The Kite Runner
Was hat Sie an dem Projekt angezogen?
Es gibt viele Aspekte, die mich bei diesem Projekt interessierten. Ein Land zu entdecken, das man nur in Verbindung bringt mit den Taliban, Bin Laden, Krieg und Terror. Es ist eine der wenigen Geschichten aus diesem Teil der Erde, wo es um eine Familie geht, wo die Hauptfiguren als Menschen dargestellt werden und nicht als Terroristen oder Selbstmordattentäter. Es sind Figuren, mit denen man sich identifizieren kann, und dadurch entsteht eine Menschlichkeit gegenüber dem Islam. Wenn wir nicht jetzt, im 21. Jahrhundert, verstehen, dass alle Menschen eine tiefe Verbindung miteinander besitzen, werden wir der Selbstvernichtung entgegen gehen.
Wie sah der Input von Hosseini aus bzw. Ihre Zusammenarbeit?
Wir arbeiteten sehr eng mit Khaled Hosseini zusammen. Ich sah die Geschichte als sein Baby, seine Welt, und es war mir wichtig, diese zu respektieren.
Was haben Sie am Drehbuch verändert oder verändern lassen? Welches waren Ihre Prioritäten?
Es war mir immer am wichtigsten, zu versuchen, dem Buch treu zu bleiben. Wir spielten viel herum mit der Geschichte, um zu sehen, was die Essenz des Buches am Besten hervorbringt. Was mir an Davids erster Vorgabe sehr gefiel, war, dass er auf eine Erzählstimme verzichtete. Aber es gab einige Szenen, die David rausgelassen hat und die mir sehr wichtig waren, wie zum Beispiel die Szene mit den Granatäpfeln.
Wer hat wann beschlossen, auf eine Erzählstimme zu verzichten?
David, gleich zu Beginn.
Wie hat sich Sam Mendes eingebracht?
Er hat sich nie eingebracht und ich habe nie mit ihm über das Projekt gesprochen. Es ist gebräuchlich in Hollywood, einem Regisseur den Titel Executive Producer zu geben, wenn er mal in einem Projekt involviert war, auch wenn er dann eigentlich mit dem Projekt nichts mehr zu tun hat.
Inwieweit hatten die vielen Produzenten unterschiedliche Vorstellungen vom Film, die sich nicht vereinbaren liessen? Wie viel Freiheit haben sie Ihnen gewährt?
Als ich das Buch zum ersten Mal las und das Bild der zwei Jungen in den 70er Jahren beim Drachenfliegen vor mir hatte, war es mir klar, dass der Film in Dari gedreht werden muss. Das Studio sah das anders; sie sahen den Film in Englisch. Daraufhin bedankte ich mich für das Angebot und sagte, ich könne das Projekt nicht in Englisch umsetzen. Einen Monat später bekam ich einen Anruf, ob ich immer noch interessiert sei. Ich bejahte unter der Voraussetzung, dass ich in Dari drehen könne. Sie stimmten zu und ich hatte ab diesem Zeitpunkt komplette kreative Freiheit, den Film in allen Aspekten so zu gestalten, wie ich wollte, einschliesslich des «final cut».
Wie hat der überraschende Erfolg des Romans die Produktion bzw. ihre Entwicklung beeinflusst?
Nur dadurch bekam ich die Möglichkeit, den Film in der Orginalsprache zu drehen und ohne Stars. Das Buch wurde zum Star.
Wie hoch war das Budget? Ist die Schätzung von 20 Millionen Dollar richtig?
Ja, diese Schätzung ist richtig.
Die Dreharbeiten in Kashgar und Umgebung waren ja schwierig; gab es Motive oder Szenen, die Sie nicht realisieren konnten?
Wir konnten alles realisieren, aber logistisch war es sehr schwer, da noch nie ein Film in dieser Gegend gedreht worden ist.
Welches waren die grössten Probleme?
Dass wir die Ressourcen nicht hatten. Ausrüstung, Filmmaterial, Requisiten... Wir waren weit von allem entfernt. Wenn etwas nicht ging oder man gewisse Requisiten nicht hatte, dann musste man andauernd umdenken, versuchen, die Probleme zu lösen mit dem, was man hatte.
Die Kindheitssequenzen wirken ziemlich nüchtern-realistisch, im Vergleich zum Roman; später wirkt der Film melodramatischer, auch aufgrund des Musikeinsatzes, der für mich stellenweise exzessiv wirkt. Wie wurde das austariert?
Ich sah den Musikeinsatz immer auf der exzessiven Seite. Für mich war die Musik auch eine Erinnerung an ältere epische Filme aus der David Lean Zeit...
Gehören die Kinderdarsteller den tatsächlichen Ethnien Paschtune bzw. Hazara an?
Die zwei Hauptdarsteller von Amir und Hassan gehören den ethnischen Gruppen an, die sie repräsentieren. Der Darsteller von Hassans Sohn Sohrab nicht.
Wie haben Sie mit den Kindern gearbeitet? Kannten diese die ganze Geschichte von Anfang an?
Ich arbeitete sehr eng mit den Kindern zusammen. Wir übten alle Szenen mehrmals einen Monat vor Drehbeginn in Kashgar. Sie kannten die Geschichte, wie auch ihre Figur, sehr genau.
Gab es im voraus und beim Dreh keine Probleme wegen der Vergewaltigungsthematik?
Nein, es gab im voraus keine Probleme deswegen. Das erste Mal war einige Zeit nach Drehende, als sich einer der Väter darüber äusserte. Während der Dreharbeiten oder der Proben, an denen er immer teilnahm, äusserte er sich nie.
Der Film wirkt teilweise elliptisch, vor allem im ersten Drittel. Musste viel geschnitten werden?
Nein, wir schnitten keine einzige Szene.
Wieso haben Sie den Selbstmordversuch von Sohrab weggelassen bzw. in eine vorübergehende Flucht umgewandelt?
Wir hatten eine Version des Drehbuchs mit dem Selbstmordversuch von Sohrab, aber es fühlte sich nicht richtig an. Im Buch gelingt diese Szene, da sie monatelang auf das Visum warten und der Selbstmord dadurch Zeit hat, sich zu entwickeln. Im Film besitzt man diese Zeit nicht.
Manche Kritiker nehmen Anstoss daran, dass die Rolle der Amerikaner in Afghanistan ausgeklammert wird. War das je ein Thema?
Es war kein Thema im Buch und sollte deshalb auch kein Thema im Film sein.
Wie haben Sie während der Dreharbeiten in Westchina das Verhältnis zwischen Chinesen und Uiguren erlebt?
Es war sehr schwierig, den Film in Kashgar zu drehen, da die Stadt gespalten ist zwischen den Uiguren und den Chinesen. Diese Spannung erschwerte uns die Verwirklichung des Films zusätzlich, da wir oft mit beiden Seiten verhandeln mussten und es sehr bürokratisch wurde.



