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Archiv Sendung vom 28.05.2012

Immer nie am Meer

Sonntagnacht, 27.05.2012 um 00:15 Uhr auf SF 1

Die beiden Miesepeter Anzensgruber und Baisch sind in der Panzerlimousine des toten österreichischen Expräsidenten Kurt Waldheim unterwegs. Später gesellt sich noch der deutsche Alleinunterhalter Schwanenmeister dazu. Nach einem Unfall stecken die drei tief im Wald zwischen zwei Baumstrünken fest. Kein Weg führt nach draussen. Prosecco und ein überreifer Heringssalat müssen reichen, bis Hilfe naht. Mit Antonin Svobodas rabenschwarzer Satire «Immer nie am Meer» wurde der österreichisch-deutsche Satiriker-Zweier Griessemann-Stermann («Willkommen Österreich») positiv auf seine Kinotauglichkeit hin getestet. Zu ihnen gesellt sich der deutsche Autor, Musiker und Schauspieler Heinz Strunk («Fleisch ist mein Gemüse»).

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Anzensgruber (Christoph Grissemann) und der lethargische Geschichtsprofessor Baisch (Dirk Stermann) können sich nicht riechen. Dass die beiden miteinander verschwägert sind, macht die Sache nicht besser. Der Professor ist stolzer Besitzer der Panzerlimousine von Alt-Nazi und Alt-Staatspräsident Kurt Waldheim, und in dieser will er den betrunkenen Schwager nach Hause führen.

Bald gesellt sich zum Duo der deutsche Alleinunterhalter Schwanenmeister (Heinz Strunk) dazu, welcher zuvor einen Unfall gebaut hat. Baisch schlägt vor, ihn durch den nächtlichen Wald ins nächste Kaff zu fahren. So weit kommt es aber nicht, denn nun verursacht der Intellektuelle seinerseits einen Unfall. Mit vollem Karacho donnert die Karosse einen Abhang hinunter, weit weg von der Strasse, und bleibt derart zwischen zwei Baumstrünken eingeklemmt stecken, dass sich keine Türe mehr öffnen lässt. Die automatischen Fensteröffner sind ebenfalls ausgefallen, und weil alles niet- und nagelfest blockiert ist, hockt das Trio fern der Menschheit fest. Als sich nach zermürbenden Tagen mit Prosecco und ranzigem Heringssalat endlich jemand dem Wagen nähert, ist es nicht der erhoffte Erlöser.

Hintergrund

Nicht erst seit Kampusch und Fritzl weiss man: In Österreich hat das Wegschliessen Tradition. Noch vor diesen Missbrauchsfällen drehte Antonin Svoboda (unter anderem Produzent des Pipilotti-Rist-Films «Pepperminta») die schwarze Komödie «Immer nie am Meer». Hier geraten drei erwachsene Männer in eine Art Isolationszelle und haben fortan viel Zeit, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Dass es dabei viel zu lachen gibt, dafür sorgt zuallererst das österreichische Kabarettisten-Duo Grissemann-Stermann, das sich das Gekeife in der Panzerlimousine auf den Leib geschrieben hat. Auf dem Hintersitz hockt Heinz Strunk (Autor des autobiografischen Provinzberichts «Fleisch ist mein Gemüse»), der ein Beispiel für komisches Talent jenseits deutscher Comedy-Routine gibt.

Aus der Distanz betrachtet ist Svobodas feststeckende Limousine mit ihrer menschlichen Fracht das sprechende Bild totaler Hoffnungslosigkeit. Hier erlebt man den rasenden gesellschaftlichen Stillstand, die Einsamkeit in der Zweisamkeit, den unverhohlenen Hass zwischen den Menschen und das folgenlose Endlos-Gequatsche, welches das Fernsehpublikum auf allen Kanälen verfolgt, auf zwei Mal zwei Mal zwei Metern hautnah mit.

Der Rezensent der deutschen taz meinte: «Die Temperamente, ihrerseits im Wagen zusammengequetscht, erhöhen die Temperatur, Authentizität und Selbstironie verschmelzen, im Wageninnern wird es dicht. Schon mangels hygienischer Grundversorgung ist 'Immer nie am Meer' alles andere als steril.»