Archiv Sendung vom 24.05.2012
Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Donnerstag, 24.05.2012 um 20:00 Uhr auf SF zwei
Im vorrevolutionären Frankreich geht der Serienkiller Jean-Baptiste Grenouille um. Der Einzelgänger nimmt die Welt primär durch seinen Geruchsinn wahr, weshalb er der absonderlichen Idee verfallen ist, aus dem Duft schöner Frauen das perfekte Parfum herzustellen. Der Weg zum Meisterduft ist daher gepflastert mit unzähligen Frauenleichen. Tom Tykwers Verfilmung von Patrick Süskinds Bestseller «Das Parfum» besticht durch opulente Bilder, eine erstklassige Besetzung rund um Dustin Hoffman sowie eine Story zwischen sinnlicher Schönheit und Irrsinn.
Inhalt
Im Jahr 1738 bringt eine Mutter auf dem Pariser Fischmarkt, «dem allerstinkendsten Ort des gesamten Königreichs», zwischen Unrat und Abfällen ein Kind namens Jean-Baptiste Grenouille zur Welt. Der Vater ist unbekannt, die Mutter landet bald nach der Geburt wegen versuchten Kindsmordes auf dem Schafott. Grenouilles (Ben Whishaw) Leidensweg führt sodann vom Waisenhaus über die Anstellung in einer elenden Gerberei ins Geschäft des Parfumeurs Baldini (Dustin Hoffman). Dieser erkennt bei Grenouille ein ausserordentliches Talent: einen Geruchssinn, der nicht von dieser Welt zu sein scheint. Der Knabe, den der alte Parfumeur als Lehrling engagiert, ist besessen von Gerüchen. Dabei ist ihm der Duft der holden Weiblichkeit das Begehrenswerteste überhaupt, weshalb Grenouille der absonderlichen Idee verfällt, diesen Geruch in eine aufbewahrbare Form, ein absolutes Parfum, zu bringen.
Von Baldini in die Technik der Extraktion des Blumenduftes eingeführt beginnt der Geselle alsbald damit, den schönsten Frauen der Stadt, nachdem er sie getötet hat, ihren Geruch zu rauben. Das Sammeln dieser Schönheit macht Grenouille zum Massenmörder, dessen Wahn elf Frauen zum Opfer fallen. Schliesslich erkennt Jean-Baptiste in Laura (Rachel Hurd-Wood), der wunderschönen Tochter des Adligen Richi (Alan Rickman), jene Frau, die ihm zur Vervollkommnung seiner perfekten Mixtur noch fehlt. Der seltsame Serienmörder legt sich auf die Lauer und wartet auf einen günstigen Augenblick.
Hintergrund
Lange Zeit galt Patrick Süskinds 1985 verfasster Bestellerroman «Das Parfum» als nicht verfilmbar. Die Namen von Stanley Kubrick, Ridley Scott, Milos Forman oder Martin Scorsese wurden zwar mit schöner Regelmässigkeit als mögliche Regisseure für eine Verfilmung in die Diskussionsrunde geworfen, doch scheiterte jeder dieser Versuche bereits im Anfangsstadium. Schliesslich nahm sich der deutsche Produzent Bernd Eichinger, der am 24. Januar 2011 im Alter von 61 Jahren verstarb, des Projekts an. Er hatte 1986 bereits Umberto Ecos Erfolgsroman «Der Name der Rose» auf die Leinwand gebracht. Als Regisseur wählte er mit Tom Tykwer («Drei») jenen Mann, der seit eigenwilligen Filmen wie «Lola rennt» als der Künstler unter Deutschlands neuer Filmerelite galt. Sein Zugang zu Süskinds Roman ist denn auch geprägt von ungewöhnlichen visuellen Einfällen und dem Versuch, den Geruch, das heisst die sinnliche Komponente der literarischen Vorlage, in Bilder zu übersetzen. Gleichwohl meinte der deutsche film-dienst kritisch, dass Tykwer mit «'Das Parfum' spektakuläres Kommerz-Kino, kein Kunst-Film, sondern publikumswirksames Kunstgewerbe auf bemerkenswertem Niveau» gelungen ist.
Der damals ausserhalb von England noch weitgehend unbekannte Theaterschauspieler Ben Wishaw (geboren 1980) konnte inzwischen in zwei weiteren grossen Kostümfilmen «Brideshead Revisited» und Jane Campions «Bright Star» beweisen, dass er auch zum romantischen Helden taugt.



