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Die Schweiz in 100 Dingen

Sommerprogramm 2012

Die Schweiz in 100 Dingen - Die Liste 1 - 100

Sparschäler

Er ist der Schönste, Schärfste, Schnellste, der Regazzoni unter den Küchengeräten: der Sparschäler. Aus dem Küchenalltag nicht mehr wegzudenken ist dieser Gegenstand, der so viele typische Schweizer Eigenschaften in sich verbindet. Er liegt perfekt in der Hand, ist präzis, effizient und von grossem ökonomischen Nutzen - ein Instrument der Sparsamkeit. Erfunden wurde er 1947 – kurz nach dem 2. Weltkrieg, als Sparsamkeit noch eine ganz andere Bedeutung hatte. Ein in Davos geborener Tscheche namens Alfred Neweczerzal, Handelsreisender, Marktfahrer und Erfinder, hatte DIE Erleuchtung. Seither wurden von diesem Ding über 70 Millionen Stück hergestellt. Das aus Aluminium gefertigte Ding wurde sogar als Ehrengast im Museum und - auf einer Briefmarke verewigt. Ein wahrer Klassiker.

Cervelat

In St. Gallen nennt man ihn Stumpen, in Basel Klöpfer, aber allein die Menge der verzehrten Cervelats rechtfertigt ihre Ernennung zur nationalen Wurst. Jeder SchweizerIn isst über 20 Stück im Jahr - von dieser Mischung aus Rind- und Schweinefleisch, Rückenspeck, gemahlener Schwarte, Pökelsalz und diversen Gewürzen. Und es wäre keine Schweizer Wurst, wenn sie sich nicht mit einem  Hauch von Internationalität umgeben würde. Ihre Haut besteht aus feinen Därmen des Zebu-Rinds, die aus dem fernen Brasilien importiert werden. Der Name Cervelat ist vom italienischen Wort «cervellata» abgeleitet. Das wiederum stammt von lateinischen cerebellum - und das heisst «kleines Gehirn».

Schweizerpass

Der rote Pass ist der Grossfürst unter den Reisepässen. Er strahlt, leuchtet in seinem Signalrot voller Stolz, im Gegensatz zum etwas schmuddeligen Burgundrot des EU-Passes. Am Anfang war der Schweizerpass noch nicht rot, die erste Ausgabe 1915 war in einem bescheidenen grau-grün gehalten. 1932 wagte man eine neue Farbe – ein schlichtes Braun. Erst 1959 gab man ihm sein stolzes Rot. Und gleichzeitig hiess er nicht mehr Schweizer Pass – sondern Schweizerpass. In einem Wort. Mit klarer Betonung der ersten Worthälfte: SCHWEIZERpass.

Landistuhl

Ein Stuhl-Klassiker, eine Design-Legende, der Emmentaler unter den Sitzmöbeln, nicht nur wegen der Löcher, auch wegen seiner Bekanntheit. Hans Coray schuf diesen Freilandstuhl für die Schweizerische Landesausstellung 1939, auf der 1.500 Exemplare zum Einsatz kamen. Ein Stuhl als Symbol der nationalen Selbstbehauptung gegen das übermächtige Nazi-Deutschland – denn gefertigt wurde der Stuhl aus Aluminium, das damals als typisches Schweizer Metall galt. Man wollte der Welt zeigen, wie stark und unabhängig die Schweiz aufgrund der boomenden Aluminiumindustrie war. Und wie leicht und praktikabel ihre Produkte waren. Form und Funktionalität des Landi-Stuhls haben diese nationalistischen Anflüge überlebt, seine schlichte Schönheit macht ihn zu dem Design-Klassiker der Schweiz.

Bahnhofsuhr

Welch Sinnbild der Pünktlichkeit: Sie tickt nicht, springt nicht von einer Sekunde hektisch zur anderen, sondern sie gleitet. Eine rote Schaffnerkelle als Sekundenzeiger wartet nur einmal kurz, um dann auf die 12 zu springen. Ihr Schöpfer, der Designer Hans Hilfiker, schrieb über diesen Zeiger: «Er bringt Ruhe in die letzte Sekunde und erleichtert die pünktliche Zugsabfertigung». 1944 für die SBB entworfen, wurde die Bahnhofsuhr von vielen Bahngesellschaften in aller Welt übernommen - eine Botschaft der Schweizer Präzisionskultur.

Pfeife

Eine markante Hornbrille auf der Nase und eine Pfeife im Mund – das waren einmal die Markenzeichen des Schweizer Schriftstellers - ob er nun Dürrenmatt  oder Max Frisch hiess. Viele, die den beiden begegneten, erzählen, dass erst das Pfeife-Rauchen jene Prise Inspiration in ein Gespräch brachte, die eine Begegnung mit den beiden so unvergesslich macht. Das hat zur Folge, dass das Archiv des Schweizer Fernsehens über viele Talksendungen verfügt, in denen der Rauchmelder kurz vor der Alarmgrenze gewesen sein muss.

Militärdecke

«Mein liebstes Ding – die Militärdecke: Sie hält wunderschön warm».
(Zuschauervorschlag von Susanne Brunner)

Dass sich die Armeedecke so hoher Beliebtheit erfreut, ist ein gutes Zeichen - die Schweizer Armee überzeugt weniger durch Kampfkraft und martialisches Auftreten, dafür mehr mit Dingen, die sich im Alltag bewähren. Wie die Armeedecke: aus reiner Wolle gefertigt, kratzbürstig und strapazierfähig – das sind wahre Schweizer Tugenden. Ausserhalb der Schweiz wird dieses Ding oftmals als hippes Design-Objekt wahrgenommen.

Goldvreneli

«Besser wäre unser Land durch Wilhelm Tell oder durch die Mannen vom Rütli dargestellt worden», so schrieb die «Numismatische Rundschau», als die Gestaltung für das Goldvreneli beschlossene Sache war. Die ersten Goldmünzen wurden 1897 mit dem Bild einer jugendlichen Frau geprägt. Prompt hagelte es Protest von Fachleuten und Politikern: sie müsse viel mütterlicher sein. Und überhaupt: das offene Haar und die Stirnlocke, viel zu frivol! Nun ist des Vrenelis Haar, ganz im Sinne des Komitees um Albert Anker, brav geflochten. Nichts desto trotz erfreut sich das Goldvreneli nach wie vor grösster Beliebtheit, speziell als Geschenk von Götti oder Gotte. Heute eine antiquierte Münze, war das Vreneli einst ganz normales Geld, im Wert von 20 Schtutz. Bis 1936 der Franken infolge der Weltwirtschaftskrise abgewertet wurde und im Gegensatz dazu der Goldpreis stieg und stieg. So wurde das kostbare Rund weggeschlossen, sorgfältig verstaut in Nachttischli und Schmuckkästli von Herrn und Frau Schweizer.

Patent Ochsner Kübel

Der Dinosaurier der Abfall-Eimer – robust, feuerverzinkt, solide: das ist der Patent Ochsner Kübel. Es gab ihn in verschiedenen Grössen, aber immer mit dem Schweizer Kreuz auf dem Deckel. 1928 in Zürich eingeführt, gab es ihn bald in jedem Haushalt. Die gesamte Müllentsorgungskette funktionierte wie ein Uhrwerk, denn der Kübel war auf den Müllwagen zugeschnitten, auch die Feuerklappen der Brennöfen passten genau auf den Ochsner. Und der spezielle Klang, das Scheppern der Deckel kündigte immer an: die Müllabfuhr ist unterwegs.

Hellebarde

Die Schweiz hat als Waffenhersteller eine lange Tradition. Mit Hellebarden versetzten Schweizer Söldner Reiterheere in aller Welt in Angst und Schrecken. Die Waffe war raffiniert und hinterhältig zugleich: eine Kombination aus Lanze, Beil und Haken, mit der man stechen und reissen, den Gegner vom Pferd zerren oder Beine des Pferdes selbst attackieren konnte. Heute wird die Hellebarde nur noch von der Schweizer Garde im Vatikan als Symbol benutzt.

Tamiflu

Die Liste berühmter Schweizer Pharma-Produkte ist lang: sie reicht von Fenistil über Voltaren bis zu Tamiflu. Wobei Tamiflu das Prominenteste ist. Wo immer eine Grippe-Epidemie auftrat, wurde Tamiflu zum absoluten Renner. Vogelgrippe, Schweinegrippe – die Kassen von Roche in Basel klingelten. Und das, obwohl Nutzen und Tauglichkeit äusserst umstritten sind. Als 2003 die Vogelgrippe aufkam und eine Pandemie mit Millionen Toten drohte, vermeldete Roche: «Tamiflu wirkt». Und die Regierungen kauften. Doch die Prognosen blieben Prognosen.  Was bleibt – ein gutes Geschäft.

Emmentaler

Einerseits ist der Emmentaler so etwas wie der Schweizer Urkäse, zumindest was seine Bekanntheit anbelangt. In manchen Gegenden Deutschlands nennt man ihn sogar «Schweizer Käse», was aber nur die dortige Ahnungslosigkeit beschreibt. Auf der anderen Seite ist der Emmentaler wohl einer der wenigen Käsesorten, die von der Türkei bis Finnland überall hergestellt werden, und das schon seit dem 19. Jahrhundert. Das wiederum ärgert die Emmentaler schon lange. Und so heisst nun der wirkliche Emmentaler, nicht einfach Emmentaler, sondern «Emmentaler AOC», wird aus Rohmilch hergestellt und lagert danach mindestens 4 Monate.

Taschensonnenuhr

Wer die Macht hat, bestimmt über die Zeit. Nicht über den Lauf der Zeit, aber darüber, wann was wie zu geschehen hat. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit verkündeten Glocken vom Kirchturm, welche Stunde es geschlagen hat. Der Abt der Fürstabtei St. Gallen hingegen besass um 1530 diese Taschensonnenuhr. Ein Luxus in Zeiten, als gerade die Sanduhr die Zeitmessung revolutionierte, weil sie auch kleinste Zeiteinheiten messen konnte. Vielleicht benötigte der Abt aber die Uhr auf der Flucht, denn damals, 1527, hatte die Reformation St. Gallen erreicht – und der Abt wurde vertrieben. Vier Jahre später war er wieder zurück – und das Kloster mächtig wie zuvor.

Ausländerausweis

Als Nicht-Schweizer in der Schweiz ist man Ausländer. Und im Gegensatz zu vielen anderen Staaten, die betreffende Visa oder Aufenthaltsgenehmigungen in den Reisepass stempeln, bekommt man in der Schweiz einen Ausländerausweis und wird kategorisiert, in 8 verschiedene Kategorien, vom Ausländer mit Arbeitsvertrag bis zum Ausländer, der schutzbedürftig ist. Und jede dieser Kategorien hat eine andere Farbe: es gibt hellgraue, hellgrüne, rote, braune, fliederfarbene, normal blaue, sowie dunkel- und hellblaue Ausländerausweise. So gross ist die Welt.

Zuschauereinsendung von Caroline von Schulthess

Wegweiser

Die Schweiz besitzt ein Wanderwegnetz von über 60'000 km Länge - eineinhalbmal rund um die Welt. Das finde ich nicht nur beeindruckend sondern ist auch pure Lebensqualität und so in dieser Form wohl einzigartig im Vergleich zu anderen Ländern.
Während meines Studiums als Kulturingenieur machte ich ein Praktikum bei einem Umweltbüro, das sich gerade mit dem Weg der Schweiz zur 700 Jahrfeier der Schweiz auseinandersetzte. Das fand ich ein ziemlich «bünzliges» Projekt und so war ich auch ziemlich belustigt, als ich feststellte, mit welchen Normen man es zu tun bekommt, wenn man einen Wanderweg offiziell und gemäss der Verordnung «richtig» beschildern will.
Zwanzig Jahre später, als ich mich für mehrere Wochen in Little Rock, Arkansa, USA aufhielt, habe ich erst gemerkt, wie wichtig diese Wanderwege sind. In Amerika fehlten mir die Wege ausserhalb der Stadt, weg von den Strassen. Ich musste also ins Ausland gehen, um zu begreifen, wie sehr diese gelben Schildlein zum Schweizsein und zur Schweizerischen Lebensqualität beitragen.
(Caroline von Schulthess)

Und wer schon lange mal wissen wollte, wie die Marschzeiten berechnet werden, hier ist die ultimative Formel:
»t_to = {L • [C0 + (C1 • S) + (C2 • S2) + (C3 • S3) + (C4 • S4) + (C5 • S5) + (C6 • S6) + (C7 • S7) + (C8 • S8) + (C9 • S9) + (C10 • S10) + (C11 • S11) + (C12 • S12) + (C13 • S13) + (C14 • S14) + (C15 • S15)]} / 1000«

Armbrust-Symbol

 «Ich habe nicht einen, sondern fast 3000 Gegenstände aus dieser Zeit, alles Artikel des täglichen Bedarfs, und alles aus Schweizer Produktion. Von der Mausefalle über Putzmittel bis zu grossformatigen Plakaten.»
(Zuschauervorschlag von Marcel Wiedmer)

Was heute das Label «Swiss Made» ist, war früher das Armbrust-Symbol. Ab 1933 wurde dieses Symbol zur Förderung der einheimischen Industrie auf allerlei Gegenstände gedruckt. Die konsumierenden Hausfrauen wussten somit sofort, welche Waren in der Schweiz hergestellt wurden und welche nicht. Die Produkte aus dieser Zeit mit dem Symbol der Armbrust: ein kleines Stück Schweizer Kulturgeschichte.

Velo-Vignette

«Mein liebstes Schweizer Ding ist die Velo-Vignette, die es ja nun leider nicht mehr gibt… schnief… Ich hab sie immer fleissig gekauft - ein super Versicherungsschutz - und habe fein säuberlich alle Jahrgänge nebeneinander geklebt. Und manchmal schau ich mir diese farbenfrohe Reihe an und staune, dass ich schon so viele Jahre in der Schweiz bin. Wie die Zeit vergeht… Die Velo-Vignette zaubert mir somit immer ein kleines Schmunzeln aufs Gesicht.»
(Zuschauervorschlag von Anke Heimer)

Die Velovignette war bis Ende 2011 das offizielle Kennzeichen für die obligatorische Haftpflichtversicherung von Fahrrädern in der Schweiz. Früher bestand sie aus rotem Alu, 1989 wurde sie durch eine günstigere selbstklebende Etikette ersetzt.

Der Tiptopf

«Der Tiptopf. Damit kochte ich das erste Mal. Damit kochte ich das letzte Mal. Vieles veränderte sich in den letzten 25 Jahren. Es gab Essmoden. Sushi. Slow Food und Fastfood. Der Tiptopf veränderte sich nie. Das ist gut so. Der Tiptop blieb ein Begleiter. Ein Freund in der Küche.»
(Zuschauervorschlag von Gilles Fontolliet)

Jeder kennt den Tiptopf. Entweder man hat in der Schule damit gekocht, ihn geschenkt bekommen oder bei Freunden im Regal stehen sehen. Die erste Auflage erschien 1986, letztes Jahr wurde das zweimillionste Exemplar ausgeliefert. Damit ist Tiptopf das meistverkaufte Lehrmittel der Schweiz. Und es ist wahr, damit schaffen es sogar Anfänger, etwas feines in der Küche zu zaubern.

Nagra - Nina's Brunners Lieblingsding

«Obwohl 1961 am Genfer Automobilsalon vorgestellt, ist der Jaguar E-Type leider kein Schweizer Ding. Ein Oldtimer made in Switzerland ist hingegen das legendäre Nagra. Vertrieben wurde das Tonbandgerät von der Westschweizer Kudelski S.A. − und es revolutionierte die Kommunikationswelt bis nach Hollywood. Firmengründer Stefan Kudelski, gebürtiger Pole, studierte an der ETH Lausanne, wo er auch das erste dieser Prachtstücke gebaut haben soll, bevor er es aus dem Fenster warf. Unten angekommen, lief es weiterhin einwandfrei. Qualitätstest bestanden. Mir sind die 6.8  Kilo ans Herz gewachsen, weil sie mich seit drei Jahren im 3sat-Format «Tonspur – der Soundtrack meines Lebens» begleiten. Wenn uns Prominente von ihren Lieblingssongs erzählen, dient das sperrige Ding der Dekoration. Es war in Joschka Fischers Garten, neben Smudos Rennwagensimulator oder lag hübsch drapiert auf Schawinskis coffee table ... Auch nach 30 Folgen weiss ich nicht, wie man die Spule richtig einlegt. Ich bin eben doch eher der ‹E-Type›.»
Nina Mavis Brunner, Moderatorin

Closomat

«Die Revolution begann 1957 in der Schweiz: Hans Maurer entwickelte das erste WC mit integrierter Dusche. Was ihn antrieb, war der Wille, einen aktiven Beitrag für die Gesundheit zu leisten. Was er schuf, war die erste Ikone des Wohlbefindens. Ich habe seit vielen Jahren die Chance, aus meinem stillen Örtchen eine Oase meiner ganz persönlichen Wellnessbewegung zu machen. Seit ich den Closomat kenne ist er ein Stück Lebensqualität, das ich nie mehr missen möchte. Eine nachhaltige Schweizer Erfindung, die ich nie spülen würde!»
(Zuschauervorschlag von Walter Wenk)

Die Schuhe der Äbtissin Hildegard

Sie war die Tochter von Ludwig dem Frommen und wurde 853 n. Chr. die erste Äbtissin der Fraumünsterabtei. Ihre Schuhe sind im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich ausgestellt.  Schuhe vom Feinsten: Das Leder ist mit einer Rosettenprägung verziert, die ursprünglich sogar vergoldet war. Schöne Schuhe für eine Frau in einer kirchlichen Machtposition. Allerdings gibt es auch Zweifel, ob Hildegard dieses Schuhwerk je getragen hat. Denn die Kombination des Materials und die Technik, mit der dieser Schuh hergestellt wurde, waren erst 300 Jahre später üblich. Wie auch immer: im Gegensatz zur einfachen Bevölkerung konnte sich Hildegard schicke Schuhe leisten. Kleider machten eben schon damals Leute.

Eutra

Der Mensch, der das Schweizer Melkfett Eutra erfand, war Apotheker: Emile Adolphe Panchaud, ein Studienkollege von Henry Néstle in Vevey. Zeitgleich gründeten sie Ende des 19. Jahrhunderts ihre Firmen. Néstle spezialisierte sich auf menschliche, Panchaud auf tierische Ernährung. Und dachte nebenbei auch an die Kuh und deren Euterpflege: Eutra, das Melkfett. Das ging so lange gut, bis die Melkmaschinen kamen und Eutra sich neu erfinden musste. Es wurde zum Mehrzweckmittel: Kabelgleitfett, Montagefett, Hautpflege und Sonnencreme. Eine Spezialität der Firma heute ist die Turbobräunung. Lichtschutzfaktor Null. Apotheker Panchaud darf das nie erfahren. Er würde sich im Grab umdrehen.

Caran d'Ache

Reagan und Gorbatschow haben mit einem Caran-d’Ache-Füllfederhalter das Ende des Kalten Krieges besiegelt. Und in den Schweizer Kinderzimmern krakeln die Kleinen mit dem Caran d’Ache Farbstiftreigen aus kalifornischem Zedernholz lustige Strichmännchen an die Wand. In Bismuthgelb, Coelinblau oder Mai-grün notabene. Vom Klassiker unter den Weihnachtsgeschenken für angehende Erstklässler bis hin zur Edelfeder für die Mächtigen dieser Welt. Der Genfer Schreibwarenfabrikatin Caran d’Ache schafft den Spagat. Karandasch heisst Bleistift auf Russisch. Und Caran d’Ache war das Pseudonym des Pariser Künstlers mit russischen Wurzeln Emmanuel Poiré. Arnold Schweitzer wiederum hat das Genfer Schreibwarenunternehmen 1924 übernommen und als grosser Bewunderer Poirés nach ihm benannt. Ja, die Welt ist kompliziert. Caran d’Ache hat sie etwas farbiger gemacht und einen kleinen Teil der Geschichte mit-geschrieben.

1.-August-Abzeichen

«Ich habe am 1. August Geburtstag. Mein Vater hat deshalb vor vielen Jahren angefangen für mich alle 1.-August-Abzeichen zu sammeln, die es gab. Mir fehlen nur noch wenige in meiner Sammlung. Aber ich bleibe am Ball!»
(Zuschauervorschlag von Katja Vogel)

Das Schweizerische Bundesfeier-Komitee rief auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen 1923 das 1.-August-Abzeichen ins Leben. Seit 1991 ist das Komitee eine Stiftung und heisst «Pro Patria». Dieses Jahr feiert die Brosche ihren 90. Geburtstag. Die Gestaltung ist stets auch Ausdruck des Zeitgeistes. So besteht das Abzeichen dieses Jahr aus einer Mini-Schweiz aus Aluminium. Ein Teil der Produktion wird in Behindertenwerkstätten gefertigt. Da sind die sechs Franken doch gut investiert.

Nespresso

«Nespresso» ist ein Kind der 70er Jahre, wer hätte das gedacht. Das ausgeklügelte Kapseln-Kaffee-System wurde bereits 1976 von Néstle patentiert. Zehn Jahre später wurde es in der Westschweiz eingeführt und war ein Flop: falsches Marketing. Heute werden weltweit 12‘300 Kapseln pro Minute eingeschnallt und ausgepresst. Das Prinzip ist einfach: der Kunde kriegt die Nespresso-Kaffemaschine als Schnäppchen angepriesen, muss dann aber für die farbigen Aluhütchen tiefer in die Taschen greifen. In der Marketing Sprache nennt sich das «Lock-in-Effekt». Kundenbindung? Eingesperrter Kunde? Je nach Perspektive.
Und auf Néstles Goldesel reitet lässig Cowboy Clooney in den Sonnenuntergang.

Tigerfinken

Jedes Kind kennt sie. Sie sind Kult, die Tigerfinken: Gefleckte Pantoffeln mit Chromledersohlen, Riemenbändchen und lustig wackelndem rotem Pompon. Sie lösen den unmittelbaren «Jöh-Effekt» aus. Vorausgesetzt, es trägt sie ein Kleinkind. Aber das muss nicht sein, denn die Firma «Tiger Swiss» produziert den kultigen Hausschuh auch in den Grössen 16 bis 47. Und er verkauft sich gut. Das Design ist cool und retro und dazu schwingt die nötige Portion Nostalgie mit. Darum gibt es obendrein auch Seidenschals, Hosenträger, Handtaschen und Schlüsselanhänger im einzigartigen Tigerfinken-Look. Wie Schuhmacher und Erfinder Edy Glogg Ende der 30er Jahre auf diesen Namen gekommen ist, bleibt ein Rätsel. Der Tigerpantoffelträger spaziert nämlich genau genommen im Pantherfell daher. Aber Tigerfinken bleibt Tigerfinken, daran gibt es nichts zu rütteln. 

Kandahar

So manches führt bei Schweizern zu kalten Füssen: Bankenkrise, Masseneinwanderung oder auch die xte AHV-Revision. Nur das Wetter oder verschneite Berggipfel kommen dafür nicht in Frage. Denn hierzulande wird Kandahar getragen. Die legendären Fell- und Lederschuhe halten so warm, dass, wer will, auf übrige Kleidung verzichten kann – ebenfalls eine Schweizer Spezialität: das Nacktwandern. Wem die Bergluft nicht behagt, muss deshalb nicht auf Fusskomfort verzichten. Die Aprèsski-Schuhe werden von hippen Mamis und Papis gern auch auf dem Spielplatz spazieren getragen.

Jasskarten - Herz oder Schellen?

Als Schweizer muss man Jassen können, so das gängige Klischee. Ein gewisses Mass an Patriotismus gilt als cool und so werden Jassturniere längst auch in Szene-Bars veranstaltet. Das Spiel ist in sämtlichen Altersgruppen beliebt.
Obwohl das Spiel ursprünglich aus dem Orient stammt, wird der Jass hierzulande als Nationalsport Nr.1 verstanden – Sepp Trütsch sei Dank. Wohlgestaltete Spielkarten versüssen lange Stunden und dunkle Winterabende, doch um die kleinen Tagediebe hat sich hierzulande schon manch ein heftiger Disput entfacht: deutsch oder französisch? Die Wahl ist eine Frage der Identität. Noch nie was von der Brünig – Napf – Reuss - Linie gehört? Entlang dieser Grenze entscheidet sich das Schicksal der Karten: im Westen nimmt man das französische, im Osten das deutsche Blatt zur Hand. Nur im Aargau, da konnte man sich bis jetzt nicht entscheiden.

Joggeli söll ga Birli schüttle

Joggeli söll ga Birli schüttle. Joggeli wott nid Birli schüttle, d‘ Birli wei nid falle…
Die Zählgeschichte ist von unbekannter Herkunft und kursierte bereits im 17ten Jahrhundert im Deutschsprachigen Raum. Sie existierte in den unterschiedlichsten Versionen und wurde für das Publikum hierzulande adaptiert. Die Schweizer Autorin Lisa Wenger erzählte die Geschichte in Mundart, die dazugehörigen Illustrationen lieferte sie gleich mit: Joggeli, in gewissem Sinne eine Art «Ur-punk», liegt lieber im Gras und beobachtet die Wolken am Himmel statt die Ernte einzufahren. Seine krude Arbeitsverweigerung wird allerdings jäh bestraft: die Geschichte endet bekanntlich in einem Fiasko. Das Buch, welches lange Zeit in kaum einem Kinderzimmer fehlen durfte, hat eine klare pädagogische Botschaft: Dem Befehle des Chefs muss Folge geleistet werden!

Reissverschluss

Wenn er nicht gerade klemmt, ist er ein superpraktisches Ding. Simpel und hoch effizient. Der Reissverschluss ist von der heutigen Alltagskleidung nicht mehr wegzudenken. Erfunden und weiterentwickelt wurde er von unterschiedlichsten Personen nah und fern, doch erst in der Schweiz trat der Reissverschluss seinen erfolgreichen Siegeszug gegen Schnüre, Hacken und Knöpfe an. Das Patent für den  europaweiten Vertrieb erwarb der St.Galler Martin Othmar Winterhalten im Jahr 1923. Er war es auch, der den Mechanismus verbesserte und die Firma RiRi gründete. Die vier Buchstaben stehen für «Rippen und Rillen» und die Firma produziert im tessinerischen Mendrisio noch immer Reissverschlüsse serienmässig. Das Prinzip wird sogar im Strassenverkehr angewendet: bei Spurverengungen sollten die Automobilisten einem Reissverschluss gleich, einer nach dem andern einfädeln. Dies erfordert allerdings ein gewisses Mass an Intelligenz,  Voraussicht und Disziplin. Doch nicht so simpel, der Reissverschluss. 

Drückerplatte Geberit

Meist glänzt sie silbern über den Toiletten. Man nennt sie auch Betätigungsplatte. Denn damit betätigt man jenen Mechanismus, der den Wasserfluss in die Toilette veranlasst, welcher wiederum unsere menschlichen Verdauungsreste wegspült. Dass die Schweiz sowohl im Design als auch in der Herstellung von Sanitäreinrichtungen, von Badezimmer- und Toiletteutensilien weltweit im Spitzenfeld rangiert, muss wohl eine tiefere Bedeutung haben. Einem besonderen Hang zu Sauberkeit, verbunden mit feinmechanischen Einrichtungen entsprechend. Warum sonst findet man Drückerplatten in so vielen WCs überall auf der Welt? 

Alpengedicht

Ein Gedicht ist kein Ding. Aber das Buch, in dem es veröffentlicht wird. «Versuch Schweizerischer Gedichte» nennt Albrecht von Haller sein Werk, in dem er 1732 sein Gedicht «Die Alpen» veröffentlicht. Ein spektakulärer Text in 49 Strophen –über die Alpen, die er 1728 mit zwei Freunden erforscht hatte. Haller, in Bern geboren und einer der führenden Intellektuellen seiner Zeit, nimmt der Bergwelt und der Natur alles Unheimliche, alles Bedrohliche. Stattdessen öffnet er den Blick für die kraftvolle Natur und das einfache Leben der Alpenbewohner. Damit fördert er die aufkommende Begeisterung für die Bergwelt, die schliesslich im alpinen Tourismus münden wird. Die Alpen werden zu einem Refugium der Freiheit: «Denn hier, wo die Natur allein Gesetze gibet, umschließt kein harter Zwang der Liebe holdes Reich.»(aus Albrecht von Haller: «Die Alpen»)

Hermes Baby

Es gab schon Laptops, noch bevor wir alle Computer besassen. Der schönste hiess Hermes Baby – ein Volksmodell von Schreibmaschine, das nur vier Kilo wog und in jede Tasche passte. Die «Hermes Baby» war ein Schweizer Produkt, und sie war von Anfang an ein Erfolg: leicht, flach und strapazierfähig. Feinmechanik aus der Uhrmachertradition, übersetzt für die Bedürfnisse der Textverarbeitung. Auch wer keine hatte, konnte die legendäre Hermes Baby kennenlernen, als Figur in der Literatur: gerade Schriftstellern wuchs der helvetische Exportschlager besonders ans Herz. Ernest Hemingway tippte auf ihr. Von Friederike Mayröcker heisst es, sie sei quasi mit ihr verheiratet. Und Max Frisch setzte ihr gleich in mehreren Romanen ein Denkmal.

Aromat

Hand aufs Herz: was ist wirklich drin in Ihrer Salatsauce? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Das goldene Pulver aus der gelb-grün-roten Streudose ist ein Schweizer Evergreen. Es steht in jedem Schweizer Chuchichäschtli, ganz zufällig versteckt hinter dem grünen Pfeffer und dem Himalayasalz. 96% der Schweizer und Schweizerinnen kennen es. Aber so richtig dazu stehen will kaum einer. Wer will sich schon als geschmacklicher Banause outen. Ein Alleskönner mit Geschmacksverstärker Natriumglutamat E 621 passt eben nicht mehr in die Zeiten des neuen kulinarischen Bewusstseins. Dabei war Aromat in den 50er Wohlstandsjahren ein nationaler Star. Ein jahrelang ertüfteltes Geheimrezept. Die farb- und fleischlose Streuwürze wurde mit landesweiter Werbeoffensive in aller Munde gebracht. Die Konkurrenz der Maggi Flüssigwürze schlug ein wie ein Blitz: Das Gewürz der Nation war geboren.

Der Nabel der Welt

Helvetica

Kaum einer Schrift wurde je die Ehre zu Teil, zum 50. Geburtstag im Museum of Modern Art in New York ausgestellt zu werden. Vielleicht hatte es damit zu tun, dass die Helvetica den New Yorkern einst auf der Subway-Map Orientierung bot. Denn in ihrer sachlichen Neutralität schien sie am besten geeignet, den Wirrwarr von U-Bahn-Linien und -Stationen zu ordnen. 1956 von Max Miedinger und Eduard Hoffmann für die Haas’sche Schriftgiesserei in Münchenstein bei Basel entwickelt, wurde sie zu einer der gefragtesten Schriftarten der Welt. Typisch schweizerisch übrigens - kühl, sachlich, neutral – wurde sie zu einem Pfeiler des Swiss Style in der Gebrauchsgrafik. Böse Kritiker meinten, sie sei eine charakterlose Schrift. Aber vielleicht ist gerade das bescheiden im Hintergrund Wirkende der Grund für ihren enormen Erfolg.

Freitagtasche

Zwei Brüder aus Zürich erfanden sie: die praktische Velo-Tasche aus Lastwagenblachen. Sie ist wasserabweisend, handlich, bequem. Nach ihren Erfindern benannt, hat die Freitag-Tasche inzwischen die Welt erobert. Auch in Form von Portemonnaies, Handtaschen oder Handy-Etuis. Zu erwerben in erlesenen Läden an ausgewählten Orten dieser Welt.
Sogar ins Museum hat es die Tasche bereits mehrere Male geschafft. Im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) wird sie sogar dauerhaft ausgestellt. Ein Kultobjekt, produziert in der Schweiz. Beinahe schon uncool, so «in» sind die Freitag-Produkte. Der grösste Detailhandel der Schweiz wollte ebenfalls etwas vom Kuchen abhaben und lancierte eine Kopie unter dem Label «Donnerstag-Tasche». Die Freitag-Brüder wehrten sich erfolgreich. Und profitierten im doppelten Sinne: Denn bekanntlich macht erst die Kopie das Original.

Birchermüsli

Was im Diminutiv existiert müsst es auch als Grosses geben. Das Mus gibt es sehr wohl – das Birchermus allerdings nicht. Denn das Müesli ist was anderes, vor allem das von Herrn Bircher. Der Zürcher Arzt Maximilian eröffnete 1904 das Sanatorium „Zur lebendigen Kraft“ am Zürichberg. Dort servierte er den gutbetuchten Kranken zum ersten Mal seine Kreation. Er nannte sie «Apfeldiätspeise», oder einfach «Spys». Die Mahlzeit aus Haferflocken, Äpfeln, Nüssen, Zitronensaft und gezuckerter Kondensmilch wurde zum Abendessen gereicht. Leicht bekömmlich und gesund. Ganz alleine ist Bircher nicht auf diese revolutionäre Idee gekommen. Bei einer Bergwanderung hat ihn eine Sennerin mit dieser Rohkostmahlzeit bewirtet. Alphirten hatten sich schon mehr als hundert Jahre so ernährt.
So ist Birchers Müsli der vielleicht wichtigste Beitrag der Schweiz zu einer postmodernen Lebensweise. Zumindest ist das «Müesli» dank Bircher weltweit und über alle Sprachschranken hinaus zu einem Begriff geworden.

Der rote Mantel von Emilie Lieberherr

Emilie Lieberherr (1924 – 2011) war eine der Vorkämpferinnen für das Frauenstimmrecht in der Schweiz. Und leuchtend rot, eindringlich, war die Farbe ihres Mantels, den sie am 1. März 1969 während des Marschs für das Frauenstimmrecht  nach Bern trug. Genauso eindringlich waren ihre Worte, die sie auf dem Bundesplatz den Schweizer Männern entgegen schmetterte: «Nicht als Bittende stehen wir hier, sondern als Fordernde.»  Ein Jahr später durften Frauen in Zürich erstmals wählen. Und Emilie Lieberherr zog in den Stadtrat ein, wurde Vorsteherin des Sozialamtes der Stadt Zürich, später Ständerätin. Der Mantel wurde berühmt, als Symbol für Emilie Lieberherrs Kampf für die Gleichstellung von Mann und Frau.

Davoser Schlitten

Der Davoser Schlitten ist genau genommen ein Norweger, der von Schweizer Schreinern «nur» etwas weiterentwickelt wurde. Dennoch ist der Klassiker aus Eschenholz ein Stück Heimat, ein Garant für schöne Kindheitserinnerungen. Anders als Rollschuhe oder alte Skier lässt er sich noch Jahrzehnte später würdig zum Schlitteln einsetzen. Sein Name gab ihm wohl das erste historisch belegte Schlittenrennen, 1883 in Davos, bei dem dieser Schlittentyp zum Einsatz kam. Entscheidend ist seine Bauweise, bei dem das Holz unter Dampf gebogen werden muss. Eine Technik, die so ähnlich schon die alten Griechen kannten. Es gibt auch nachgemachte, ausländische «Davoser Schlitten». Sie werden zwar aus weniger wertvollem, weicherem Buchenholz gebaut, dürfen sich aber trotzdem so nennen, denn der Name ist nicht geschützt. Dennoch der «echte» Davoser ist nicht wirklich in Gefahr. Noch immer wird er in einigen Schlittenschreinereien hierzulande gebaut und an qualitätsbewusste Nostalgiker verkauft.

Der Kaba-8 Schlüssel

Ein KABA-8- Schlüssel ist der Innbegriff perfektionierter Schweizer Sicherheit. Zusammen mit dem dazugehörigen Zylinderschloss aus Messing bildet er ein schwer zu knackendes Team. 1934 von einem Tüftler namens Fritz Schori erfunden, machte er eine lokal ausgerichtete Schlosserei namens «Bauer Kaba» zum global agierenden Sicherheitskonzern. Heute öffnet sich jeder zweite Schweizer Haushalt mit den berühmten Wendeschlössern. Und komplexeste Zutritts-Systeme in aller Welt vertrauen auf das Prinzip aus Wetzikon. Schon 1934 beim Kaba 8-Schlüssel gab es «acht» Vertiefungen pro Schlüssel-Seite. Das ergab 130.000 mögliche Kombinationen. Seine Nachfolgermodelle heute kennen Milliarden von Möglichkeiten. Und noch was: Beim Einführen ins Schloss spielt es keine Rolle, was oben oder unten ist – ein Vorteil, den wir im Dunkeln zu schätzen wissen.

SKA Kappe

Dieser ganz spezielle Kopfschmuck wurde einst als Kundengeschenk an Kontoinhaber der Bank verteilt. Dies muss in den 80er Jahren der Fall gewesen sein, als die SKA noch Tochter der CS Holding AG war. Denn auf der Mütze sind beide Logos abgebildet. Dass die SKA später zur Credit Suisse wurde, ist Vertretern der «Generation Y» wohl nicht bekannt. Dafür sind sie schlichtweg zu jung.
Anfangs war die Kappe cool. Dann lange Zeit verpönt. Wehe, man hat sich mit so einem Fummel auf dem Kopf sehen lassen. Ist ja auch nicht jedermanns Sache. Die blau-rot-weisse Pracht besteht aus grobgewobenem synthetischem Material. Vorne thront stolz das einstige Firmenlogo. Durch die Naht und wohl bedingt durch die Einheitsgrösse, liegt sie etwas seltsam auf. Erinnert ein bisschen an einen Schlumpf-Hut. Seit ein paar Jahren ist sie wieder kultig. Wahrscheinlich aufgrund zweier Tatsachen: erhöhter Retro-Faktor und Seltenheitswert.

Robidog

Ob am Wegesrand, im Walde oder inmitten der Fussgängerzone: Die Hundekot-Entsorgungs-Station ist des Schweizers Lieblingsding für Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum. Erfunden wurde der grüne Sammelbehälter vom Schweizer Joseph Rosenast im Jahr 1982. Das System ist einfach und hilft den Herrchen der Vierbeiner, die Strassen sauber zu halten, wie vom Gesetz verordnet. 1987 gewann der Robidog sogar eine Medaille an der Genfer Erfindermesse. Zehntausende der Behälter wurden in der Schweiz und im nahen Ausland verkauft – zur Freude aller Nicht-Hündeler.

Automobile Monteverdi

Für die Herstellung schneller und eleganter Autos ist die Schweiz heute nicht bekannt, zu gross ist die Konkurrenz durch unsere Nachbarn nördlich und südlich der Alpen. Doch dies war nicht immer so: In den 60er Jahren engagierte sich der Basler Auto-Rennfahrer Peter Monteverdi für die Boliden und machte seine Leidenschaft zum Geschäft. Zwischen 1967 und 1984 produzierte Monteverdi acht verschiedene Fahrzeugtypen, Klassiker sowie Sonderanfertigungen, darunter der Sportwagen Monteverdi Highspeed 375. Heute kann man die motorisierten Schmuckstücke im Monteverdi-Museum in Binningen bei Basel bewundern.

Das Landi-Bild von Hans Erni

Eigentlich gebührt ihm ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde: Hans Ernis Landibild ist die wohl monumentalste Darstellung der Moderne als Paradies. Oder als Insel der Glückseligen. Auf 136 Tafeln fügt sich alles – Brauchtum, Wissenschaft, Arbeit, Kultur, Alltag und Wohlstand, Sport und sogar Verkehr – zu nahtlosen 420 Quadratmeter Gemeinwohl. Kein Wunder, denn das gigantische Panoramabild von knapp 90 x 5 Meter Fläche diente an der Landesausstellung 1939 ganz gezielt der Tourismuswerbung. Der Maler selber nannte es «Die Schweiz, das Ferienland der Völker».
Nach 15jähriger Restaurationsarbeit lagern die Sperrholzpanels heute im klimatisierten Sammlungszentrum des Nationalmuseums und harren einer passenden Gelegenheit zu erneuter öffentlicher Prachtentfaltung.

Tell Apfel

Der mit einem Pfeil durchbohrte Apfel ist ein vielfach rezipiertes Symbol des schweizerischen Heldenmythos. Der Apfelschuss steht für die Furchtlosigkeit des wackeren und widerständigen Eidgenossen. In der Legende des Luzerners Petermann Etterlin von 1705 weigert sich der bekannte Armbrustschütze Wilhelm Tell, einen Hut auf der Stange zu grüssen, wie es der Landvogt Gessler von seinen Untertanen verlangt. Als Strafe dafür muss er einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter schiessen. Tell tut widerstrebend, wie ihm geheissen; selbstverständlich trifft er den Apfel. Die Legende vom Apfelschuss soll schon früher in einer dänischen Sage vorgekommen sein, doch das kann uns egal sein. Wir haben schliesslich auch die besten Äpfel: in Mostindien.

Schwingerhose

Was wären Wenger Kilian und Abderhalden Jörg ohne Hosen aus Jute? Auf jeden Fall keine Schwingerkönige. Ohne urchige Shorts kein Hosenlupf, keine Wange an Wange ringenden Kerle, kein Muni als Siegerpreis, kein Ruhm. Schwingen ist Schweizer Nationalsport. Der einstige Hirtensport ist Kult und Kultur. Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld lassen sich jeweils Hunderttausende vom Zweikampf im Sägemehl begeistern; es ist der grösste Sportanlass unseres Landes. Und die Hose über der Hose, die sich jeglichem Modetrend standhaft widersetzt, gehört dazu, wie das Amen in der Kirche. So sei es.

Swatch

Wer kennt sie nicht, die kunterbunten Plastikuhren von Swatch. Der Name kommt von «second-watch». Die Uhr ist hierzulande beliebt bei jung und alt. Gegründet wurde die Firma vom gebürtigen Libanesen Nicolas Hayek im Jahr 1983. Dieser rettete mit den günstig produzierten Zeitmessern die Schweizer Uhrenindustrie vor der asiatischen Konkurrenz. Besonders beliebt waren einst die Wanduhren in Übergrösse, welche manch ein Kinderzimmer schmückten. Doch die Dinger sind nicht nur für die Kleinen geeignet: Heute verkauft Swatch nebst Billiguhren auch exklusive Sondereditionen.
Swatch, der Name steht für die Schweiz als Uhrenland und das Klischee der Pünktlichkeit.

Der Gebührensack

Der obligatorische Gebührensack - Ende der 80er Jahre eingeführt - ist das Plastik gewordene Verursacherprinzip. Mit dem Kauf des speziell gekennzeichneten Gebindes entrichtet der Müllverursacher seinen Obulus an die Kosten der Entsorgung. Die teure Tüte hat zudem pädagogische Qualitäten, denn sie erzieht den Menschen zur gezielten Müllvermeidung beim Einkauf und zu konsequentem Ausscheiden der wiederverwertbaren Materialien im Abfall. Ein geniales System: es stellt die urschweizerischen Tugenden wie Sparsamkeit, Disziplin und Ordnungsliebe in den Dienst der Umwelt und sorgt gleichzeitig bei ausländischen Besuchern für ehrfürchtiges Staunen, was das Image der Schweiz als Musterknabe der Völkergemeinschaft weiter stärkt. Und das alles für läppische 20 Stutz pro 10er-Rolle – effizienter geht's nicht.

Ovomaltine

Wer in der Schweiz der 80er-Jahre aufgewachsen ist, kennt den Werbespruch: «Häsch Dini Ovi hüt scho gha?». Viele süsse Kindheitserinnerungen kleben an der Ovomaltine, dem Instant-Pulver zur Herstellung eines Malzgetränks. Entwickelt hat die «Zauberformel» Dr. Albert Wander, etwa um 1904 in Bern. Wander wollte so etwas wie einen Ernährungszusatz für «geistig und körperlich Erschöpfte» kreieren. Und so enthält die «Ovi», wie das Pulver liebevoll genannt wird, Malzextrakt, Milch, Eier, Kakao, Vitamine und Mineralstoffe. Das ergibt eine leckere Energiebombe von 365 kcal (Kalorien) pro 100 Gramm. Das Pulver wird ausserhalb der Schweiz noch in über 100 anderen Ländern vertrieben. Aber nur das Original enthält keinen Kristallzucker. Wir Schweizer mögen es eben «gesund».

Roter Pfeil

Die Schweiz ist nicht nur wegen ihres Schienennetzes ein Eisenbahnland. Moderne Lokomotiven und innovative Eisenbachtechnik sind im Land der Pendler unabdingbar. Neben dem «Grünen Krokodil» oder der alpinen Gotthard-Lok ist vor allem der «Rote Pfeil» ein Klassiker helvetischer Lokomotivbaukunst. Anfang der 1930er Jahre als Triebwagen für Linien mit niedrigem Verkehrsaufkommen geplant, bot der schnelle «Rote Pfeil» viele Überraschungen – er war stromlinienförmig und nicht eckig wie die anderen Loks seiner Zeit, bot neuartige Türen, Sicht auf den Führerstand und die Strecke - und erreichte 125 km/h. Bis heute unerreicht sind die Sitze: man konnte sie wechseln, je nach Fahrtrichtung, sodass niemand je rückwärtsfahren musste, sondern immer nach vorne schaute.

Bernina

Sie war für die Schweizer Hausfrau ab den 1950er Jahren unentbehrlich:  die Bernina-Nähmaschine.  1893 erfand Friedrich Gegauf im thurgauischen Steckborn die erste Hohlsaumnähmaschine der Welt – sie schaffte 100 Stiche pro Minute.  Und sie war so populär, dass die mechanische Herstellung von Hohlsäumen «gegaufen» genannt wurde. Erst 1932 aber kam die erste Haushaltsnähmaschine namens «Bernina» – so benannt nach dem Bernina-Bergmassiv -  auf den Markt.  1945 folgte die erste portable Zickzack-Nähmaschine.  Bis  Mitte der 60er-Jahre wurde davon in Steckborn eine Million produziert – kein Wunder erinnern sich die meisten älteren Schweizerinnen und Schweizer an eine Bernina in der guten Stube. Heute noch gilt: Bernina ist der Inbegriff von Schweizer Qualität – auch wenn die Produktion teilweise nach Thailand ausgelagert wurde und aus den gusseisernen Urmodellen Nähcomputer geworden sind.

Ricola

Robbie Williams, Placido Domingo, Justin Timberlake und Madonna. Alle schwören sie auf die wundersame Heilkraft der Ricola Kräuterzucker-Bonbons, das aus 13 Kräutern, die heute noch nach strengen Vorgaben in den Schweizer Bergen angebaut werden hergestellt wird. Die «Zältli» versprechen selbst das kleinste Kratzen im Hals verschwinden zu lassen. Ein Exportschlager, produziert von einem Familienunternehmen in Laufen bei Basel, das 1930 vom Bäckermeister Emil Richterich gegründet wurde. Doch nicht nur Süssigkeiten haben es der Familie Richterich angetan, auch Kunst und Architektur. Neben einer Kunstsammlung sind vor allem die Gebäude imposant, entworfen von den Basler Architekten Herzog & De Meuron. Zum Markenzeichen von Ricola gehört auch der Jodler Ri-Co-La, der die Abkürzung Richterich & Co., Laufen in die Welt posaunt.

Geranium

Das Geranium, korrekter auch Pelargonie genannt, schmückt so manch trautes Schweizer Heim. Besonders in der Mitte, im Herzen der Schweiz ist das liebliche Blüemli anzutreffen, wo es Balkone, Fenstersimse und Gartenmäuerchen in eine rote Pracht verwandelt.
Obwohl gerne als Symbol für Urschweizerisches annektiert, muss hier einmal gesagt werden, dass das Pflänzchen ursprünglich aus Äthiopien kommt - eine Immigrantin aus Afrika sozusagen.
Erst nachdem es an Landesausstellung von 1939 das «Schweizer Dorf» schmückte, wurde es zum Muss für jeden heimischen Balkon.

Alphorn

Aufgepasst: das Alphorn ist ein Blechblasinstrument, obwohl es nur aus Holz gebaut wird. Das scheint absurd, denn auch der Klang hat eher etwas Holziges und nichts Metallenes. Aber die Blastechnik macht den Unterschied. Denn das Alphorn hat weder Klappen, Ventile oder Züge, allein die Art und Weise, wie man bläst, macht die Musik. Dass Hirten es als Signalhorn verwendet haben, ist Quatsch, denn die Echos in den Bergen hätten eine Ortung des Signals unmöglich gemacht. Zur Herstellung verwendet man meist Fichtenstämme, die am Hang gewachsen und deshalb leicht krumm sind – das ergibt die unten geschwungene Form. Der Stamm wird geschält, halbiert, ausgehöhlt – in vielen Stunden Arbeit. Das macht die Herstellung teuer – ein einfaches, auf Ges gestimmtes Instrument, kostet leicht 2‘500 Franken oder mehr. Die Variationen des Klangs in Worte zu fassen – das lassen wir hier. Ein Alphorn – das muss man hören.

Swiss – Käsebrett

Die wechselvolle Geschichte der Schweizer Airline Swiss wurde um Weihnachten 2011 um ein Kapitel reicher – und im Mittelpunkt dieser Geschichte stand ein Ding. Ein Käse-Brett. Und ein Käse-Messer, mit dem man Parmesan schneidet. Dieses Käseding erreichte Berühmtheit, weil es für einen Skandal unter Swiss-Mitarbeitern sorgte. Denn statt wie jede Weihnacht ein Geschenk plus eine Gratifikation in bar zu erhalten (2010 waren das chf 2‘000.--), flog das Swiss-Management 2011 den Brutalo-Sparkurs. Es verschenkte im Jahr des Rekordgewinns von 300 Millionen Franken nur ein Käsbrett mit Messer und KEINE Gratifikation in bar. Schweizer Sparsamkeit? Oder eine Vorahnung auf schlechte Zeiten? Egal wie - das Käsebrett hatte zwar die Form des Swiss-Logos, aber das konnte Piloten, Bord- und Bodenpersonal nicht trösten. Viele schickten es  erbost an die Geschäftsleitung zurück. Was die nun mit so viel Käsbrettern machen?

Fertigsuppe

Ob mit Pilzen, Fleischbällchen oder Frühlingsgemüse: die Fertigsuppe gibt es heute in allerlei Variationen. Die Instantsuppen, im Volksmund auch Täschli- oder Päcklisuppe genannt, wurden von Maggi 1886 auf den Markt gebracht. Ziel war ursprünglich die bessere Versorgung von Arbeiterfamilien  mit Nährstoffen. Zeitsparend und einfach in der Zubereitung eignet sich der Beutel noch heute als Notration. Die Schweizer, ein Volk von Wanderern und Campern, schätzen die Fertigsuppe als ideale Wegzehrung. Ein wärmendes Feuer - fertig ist die stärkende Mahlzeit.
In der Nähe von Kemptthal, wo einst Julius Maggi mit seiner Fabrik ein Zentrum der schweizerischen Lebensmittelproduktion  begründete, kann ein feines Näschen auch heute noch gelegentlich den Geruch von Würze vernehmen.

Untertitel im Kino

Untertitel im Kino sind das klassische Beispiel für etwas, das man erst schätzen lernt, wenn man es nicht mehr hat. Denn als Teenager oder Zugewanderter mit beschränkten Englischkenntnissen und einer Deutsch - Lesekompetenz, die nicht über hohes Tempo verfügt, verfluchst Du die Schrift, die im Kino das Bild säumt. Die Dich so stark absorbiert, dass Du Dich weder ganz auf sie noch ganz auf den Film konzentrieren kannst. Ausserdem muss das Auge so konditioniert sein, dass es immer nur die obere Zeile liest, denn die untere ist für die französisch sprechenden Companions. Doch dann geht man für ein paar Jahre ins Ausland. Gar nicht weit weg, nur in die Weltstadt München. Und dort stellt man fest, dass es für 1.5 Millionen potentielle Kinozuschauer, gerade mal zwei Kinos gibt, die Filme mit Untertitel zeigen. Zwei! Spätestens dann, sehnt man sich an diesen kleinen feinen Unterschied zurück, der das Kinoerlebnis hierzulande bereichert: Filme in Originalsprache - mit Untertiteln!

Schneekanone

Seit einigen Jahrzehnten werden in Wintersportregionen zunehmend Schneekanonen zur künstlichen Pistenbeschneiung eingesetzt, um den Schneemangel auszugleichen, den der Klimawandel mit sich bringt. Die triebwerkähnlichen Propellerdüsen verbrauchen dabei grosse Mengen Wasser und Strom. In der umweltbewussten Schweiz stossen diese auffälligen Kunstschneegebläse deshalb auf heftige Kritik und Widerstand, lösen regelmässig leidenschaftliche pro und contra Debatten aus. In den benachbarten Wintersportnationen Österreich, Italien und Frankreich kommen weit mehr Schneekanonen zum Einsatz, bei 50% aller Pisten, während es in der Schweiz nur 20% sind. Trotzdem wird nirgendwo sonst sosehr um Schneekanonen gestritten. Im Widerstreit zwischen Tourismus- und Umweltanliegen sind sie zum sinnbildlichen Zankapfel geworden – und wir lieben halt unsere Zankäpfel, schon seit Wilhelm Tells Zeiten.

Raclette-Ofen

Nach alter Tradition wird ein halber Laib Käse so nah ans Feuer gelegt, dass die Oberfläche zu schmelzen beginnt. Der Geruch, der Geschmack von Feuer und Rauch veredeln den Käse, der, wenn er zu schmelzen beginnt, abgeschabt und mit diversen Zutaten gegessen wird. Das dauert – und Zeit ist der wesentlichste Faktor beim Raclette-Essen.  Früher sass man ums Lagerfeuer, heute hat man ein modernes Öfchen mit kleinen Schaufeln, die man mit Käse belädt, während man sich unterhält und geniesst. Raclette ist in Zeiten von Fastfood das Gegenkonzept zum schnellen Verschlingen – Käseschmelze wird zur Zeiteinheit.

Dame von Auvernier (Original im Naturhistorischen Museum Basel)

Die Dame von Auvernier

Sie ist die grosse Unbekannte der Schweizer Geschichte. Eine geheimnisvolle Frau, von der niemand weiss, ob sie je so ausgesehen hat. Im Naturhistorischen Museum Basel oder im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich kann man sie betrachten. Sie hat etwas Sprödes, ist eine Schönheit - auf den zweiten Blick. Und vor allem – kein Abbild, eher ein Wunschbild. Denn im 19. Jahrhundert hatten Forscher versucht, aus dem Fund eines prähistorischen Schädels in Auvernier das Antlitz der Ur-Schweizerin zu formen, des weiblichen Homo alpinus helveticus. Aus dieser Rekonstruktion entstand die entzückende Dame, die entfernt an Heidi erinnert, aber auch an Ursula Andress. Auf jeden Fall beweist das Bildnis, dass Schweizer Forscher immer schon der Frage nachhirnten, wie sieht er aus, der Schweizer Mensch? Was ist sie denn, die Schweizer Identität?

Schoggitaler

In der Schweiz werden Kinder sehr früh mit den praktischen Seiten des Direkt- und Strassenverkaufs vertraut gemacht: jedes Jahr anfangs September übertrumpfen sich 50'000 Schulkinder gegenseitig mit dem Verkauf von Schoggitalern, denn sie sind mit immerhin 10% direkt am Umsatz beteiligt. Seit 1946 setzen sich der Schweizer Heimatschutz und Pro Natura mit der Taleraktion gemeinsam für die Erhaltung des schweizerischen Kultur- und Naturerbes ein. Erfunden wurde die Kampagne ursprünglich, um die oberengadiner Seenlandschaft vor einem gewaltigen Staudammprojekt zu retten. 25 Tonnen der damals noch rationierten Schokolade wurden für die Aktion freigegeben. Kein Wunder übertrafen die Einnahmen alle Erwartungen, denn der Schoggitaler war für viele damals der einzige Weg, um überhaupt an die begehrte Schokolade heran zu kommen. Seit diesem denkwürdigen Ereignis sorgt die glückliche Verbindung von freiwilliger Kinderarbeit, süsser Schokolade und patriotischem Bekenntnis regelmässig für schöne Sammlungsergebnisse zugunsten diverser Projekte des Schweizer Heimat- und Naturschutzes.

Landsgemeinde-Degen

Wer bei einer Landsgemeinde im Appenzell mit abstimmen wollte, musste einen Degen tragen. Die Waffe, auch Seitengewehr genannt, war die traditionelle Eintrittskarte für Männer in den Ring der Abstimmungsberechtigten. Nur wer ein Mann war - und eine Waffe trug, durfte an dieser ältesten und einfachsten Form direkter Demokratie teilnehmen. Doch warum die Waffe? War sie Statussymbol? Sicher, denn die Degen weisen Verzierungen auf und wurden über Generationen weiter vererbt. Möglicherweise dachte man auch, dass nur ein bewaffneter Mann ein richtiger Mann sei. Oder dass man Demokratie verteidigen müsse, notfalls mit Waffengewalt, dass man bei Auseinandersetzungen seinem Wort mit einem Degen mehr Gewicht verleihen könne. Wie auch immer – seit der Einführung des Frauenstimmrechts kann man auch mit einer Abstimmungskarte teilnehmen. Frauen mit Karte – Männer mit Degen. So ändern sich die Zeiten.

Sigg-Flasche

Trinkflaschen gibt es viele, überall. Und gerade deshalb ist es erstaunlich, wie es die kleine Schweiz immer wieder schafft, mit einem speziellen Alltagsprodukt die Welt zu erobern. Wer hätte gedacht, dass eine Aluminiumflasche zu so einem Kultobjekt avanciert, dass sie im Museum of Modern Art in New York ausgestellt wird? Die Sigg-Flasche ist also ein Gipfelstürmer. Ursprünglich vorwiegend für Bergsteiger und Wanderer entwickelt beglückt sie heute Freizeitaktivisten auf der ganzen Welt. Die Firma Sigg wurde 1908 in Biel gegründet und produzierte vor allem Haushaltswaren aus Aluminium. Ende der 50erJahre umfasste das Sortiment bereits über 10.000 Artikel. Doch erst in den 80er Jahren, fand man zur wahren Berufung: einfarbig lackierte Trinkflaschen. Mittlerweile wird die «Original Swiss Bottle» zu 90% exportiert. Eine limitierte Edition wurde von der Künstlerin Vivienne Westwood entworfen.

Schwarze Madonna

Sie ist die Königin des religiösen Kitsches, besitzt 27 Prachtgewänder und wird verehrt wie keine zweite Madonnenstatue in der Schweiz. Dabei ist sie eine Ausländerin, eine Dütsche sogar, denn sie wurde Mitte des 15. Jahrhunderts im Allgäu geschnitzt. Royal bestückt mit Krone und Zepter verblüfft ihr schwarzes Gesicht. Ursprünglich war es weiss oder hautfarben, aber der Russ von vielen tausend Kerzen und Öllampen haben ihr Angesicht verdunkelt, nicht die Sorgen vieler Wallfahrer. Als 1798 französische Truppen Einsiedeln besetzten, wurde sie zum Flüchtling, musste ins Exil, nach Österreich. Doch nach vier Jahren kehrte sie zurück und steht seither wieder in der Gnadenkapelle, als eine der grossen Attraktionen Einsiedelns.

Absinth

Wohl kaum ein Getränk hat so viele künstlerische Ergüsse erzeugt wie der Wermutbrand aus dem Val Travers. Im 19. Jahrhunderts schaffte es die stilvollste aller Bitterspirituosen als  «grüne Fee»  ganz nach oben auf der Beliebtheitsskala der europäischen Bohème. Ihr psychoaktives Wesen (kürzlich widerlegt)  begeisterte Künstler wie Baudelaire, Van Gogh, Degas, Gauguin, Toulouse-Lautrec oder Oscar Wilde  – und spaltete die Gemüter. Moralisten schrieben dem Kräuterbrand die denkbar schädlichsten Eigenschaften zu – bis zum Erblinden des Konsumenten. Das Schweizer Stimmvolk stimmte für ein Absinth-Verbot. So war zwischen 1910 und 2005 nur das Schwarzbrennen möglich, was den Mythos des Getränks nur noch befeuerte. Seit sieben Jahren darf man hierzulande wieder das Ritual des Absinth-Trinkens zelebrieren – und anders als auf französische oder tschechische Art nimmt man ihn hier puristisch – ohne Zucker.

Panzersperre

In den 30er und 40er Jahren, vor und während des 2. Weltkriegs, errichtete die Armee in der ganzen Schweiz zahlreiche Sperren, Hindernisse und Fallen für gepanzerte Fahrzeuge, um deutschen Truppen und ihren Verbündeten die befürchtete Invasion möglichst schwer zu machen. Viele dieser Panzersperren sind bis heute erhalten geblieben. Die meisten bestehen aus langen Reihen von spitzigen Betonblöcken, was ihnen im Volksmund den Namen «Toblerone» eingetragen hat. Mit dem «Tobleronenweg» im Kanton Waadt verfügt die Schweiz wohl als einziges Land über einen offiziellen Wanderweg entlang von Panzersperre-Bauten.

Schweizerkasten

Weil man in der Schweiz nahe an und mit der Natur lebt, ist die Schweiz ein Bienenland. Kaum sonstwo gibt es so viele Bienenvölker  wie hierzulande. Nun sollen in der Schweiz auch die Honigbienen in einem ordentlichen Haus leben, dem Bienenhaus. Während anderswo das älteste Nutztier der Welt in sogenannten Magazin-Kästen irgendwo draussen rumsteht, möchte der Schweizer Imker seine Völker jeweils in einem «Schweizerkasten» wissen. So kann er sie seelenruhig im Bienenhaus durchs Fenster beobachten, ohne jedesmal ins summende Geschwirr einzugreifen. Und das wichtigste: durch den Schweizerkasten kann er sozusagen perdu mit der Königin sein – wenn es schon eine Königin geben muss im Land der flachen Hierarchien.

Edelweiss

Das Edelweiss ist das Symbol der Schweiz. Edel und weiss findet sich die alpine Pflanze als Ding auf unzähligen Souvenirs, auf Gürteln und Hemden wieder. Es stiftet so manchem Hotel Identität; eine Schweizer Fluggesellschaft, sowie viele Musikgruppen tragen seinen Namen; Schweiz Tourismus präsentiert das Edelweiss in seinem Logo. die Liste ist endlos. Bloss: auch die Österreicher und die Deutschen beanspruchen die filzig Schönheit für sich. Der Name ‚Edelweiss’ stammt aus Österreich. Könige und Kaiser liebten die weisse Pracht. Doch auch Hitler war  in das Edelweiss vernarrt. Es gab sogar einen Edelweiss-Marsch. Um dem Nationalitäten-Verwirrspiel die Krone aufzusetzen: die Pflanze stammt ursprünglich aus Asien. Nichts desto trotz: das Edelweiss ist auch helvetisch. Oder lesen Sie kein ‚Asterix’?

Die Rigi-Chronik

Ein Stück Schweizer Tourismusgeschichte – das bietet die Familienchronik, in der Elli Renggli und ihre Schwester Erinnerungen über die Rigi aus 130 Jahren gesammelt haben. Darunter findet man Fotos, alte Prospekte und Briefe. Sie erzählen vor allem von ihrer kämpferischen Grossmutter Rosa Dahinden, die sich als geschäftstüchtige Hoteliersgattin in Rigi-Kaltbad vehement für den Tourismus eingesetzt hat. Sie überlistete die Rigi-Bahnen, auch im Winter zu fahren, damit die Gäste auch bei Schnee und Eis Abenteuer und Erholung auf dem Berg suchen konnten. Das Album erzählt auch, wie Rosa Dahinden bereits in den 50er Jahren für das Frauen-Stimmrecht kämpfte. Es ist ein Schatz voller Geschichten, den der Ur-Enkel der eifrigen Rosa Dahinden nun seinem Hotel «Bergsonne» in Kaltbad hütet. Und den Gästen auf Wunsch manchmal präsentiert.

Sackmesser

Das Schweizer Sackmesser, immer zur Hand, als Schneidmesser, Dosenöffner, Korkenzieher und Schraubenzieher, oder seit wenigen Jahren auch als Höhenmesser und elektronische Datenspeicher. Ein sehr wertvolles Ding in vielen Momenten.
(Zuschauervorschlag von Tobias Krattinger)

Mein Mann (waschechter Liechtensteiner) trägt seit ich (Schweizerin) ihn kenne ein Schweizer Sackmesser bei sich und ist der Meinung, dass dieses "Ding" ganz sicher zu den 100 Schweizer Dingen gehört, und dem kann ich nur zustimmen! Meins hängt an meinem Schlüsselbund, und ich war vorgestern mal wieder heilfroh, dass ich unterwegs meiner Tochter (9 Mt) einen Apfelschnitz schneiden konnte! Victorinox sei Dank!
(Zuschauervorschlag von Manfred und Gabriela Frick)

Mit einem Schweizer Messer braucht man kein anderes Werkzeug. Von Messern mit wenigen Funktionen bis zu weit über 50 kann man dieses in allen Variationen erwerben. Wie oft schon war ich froh, dass ich ein Schweizer Messer bei mir hatte. Schnitzen, schneiden, schrauben, Dosen öffnen - beim Wandern einfach ein Muss.
(Zuschauervorschlag von Peter Lauper)

Daten-CD

Die silberne Scheibe war bisher eigentlich über jeden Verdacht erhaben – als neutrales Datenspeichermedium oder als Musik-CD mit leisen Tönen und heissen Rhythmen. Doch nun werden CDs vermehrt mit hochbrisantem Inhalt versehen ins Ausland verkauft, vor allem an dütsche Finanzbehörden, die damit Steuersünder und Schwarzgeldschmuggler aufspüren. Was in der Schweiz zu Empörung, ja zu grossem Protest führt. Obwohl die Daten im Ausland ja offensichtlich zur Aufklärung von verbrecherischem Steuerbetrug verwendet werden, wovon die Banken hierzulande allerdings profitieren. So wird die glänzende Oberfläche der CD nun zum Spiegel, und wer hineinschaut, muss sich fragen: Womit verdient die Schweiz ihr Geld?

Monduhr

Der Mann auf dem Mond trug eine Schweizer Uhr. Ja was denn sonst? Als Buzz Aldrin 1969 die staubige Mondoberfläche betrat, da wollte er genau wissen, welche Stunde geschlagen hat, und sein Blick fiel auf die Omega Speedmaster an seinem Handgelenk. Sie war schon 1965 getestet worden - wie keine zweite Uhr der Geschichte: stundenlang bei Temperaturen von über 90 Grad Celsius, danach Abkühlung auf minus 18 Grad. Rütteltests, Schläge, Über-  und Unterdruck, sogar zwei Tage in reinem Sauerstoff. All das war für das Schweizer Qualitätsprodukt kein Problem: Sie wurde zur offiziellen Uhr für alle NASA-Weltraummissionen erkoren. Doch die Monduhr ereilte ein trauriges Schicksal: Buzz Aldrin schickte sie – gemeinsam mit anderen wichtigen Dingen der Mondmission – 1970 an das National Air and Space Museum in Washington, D.C. Dort kam sie nie an. Vielleicht wollte sie in kein Museum, hatte Sehnsucht – nach dem Abenteuer auf dem Mond.

Chasperli

«Tra – Tra – Trallala, de Chasperli isch da». Kaum ein Deutschschweizer, der diese Zeile nicht kennt. Generationen sind mit Jörg Schneiders Hörspielen aufgewachsen; haben sich die witzigen, spannenden Abenteuer auf Platten, Kassettli und CDs angehört; sich mit dem mutigen Lausbuben mit der Zipfelmütze identifiziert. 1967 erschien die erste Geschichte. Rund 3 Millionen Tonträger sollen in der Zwischenzeit verkauft worden sein. Schauspieler Jörg Schneider warf 1995 das Handtuch. Zu oft wurde er als «Chasperli» angesprochen. Doch «schlussdibus» ist dennoch nicht. Die TV-Moderatoren Nik Hartmann, Andrea Jansen und Nadja Zimmermann haben es gewagt, den Chasperli dieses Jahr auferstehen zu lassen. Trallala!

Todesurteil der Anna Göldi

Das Todesurteil der Anna Göldi steht für den letzten Hexenprozess in der Schweiz und Europa. Die Dienstmagd arbeitete für eine der reichsten und einflussreichsten Familien des protestantischen Glarus. Als die Tochter der Familie plötzlich Stecknadeln spuckt, wird Göldi beschuldigt und unter Folter zum Geständnis gezwungen. Am 13. Juni 1782 wird sie als Hexe verurteilt und durch das Schwert hingerichtet. Ihr Tod wird heute als Justizmord bezeichnet. Man nimmt an, dass Anna Göldi von ihrem Dienstherrn vergewaltigt wurde und dieser den Hexenwahn nutzte, um sie zu beseitigen. Im Jahre 2007 beantragen die Glarner Regierung und die Landeskirchen die Rehabilitierung von Anna Göldi. Ueber 200 Jahre nach ihrem Tod, am 27. August 2008, wird sie begnadigt und für unschuldig erklärt.

Rasenmäher Rapid RM42

Der  Schweizer unter den Rasenmähern: robust, zuverlässig, nüchtern. Spurbreite gleich Mähbreite. Herausragend seine einfache Halterung des Holmens. Die Erfinder aus Dietikon gaben nicht auf, bis diese Halterung so einfach und stabil wie möglich war. 
Doch der RM 42 ist eine tragische Figur, denn er war zu gut für diese Welt. Die Produktion wurde im Jahre 1997 eingestellt, obwohl er nur die besten Noten bekommen hatte. Bei Gärtnern war der RM42 besonders beliebt. Doch als alle Grünarbeiter einen RM 42 hatten, brach die Nachfrage ein. Denn jetzt brauchten sie nie mehr einen neuen. Der RM 42 geht nicht kaputt. Dafür ist er zu stabil gebaut. Genau das ist der Werbefehler: kundenfreundlich aber herstellerruinierend.  Auch wenn der RM 42 nie billig war: Die letzten Exemplare  wurden 1999 für Fr. 1390.- verkauft. Da boten ausländische Mäher  zum halben Preis bereits den Luxus eines Grasfangsacks. Dagegen war der perfekte RM 42 chancenlos. Das ist die Tragik des Schweizers.

Bernhardiner - Fass

Er verkörpert noch heute den Mythos des Heldenhundes der Berge – der St. Bernhard-Hund, der wohl bekannteste Lawinenhund der Welt. Kaum eine andere Rasse wird so sehr mit der Schweiz verbunden. Und noch heute sieht man ihn auf ganz vielen Abbildungen mit einem Fass um den Hals. Doch was hat es mit diesem Fass auf sich? Glaubt man den Legenden, soll es jeweils mit Hochprozentigem gefüllt gewesen sein, um kältegebeutelte Lebensgeister zu wärmen. Andere meinen, es sei kein Fass, sondern ein Erste-Hilfe-Päckchen. Die meisten aber behaupten, dass weder das eine noch das andere richtig sei. Von der Bergwacht jedenfalls wird der schwere und grosse Hund heute nicht mehr eingesetzt, es werde kleinere und leichtere Hunde bevorzugt. Ohne Fass.

"Chömed Chinde mir wänd singe..."

Das Maggi - Singbuch ist mein absoluter Favorit, was Kinderbücher anbelangt. Ersterscheinung war 1946. Dank der Firma Maggi ist dieses wunderschöne Liederbuch entstanden. Meine Mutter hat uns Kindern immer daraus vorgesungen, und ich machte es bei meinen beiden Kinder genauso. Das Buch hat wunderschöne Illustrationen, und die Schweizer Kinderlieder sind sicher allen bekannt.

(Zuschauervorschlag von Marcel Heule)

Nummernkonto

Ein Agent wird verletzt aufgefunden, ohne zu wissen wer er ist. In seine Haut eingeritzt ist eine Nummer – sie erweist sich als Schweizer Bankkonto. So beginnt die Film-Trilogie «The Bourne-Saga », in der Matt Damen nach seiner eigenen Identität sucht. Ein Stück Schweizer Identität ist auch das Nummernkonto, bei dem der Name des Bankkunden einfach durch eine Nummer oder ein Kennwort ersetzt wird. Dies gibt jedem, der sein Geld verstecken will, die Gelegenheit, es in vollkommener Anonymität zu tun. Eine für unser an Rohstoffen armes Land geniale Erfindung, sie entspricht Schweizer Grundtugenden: zuverlässig, verschlossen, diskret. So wird das Nummernkonto ist nicht nur des Schweizers, sondern auch des ausländischen Steuerhinterziehers liebstes Ding. Dafür werden wir gehasst und auf schwarze Listen verbannt, doch das nimmt man gern in Kauf. Es lohnt sich schliesslich.

Postauto

Die charakteristischen gelben Busse und Reisecars sind unentbehrliche Zubringer in den Agglomerations- und Randgebieten der Schweiz und wichtigster Verkehrsträger im Alpenraum. Das erste Schweizer Postauto, der motorisierte Nachfolger der Pferdepostkutsche, fährt 1906 in Bern. Erst nach Kriegsende 1918 erobern die Postautos - zumeist Schweizer Fabrikate von Saurer, Berna und FBW - die Berggebiete und Alpenpässe: Grimsel, Furka, Oberalp, San Bernardino, St. Gotthard … Auf diesen Linien werden vielfach «Cabrios» mit offenem Verdeck eingesetzt, denn die Postautos dienen schon früh nicht nur dem öffentlichen Nahverkehr, sondern genauso dem touristischen Ausflugsverkehr. Ab 1923 ertönt das charakteristische Tü-Ta-Too, eine Tonfolge aus der Ouvertüre von Rossinis Oper «Wilhelm Tell» - soviel «Swissness» musste schon damals sein. Weil viele Linien von Beginn an in Kooperation mit privaten Fuhrunternehmern betrieben wurden, haben sich mit der Zeit wahre Erbdynastien herausgebildet: manche Strecke wird heute von der 3. oder gar 4. Generation ein und derselben Familie betrieben.

Appenzeller Handstickerei

Die Appenzeller Handstickerei hat ihren Ursprung um ca. 1750 in der Ostschweiz. Früher wurde sie als „eines der sieben Weltwunder“ bezeichnet. Zu Recht, ist diese Handarbeit, die sich von herkömmlicher Stickerei durch ihre Feinheit und das dezent blaue Stickgarn unterscheidet, doch von einer Präzision, die Ihresgleichen sucht. Ca. 300 – 500 Stunden sitzt eine Handstickerin an Kragen und Stulpen; noch im letzten Jahrhundert oft bei spärlichem Licht bis tief in die Nacht hinein. Und das alles für ein paar Rappen pro Stunde. Jede Stickerin war auf eine der fünf Techniken spezialisiert (Blatt-, Höhl-, Figuren- und Spetzlistich, sowie Hohlsäume); so steigerten Hausfrauen, Grossmütter und Schulkinder Tempo und Qualität. Heute ist das Kulturgut vom Aussterben bedroht. Nur noch wenige Frauen widmen sich dieser zeitaufwendigen Kunst.

Schweizerisches Idiotikon

Was bedeutet «Bünzli» genau, wo heisst das Sackmesser «Hegel», wer sagt «Anke» statt Butter? Solche Fragen beantwortet das Schweizerische Idiotikon, das Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, mit Mundartmaterial vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. An diesem grössten Regionalwörterbuch des Deutschen wird seit 150 Jahren gearbeitet. 16 Bände mit über 155'000 Wörtern sind bereits gedruckt. Auch eine Onlineversion ist greifbar (www.idiotikon.ch). Seit Januar 2012 wird der Buchstaben «Z» bearbeitet. In einigen Jahren soll dann der 17te und letzte Band erscheinen. Sollte unser regionaler Dialekt dereinst aussterben, wovor besorgte Patrioten immer wieder warnen, so bleibt zumindest der Trost, dass er so gut dokumentiert ist wie kein anderer Dialekt weltweit.

Raubgold

Systematisch raubten die Nazis Gold, Schmuck, Wertgegenständen, Immobilien und ganze Vermögen  von der jüdischen Bevölkerung während des «Dritten Reiches». Firmen wurden enteignet oder erpresserisch erworben. Die deutsche Regierung profitierte davon – und …  die Schweiz. Denn unsere Nationalbank nahm das Gold im Wert von mehreren Milliarden Schweizer Franken sehr gerne an, wandelte es in Devisen umgewandelt und verkaufte es weiter. So profitiert man von den Verbrechen einer Diktatur. Lange wurde dieses dunkle Kapitel Schweizer Geschichte vertuscht, erst der Bergier-Bericht (2002 veröffentlicht) veröffentlichte die Fakten.

Fasnachts-Brunnen von Jean Tinguely

Jean Tinguely gehört zu den Zauberkünstlern. Seine beweglichen Maschinen-Skulpturen verblüffen, versprühen subtilen Humor und faszinieren seit Jahrzehnten. Was wäre der Basler Theaterplatz ohne seinen Fasnachts-Brunnen, mit all den Wasser sprühenden Phantasieobjekten?  Zehn Maschinenwesen sprühen, spritzen und bewegen sich, im Sommer wie im Winter, wenn sie sich bei extremer Kälte in skurrile Eiszapfen verwandeln. Manche Figuren bestehen aus Teilen der ehemaligen Basler Bühnentechnik. Sie stehen exakt an der Stelle, wo sich einst die Bühne des alten Stadttheaters befand. So lebt die abgerissene Bühne in den Skulpturen weiter. Ein Meisterwerk.

Baugespann

Ein Vorbote der gebauten Zukunft in der Schweiz, meist aus Holz.  Und wenn es wirklich hoch hinaus geht, müssen Stahlstangen ran.  Das kann zuweilen bizarre Formen annehmen –  beim neuen Hang, ganz in die Höhe zu bauen. Steht das Baugespann einmal, kann man sich schon mal den Schattenwurf der künftigen Nachbarschaft vorstellen.  Allen Betroffenen soll vor Ort plastisch ersichtlich sein, dass und in welchem Umfang das neue Vorhaben die Umgebung verändert.  So ist das Baugespann ein Ding, das für Partizipation und Mitbestimmung steht. Und dass es ein ausgesprochenes Schweizer Ding ist, ahnen die meisten Schweizerinnen und Schweizer gar nicht mal.

Sternstunden-Tisch

Nicht allzuviel ist Kult in der Schweizer Fernsehlandschaft, aber etwas ist zu einer Institution geworden: der Tisch, an dem jeden Sonntag am späten Vormittag DichterInnen, WissenschaftlerInnen, PhilosophenInnen, selten PolitikerInnen Platz nehmen, um manchmal über Gott und die Welt zu reden, meistens aber über die Probleme unserer Zeit. In einer aufgeregten Medienlandschaft ist dieser Tisch ein Pol der Ruhe. Hier kann man reden, herumspinnen, kühne Thesen entwerfen und sich vor allem Zeit lassen - um etwas zu Ende zu diskutieren, zu Ende zu denken. Sonntag für Sonntag ahnt man in den Sternstunden,  wie aufregend Fernsehen sein könnte.

Basler Fähri

Ein liebenswerter Anachronismus, doch ohne Fähren würden dem Stadtbild von Basel ein zentraler Blickfang und eine Touristenattraktion fehlen. Doch auch viele Baslerinnen und Basler setzen auf das altbewährte ÖV. «Fliegende Brücken»: so nannte man Mitte des 19. Jahrhunderts die Fähren am Rheinknie. Damals waren Gross- und Kleinbasel nur durch die Mittlere Rheinbrücke verbunden. Die Fähren fungierten als weitere wichtige «Übergänge».1854 erteilte die Regierung der Basler Künstlergesellschaft die Konzession für die Fähre „Rheinmücke“. 1962 wurde eine zweite in Betrieb genommen. Aus dem Gewinn wurde der Bau der Kunsthalle Basel am Steinenberg finanziert. Heute gibt es in Basel vier Fähren. Sie sind auf die Namen  «Ueli», «Vogel Gryff», «Leu» und «Wild Maa» getauft und beziehen sich auf die Ehrenzeichen der drei Ehrengesellschaften Kleinbasels, sowie die Ueli-Figur, die jeweils am «Vogel Gryff» Geld für die Bedürftigen Kleinbasels sammelt. An langen Drahtseil befestigt, gleiten die Boote über den Rhein; angetrieben einzig durch die Strömung des Wassers

Swissair-Trolley

Am 2. Oktober 2001 blieb die Swissair-Flotte am Boden. Aus – vorbei – Grounding. Gestrandet waren auch die Trolleys der Schweizer Fluggesellschaft. Obwohl: für sie begann nach Millionen von Flugmeilen ein zweiter Höhenflug. Als Einrichtungsgegenstand wurde er Kultobjekt.  Der aus Leichtmetall gefertigte «Rolls Royce» unter den Flugzeug-Minibars wurde zum Verkaufsschlager schlechthin. Längst ist der ehemalige Flight-Attendant-Begleiter zum Designklassiker avanciert. Ein Relikt glanzvoller Zeiten, das mit seinen zehn Schubladen als Servierboy, Bademöbel oder DVD-Schrank ein neues Zuhause bei Nostalgikern und designbewussten Menschen gefunden hat.

Handurne der Bundesweibel

Gewählt ist mit 159 Stimmen… Dies ist der magische Moment, in dem die politische Schweiz jeweils den Atem anhält. Doch zuvor musste erst die Handurne geleert werden, um die Anzahl Stimmen der Kandidaten zu zählen. Der kleine grüne Behälter mit dem dekorativen Schweizerkreuz auf der Vorderseite trägt jeweils das Geheimnis über die politische Zukunft des Landes in sich, denn darin wurden, fein säuberlich zusammengefaltet, die Stimmzettel der Mitglieder der vereinigten Bundesversammlung gesammelt. Der «Bundesweibel», ein altertümlicher Amtsdiener, zwängte sich dafür in hochoffizieller Mission durch die engen Reihen des Nationalratssaals.

Iphone

Der Augenschein täuscht nicht:  nach Studien von Wissenschaftlern verfügte die Schweiz (2010)  über die höchste I-Phone-Dichte der Welt. Dies ist nicht allein Symptom der hohen Kaufkraft im Lande. Auch nicht allein Zeichen für den Hang zur ansprechenden Ästhetik. Sondern vor allem ein Ausdruck unserer Neigung zur Optimierung des Lebens. Kaum ein Bereich, den man den man nicht durch eine
App noch ein bisschen effizienter machen könnte. Doch auch wenn das I-Phone wie ein Fetisch erscheint – am einzelnen Objekt hängen die Schweizerin und der Schweizer kaum: Bei der SBB-Fundbüro-Zentrale in Bern stapeln sich die Taschencomputer aus Kalifornien.

Stewi

Seit über 50 Jahren prägt eine Spinne das Schweizer Garten- und Landschaftsbild – genauer: eine Wäschespinne. Ob in der Stadt, in der Agglomeration oder auf der Alp: der Stewi ist allgegenwärtig. Entwickelt hat ihn der Schweizer Tüftler Walter Steiner in seiner Konstruktionswerkstätte in Winterthur. Der Name Stewi ist denn auch eine Kombination aus Steiner und Winterthur. 1954 kam der erste Stewi aus Aluminium auf den Markt; im gleichen Jahr wurde die Haushalthilfe an der Mustermesse Basel ausgezeichnet. Der Rest ist Geschichte. Die Erfolgsgeschichte des helvetischen Raumwunders.

Keystone CERN

Higgs-Teilchen

Bis zum Juli 2012 existierte es nur in der Theorie – das nach dem britischen Physiker Peter Higgs benannte Higgs-Teilchen, auch «Gottesteilchen» genannt. Dann wurde es im Europäischen Forschungszentrum Cern bei Genf entdeckt. Es ist die wissenschaftliche Sensation des Jahres 2012, denn von dieser Entdeckung erwarten sich Physiker Antworten auf grundlegende Fragen der Elementarteilchenphysik. Es beantwortet die Frage, wie Elektronen und andere Bausteine der Materie ihre Masse erhalten haben, und warum diese von Teilchen zu Teilchen so unterschiedlich ausfällt. Mit dieser Entdeckung schrieben Forscher am Cern Weltgeschichte.

Granit-Tisch im Tessiner Grotto

Diese massive Tischplatte aus dem für die Region typischen Granitgestein ist aus der Tessiner Landschaft nicht mehr wegzudenken. Kühl, unverwüstlich und mit einem Hauch von Glimmer ist sie ein Zeichen der Unvergänglichkeit. Das Tessiner Grotto, ursprünglich eine natürliche Höhle im Felsen, wurde einst als Keller benutzt, um verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Käse kühl zu lagern. Die in elektrifizierten Zeiten als Vorratskammern überflüssig geworden Räume funktionieren heute als rustikale Lokale. Auf den angebauten Terrassen, unter schattenspendenden Kastanienbäumen, werden heute Gäste bewirtet. Typische Tessiner Spezialitäten wie Polenta, Risotto oder Fleischplatten finden auf den faszinierend unverwüstlichen Granittisch.

WIKIMEDIA SAILKO

LC4 Liege von Corbusier

Wenn die Deutschschweiz auch nur über ein Gebäude von Le Corbusier verfügt – an diesem Möbel mangelt es nicht in den Stuben. Es schreit förmlich «entspannt Euch» - ein nicht ganz alltäglicher Appell in diesen Breiten. Le Corbusier selbst soll sie «Ruhemaschine» genannt haben.  Diesen Klassiker von einer Liege, der heute unter dem Kürzel LC4 in Einrichtungskatalogen firmiert und nur Anfänger an ein Joghurt denken lässt. Der Meister aus La Chaux-des-Fonds  legte Wert auf die stufenlose Verstellbarkeit seiner Schöpfung, die ohne jeden Mechanikschnickschnack auskommt. Allein die Schwerkraft erhält die einmal gewählte Position des Ruhenden aufrecht.

Rösti-Raffel

Was wäre die kulinarische Welt der Schweiz ohne Rösti, mit seinen feinen, doch fundamentalen regionalen Unterschieden. Glarner Rösti, Berner Rösti – keines wäre in seiner filigranen Konsistenz möglich, ohne die messerscharfen Hobel einer Rösti-Raffel. Und eine gute Rösti-Raffel hobelt die Kartoffel so – wie sie klingt: «raffel, raffel, raffel». Das ist der Sound einer optimalen Rösti-Raffel. Raffeln bedeutet nicht nur, ein Ding – in diesem Fall eine Kartoffel – einfach klein zu schneiden. Nein, beim Raffeln bringt man es gleich in die entsprechende Form: dünn, abgerundete Enden, ca. 2 cm lang und 0,5 cm breit. So entsteht dann – die perfekte Rösti.

Solar Impulse

Ein Überflieger im wahrsten Sinne des Wortes ist das von den Schweizern Bertrand Piccard und André Borschberg entwickelte Solarflugzeug Solar Impulse. Das futuristisch anmutende Flugobjekt hat vor kurzem seinen ersten Interkontinentalflug gemeistert: rund 19 Stunden brauchte das Flugzeug mit dem Kennzeichen HB-SIA, um von Madrid nach Rabat (Marokko) zu gelangen. Eine Erdumrundung ist für Sommer 2014 geplant. Das muss man sich erstmal vorstellen können! Die Solar Impulse steht für die rasante Entwicklung der Solarenergie und ist ein Höhepunkt von Schweizer Fortschrittsdenken und Tüftlertum. So utopisch es noch klingt, Solar Impulse – einmal über den Prototyp-Status hinweg geflogen - wird unser Leben verändern:
Die Erfinder  wollen hoch hinaus, indem sie die Sonne nutzen, um zu fliegen. Ikarus verbrannte sich noch alle Hoffnungen, aber dieses Ding hier, das kann nicht nur das Flugwesen revolutionieren, sondern hat die Macht, grosse Konflikte um Rohstoffe  zu lösen - solche Visionäre braucht die Welt.

Homo faber von Max Frisch

Ist diese Figur nur durch Zufall Pflichtstoff für Generation von Schweizer Schülern? Oder ist dieser literarische Schöpfung von Max Frisch – dieser Walter Faber –  der Prototyp des (Schweizer)  Mannes? In dessen geordnetes,  geplantes Ingenieursleben  plötzlich der Zufall einbricht.  Der Roman ist ein literarischer Exportschlager und vielleicht die Essenz des Schaffens von Max Frisch. Alle Zentralthemen seines Werks waren  1957 schon da: die existenzielle Entscheidung zur eigenen Identität, die Rolle des Zufalls und das Bild, das die Umwelt sich von einem Menschen macht.

Schweizer Fahne

Das weisse, aufrechte,  frei stehende griechische Kreuz auf rotem Grund:  Das ist die Flagge der Schweiz, die hierzulande aber FAHNE, nicht Flagge genannt wird. In den 1980er Jahren als zu nationalistisches Symbol verpönt, erlebt es seit der Erfindung der Swissness einen absoluten Höhenflug und findet sich auf allerlei Nippes, auf Tellern, T-Shirts und Kuhschellen wieder.
Das Rot, auf dem das Kreuz leuchten soll, ist zwar gesetzlich nicht festgelegt – die Schweizer Bundesverwaltung aber hat sich für das «Schweizer Rot» entschieden. Es entspricht im Pantone-Farbsystem der Zahl 485, besteht aus je 100 % Magenta und Gelb. 1815 tauchte das Motiv «Kreuz auf rotem Grund» erstmals auf eidgenössischen Bataillonsfahnen auf, obwohl es ursprünglich schon 1339 in der Schlacht von Laupen verwendet wurde. Es dauerte aber bis 1889, bis sich die Bundesversammlung auf die heutige Form des Schweizer Wappens festlegte. Auch das ist Föderalismus.

Zahnrad

Halt, nein! Das Zahnrad ist keine Schweizer Erfindung. Es findet sich bereits bei den Assyrern und Ägyptern. Aber was wäre die Schweiz ohne Zahnrad? Ohne dieses simple, aber überzeugende Ding, mit dem man Motoren, Uhren, ja ganze Bahnen antreibt. Nach Europa fand das Zahnrad im 8. Jahrhundert, es wurde zuerst in Wassermühlen angewendet. Leonardo da Vinci entwarf Maschinen mit Zahnrädern – es ist das Teil, das aus Energie Bewegung macht. Zahnradbahnen eroberten die Bergwelt.  Und die Schweiz wurde zum Zahnradparadies, nicht nur wegen ihrer Uhrenindustrie. Die älteste Zahnradbahn Europas führt auf die Rigi (1871), die Steilste mit 48% Steigung auf den Pilatus. Ohne Zahnrad - keine Maschinen, keine Motoren, keine Uhren, keine Bahn, kein Massentourismus undsoweiterundsofort.

Der Franken

Der Franken ist das Ding mit der Nummer 100 dieser Liste. Nicht die Nummer 1, sondern er trägt die Nummer 100. Er ist nicht Anfang, sondern Ende. Was das wohl zu bedeuten hat? Dass schlussendlich alles vom Geld abhängt? Das ein Geldstück das Ding aller Dinge ist? So alt ist er noch gar nicht, denn Geld und Münzen waren früher Sache der Kantone. 1850 wurde er als Währung in der Schweiz eingeführt und wurde zum Symbol für dieses Land. Denn ein Land, das sich als Finanzplatz definiert, definiert sich automatisch auch durch seine Währung. Das macht ihn manchmal unsympathisch, den Stutz, weil er missbraucht wird, um Geld zu verstecken, weisszuwaschen, weil sämtliche Diktatoren der neueren Geschichte ihr Geld gerne in der Schweiz und in Franken anlegten. Der Stutz spielt also eine grosse Rolle hierzulande, diskret und offen zugleich. Deshalb die 100. Und gleichzeitig – weil viele Dinge in dieser Liste der 100 Dinge nicht mit Geld zu kaufen sind. Weder mit Franken noch mit anderem – und schon gar nicht mit allem Geld der Welt.