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Archiv Sendung vom 20.05.2011

Walter Wiedmer behandelt Thomas

Freitag, 20. Mai 2011, 21.00 Uhr auf SF1

Der Handaufleger

Merkwürdige Geschichten aus dem Emmental

«Der Handaufleger» war der meistbeachtete DOK des Jahres 2008. Die denk- und merkwürdigen Geschichten rund um den originellen Emmentaler Walter Wiedmer verblüfften und irritierten zugleich.

Im Studio spricht Röbi Koller mit Walter Wiedmer über seine Fähigkeit.

Knapp drei Jahre später fragt Röbi Koller in «Fortsetzung folgt» nach, ob die wundersamen Behandlungen von Wiedmer Erfolg hatten und was sich beim Handaufleger verändert hat.

Monika wird gegen ihre Nikotinsucht behandelt

Monika war fast 30 Jahre lang starke Raucherin. Als sich ihr Sohn zum Geburtstag nichts Sehnlicheres als eine rauchfreie Mutter wünschte, ging sie zu Walter Wiedmer nach Rüegsauschachen. Für DOK legte sie sich auf den Schragen des Handauflegers und liess das geheimnisvolle, leicht schmerzhafte Ritual der Raucherentwöhnung über sich ergehen. Jetzt, drei Jahre später, nimmt es wunder, ob sich der Besuch bei Wiedmer gelohnt hat oder ob Monika rückfällig geworden ist.

Thomas mit seiner Mutter

Auch bei andern Klienten fragt «Fortsetzung folgt» nach. Zum Beispiel bei der damals 72-jährigen Margrit, die ein schweres Nierenleiden plagte und beim 20-jährigen Wirtschaftsstudenten Thomas, der fast am Erblinden war.

Die 8jährige Céline wird behandelt

Bei der 8-jährigen Céline, die in der Schule Konzentrationsschwierigkeiten hatte und auch beim 13-jährigen Simon, den ein böser Hautausschlag quälte.

Das eingesetzte Kupferrohr

Ganz speziell interessiert auch, ob das Kupferrohr etwas brachte, das Wiedmer vor drei Jahren einsetzte gegen eine angebliche Wasserader, die auf einem Bauernhof Mensch und Tier leiden liess. Die Antwort könnte verblüffender nicht sein.

Walter Wiedmers Haus im Emmental

Die Geschichten um den Handaufleger Walter Wiedmer bleiben nach wie vor denk- und merkwürdig.

Der Autor Pino Aschwanden

Der Handaufleger und der Journalist

Es gibt nichts Heikleres in der journalistischen Berichterstattung als die Darstellung von Glaubensdingen und ungeklärten Sachverhalten, kurz, von Dingen, die sich zwischen Himmel und Erde abspielen. Handauflegen gehört dazu. Es gibt keine medizinisch gesicherten Erkenntnisse, es gibt nur die subjektiv gefärbte Erzählung.

Niemand kann berechtigt behaupten, Handauflegen wirke, ausser diejenigen, die eine positive Erfahrung gemacht haben.
Niemand kann aber auch berechtigt behaupten, Handauflegen wirke nicht, ausser diejenigen, die ohne Erfolg behandelt worden sind.

Von beiden Parteien gibt es genügend Zeugnisse

Nur so nebenbei: Auch von vielen andern, teils als Wissenschaft eingestuften Disziplinen gibt es widersprüchliche Erfolgsmeldungen, siehe Schulmedizin, Pharmaindustrie, Psychiatrie usw.

Dass ich mich trotzdem aufs Abenteuer Handauflegen eingelassen habe, hat zum einen mit den zwar unterschiedlichen, aber positiven Erfahrungsberichten von mir nahestehenden Personen zu tun:

- Eine Kollegin von mir leidet seit Jahren an Tinnitus. Nur der Handaufleger bringt es fertig, den Lärm in ihrem Kopf wenigstens für eine kurze Zeit zu stoppen. Alle schulmedizinische Anstrengungen waren bislang nutzlos, dafür teuer.
- Eine Frau, die ich für einen anderen Film porträtiere, erzählt, dass sie wegen Gewichtsproblemen keine Schokolade mehr isst, obwohl sie dies früher gerne tat. Der Handaufleger habe ihr die Lust dran genommen, und als sie ihm erzählte, sie möge auch Crèmeschnitten sehr, habe er ihr gesagt „Also, die verleide ich dir auch“. Seither könne sie Crèmeschnitten kaum ansehen.
- Mein Kameramann tritt den ersten Drehtag mit Ischias-Schmerzen an, die er eine Woche lang mit Tabletten zu kurieren suchte. Er liegt ein paar Minuten auf den Schragen des Handauflegers – weg ist das Leiden. Am zweiten Tag nimmt er ihm die Lust am Rauchen. Seit über vier Monaten hat er jetzt keine Zigarette mehr geraucht.

Was mich auch zum Thema Handauflegen hinzog, war der Handaufleger selbst – Walter Wiedmer (57) aus Rüegsauschachen bei Hasle im Emmental. Ich habe ihn vor über drei Jahren bei der Recherche zum Thema „Gläubiger Heiler“ kennen gelernt - und dabei rasch gemerkt, dass er sich dafür nicht eignet. Wiedmer heilt nicht im Namen Gottes. „Ich stündele nicht“ sagt er. Wiedmer ist ein bodenerdiger Handaufleger, der zwar sagt, dass seine Kräfte von „höheren Mächten“ kommen, aber diese nicht religiös etikettiert. Sie seien einfach da, und sie funktionieren häufig, wenn auch nicht immer. Es brauche eben beide, Sender und Empfänger, damit die Kräfte Einfluss nehmen können.

Handauflegen gilt – nach Wikipedia –„als eine der ältesten Heilungsmethoden der Menschheit. Neben dem wärmespendenden Effekt soll das Handauflegen beruhigend soziale Nähe vermitteln.“ Belege für die Wirksamkeit „die über den Placebo-Effekt hinausgehen, existieren nicht.“

Wiedmer scheint sich seiner Grenzen bewusst, unternimmt kaum etwas, wenn kein Arzt zugange ist oder war. Und es gelingt ihm nicht alles. „Es ist ein menschliches Gesetz, dass man nicht überall Erfolg haben kann“, sagt er. Positiv ist auch, dass Wiedmer angenehme Tarife hat und keiner ist, der die Leute abhängig macht. Das durchschnittliche Behandlungshonorar beträgt 30 bis 40 Franken. Kinder sind gratis.

Sein Umgang mit Menschen ist, wie wir es erlebt haben, direkt, ehrlich, manchmal schonungslos, aber immer authentisch und aufbauend. Nach all den Jahren scheint er mit den vielfältigen Arabesken des Schicksals vertraut. Er weiss, was durch Handauflegen funktionieren könnte und was nicht. Zweifel habe er keine auf seinem Gebiet. Er sagt:  „Wer einen Milchhafen von einem Scheisshafen nicht unterscheiden kann, der lasse die Finger davon“.

Mein Fazit zum Thema Handauflegen: Nichts ist garantiert, aber verblüffend vieles möglich.

Pino Aschwanden