativen Nadelstiche? Ist tatsächlich überall das übersubventionierte, publikumsferne «More of the same» zu sehen? «Kulturplatz» geht auf Visite an den Museumsstandort Bern und attestiert: Die Situation des Patienten ist zwar nicht ganz harmlos – doch vorbeugende Massnahmen sind seit längerem eingeleitet.
Autorin: Julia Bendlin, Richard Herold

«Der Kulturinfarkt» von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz, erschienen im Knaus Verlag

Der Manegenmagier

Wie Gastkomiker Michel Gammenthaler mit dem Zirkusleben bei Knie klar kommt

Ursus und Nadeschkin, Viktor Giacobbo oder das Duo Fischbach: sie alle waren schon Gaststars im Schweizer Nationalcircus Knie. Dieses Jahr geht der Zauberer, Kabarettist und Stand-up Comedian Michel Gammenthaler mit auf Tournee, begleitet von seinen bekannten Bühnenfiguren: der Rentnerin Hedi Hegetschwiler, dem Esoteriker Volker Hagemann und dem Lifestyle-Experten Serge Widmer. «Kulturplatz» hat beobachtet, wie Gammenthaler & Co mit dem Zirkusleben klar kommen.
Autorin: Nicole Salathé

«Passion Cirque», Schweizer Nationalcircus Knie, Tournee 2012, ab 21. März bis 18. November

Alexander Pereira

Ende einer Ära

Herr Pereira, wie haben Sie das gemacht?

Alexander Pereira hat in den letzten 21 Jahren das Zürcher Opernhaus geprägt wie kein anderer zuvor. Grosse Sänger hat er engagiert, eine erstaunliche Anzahl von Premieren auf die Bühne gebracht – bis an die Grenze der Belastbarkeit des Kulturbetriebs. Legendär die Fähigkeit des ehemaligen Schreibmaschinen-Verkäufers, Sponsoren-Gelder zu beschaffen. Bevor er Zürich in Richtung Salzburg verlässt, schaut «Kulturplatz» zurück und fragt: Herr Pereira, wie haben Sie das gemacht?
Autorinnen: Sandra Steffan, Simone Güntensperger

aus dem Stück «Zwanzigtausend Seiten», (Tanja Dorendorf / T+T Fotografie)

Die Bürde der Erinnerung

Lukas Bärfuss' neues Theaterstück hinterfragt die Wissensgesellschaft

Tony hat's schwer: Durch einen Unfall fliegt ihm plötzlich unermessliches Faktenwissen zu, ausgerechnet über die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg. Tony versucht davon zu erzählen, doch alle wimmeln ab. Lukas Bärfuss sticht mit seinem neuen Theatertext in alte und neue Wunden. Er provoziert mit unbequemen Fragen über die Verantwortlichkeit gegenüber der Vergangenheit, und er thematisiert die Frage nach der Bedeutung von Wissen und Bildung in der modernen «Wissensgesellschaft». «Kulturplatz» über ein anspruchsvolles Theaterstück.
Autor: Eduard Erne

«Zwanzigtausend Seiten», Drama von Lukas Bärfuss, Schauspielhaus Zürich, bis 15.März 2012