Filmrestaurierung
Filme sind sterblich
Seit den Anfängen des Kinos vor mehr als 100 Jahren kennt man das Problem: Filme sind sterblich! Zumindest gilt dies für das Trägermaterial, das auf chemischen Prozessen basiert. Bis Anfang der 1950er-Jahre wurde noch hochbrennbares Nitrat-Material verwendet. Dieses wurde vom sogenannten Safety-Film abgelöst, was einen grossen – vor allem sicherheitstechnischen – Fortschritt bedeutete. Aber auch diese moderneren und stabileren Materialien werden nicht ewig halten. Unter bestmöglichen Lagerbedingungen geht man inzwischen von einigen hundert Jahren aus. Doch ein grosser Teil des kulturellen filmischen Erbes der Menschheit ist akut vom Zerfall bedroht. Nur ein kleiner Teil kann mit grossem Aufwand gerettet oder – besser – gesichert werden.
Filmkultur-Erhaltung in der Schweiz
In der Schweiz beschäftigt sich die 1948 gegründete Cinémathèque suisse, seit 1962 offizielles Schweizerisches Filmarchiv, mit der Rettung und Restaurierung von Filmen. Neben Stummfilmen, Kurzfilmen und Spielfilmen aus aller Welt engagiert man sich am Hauptsitz in Lausanne natürlich speziell mit der Sicherung der Schweizer Filmproduktion seit ihren Anfängen. Dazu gehören beispielsweise die umfangreichen Bestände der Schweizerischen Filmwochenschau, aber auch grosse Kinoklassiker wie «Füsilier Wipf» (1938), «Gilberte de Courgenay» (1941) oder Franz Schnyders Gotthelf-Verfilmungen aus den 50er- und 60er-Jahren.
Unterstützt wird das Filmarchiv durch Memoriav. Der 1995 gegründete Verein hat die Erhaltung und die Erschliessung des schweizerischen audiovisuellen Kulturgutes zur Aufgabe und soll damit zur Erweiterung des kollektiven Gedächtnisses des Landes beitragen. Die SRG war zusammen mit weiteren nationalen Organisationen Gründungsmitglied von Memoriav. Seit einigen Jahren ist auch das Schweizer Fernsehen aktiv in den Prozess der Restaurierung involviert.
Digitalisierung
Nur in digitaler Form können die aufwendig geretteten Filme heute wieder einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, sei es durch die Ausstrahlung am Bildschirm, durch die Veröffentlichung auf DVD oder durch digitale Projektion. Die rasanten Fortschritte im Bereich der Restaurierungs-Software ermöglichen inzwischen eine Bild für Bild-Bearbeitung, die zu beeindruckenden Resultaten führt. Viele Filme sehen heute wieder so aus, wie sie wohl nur anlässlich der Uraufführung zu bewundern waren.
Die Digitalisierung ist aber leider (noch) keine definitive Lösung, denn bis heute gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über die Haltbarkeit von modernen Speichermedien. Die Langzeitarchivierung der originalen und der restaurierten Filmrollen ist deshalb vorläufig die einzige «sichere» Methode, um diese Werke auch für die Zukunft zu konservieren.
Digitale Restaurierung von Film und Fotografie
MTW vom 11.04.1996
Fotomaterial verwittert durch chemische Zerfallsprozesse. Filme, Dias und Fotografien leiden nach einigen Jahren unter einem Rotstich. Forscher der Universität Basel haben nun ein Verfahren entwickelt, welches dem Zerfall der Kulturgüter Einhalt gebieten könnte.
Memoriav
Der Verein Memoriav hat die Erhaltung und die Erschliessung des schweizerischen audiovisuellen Kulturgutes zur Aufgabe. Er trägt damit zur Erweiterung des kollektiven Gedächtnisses des Landes bei.
Memoriav bildet und betreibt ein Netzwerk von Institutionen und Personen, die audiovisuelles Kulturgut erhalten, produzieren oder nutzen, mit dem Ziel, Kompetenzen und Informationen auszutauschen und die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen. Memoriav gibt den Anstoss zu Projekten zur Erhaltung, Erschliessung und Vermittlung audiovisueller Kulturgüter. Memoriav unterstützt und betreut solche Projekte unter Berücksichtigung der professionellen Normen und der Berufsethik.
Humanitäres Engagement im Film – Zeitdokumente aus dem Archiv des IKRK
kulturplatz vom 20.04.2005
Das Dokumentarfilmfestival «Visions du Réel» in Nyon zeigt in dieser Woche wertvolle Zeitdokumente aus dem Filmarchiv des Roten Kreuzes. Anfang der 20er Jahre hat das IKRK damit begonnen, seine Hilfsaktionen auf Film zu bannen. Propagandafilme, die belegen, wie entschieden das IKRK schon damals auf die Macht der bewegten Bilder gesetzt hat. Mit Unterstützung der Vereinigung «Memoriav» konnten die leicht entflammbaren und vom Säurezerfall bedrohten Nitratfilme jetzt restauriert und auf DVD veröffentlicht werden.
Propaganda im Kino – wie die Schweizer Arbeiterbewegung um die Wählergunst buhlte
kulturplatz vom 19.01.2005
Wer heute politisch wegweisend sein will, lanciert millionenschwere Werbekampagnen. Früher erfüllten kostspielige Spielfilme diese Rolle. In den 30er, 40er und 50er Jahren buhlte die Arbeiterbewegung mit Filmen wie 'Arbeit und Wohlstand für alle' oder 'Mitenand gahts besser' um die Gunst des Stimm- und Wahlvolkes. Und das mit damaligen Stars wie Heinrich Gretler und Emil Hegetschweiler. Das Projekt 'Memoriav' setzt sich für den Erhalt dieser wichtigen Zeitdokumente ein und bringt die Filme in die Schweizer Kinos.
Cinematheque Suisse
Die Cinémathèque suisse, das Schweizerische Filmarchiv in Lausanne, wurde am 1948 als Verein gegründet. Die Bestände stammten aus dem aufgelösten Schweizerischen Filmarchiv in Basel, das bereits 1943 von Privatpersonen ins Leben gerufen wurde. Von 1951 bis 1996 leitete der Journalist und Filmkritiker Freddy Buache die Geschicke der Filmsammlung. Unter prekären finanziellen Bedingungen gelang es ihm, neben schweizerischen auch ausländische Filme zu erwerben und zu retten, darunter viele Klassiker des Stummfilms. Seit 1981 ist die Cinémathèque suisse eine Stiftung, die inzwischen zu grossen Teilen vom Bund, dem Kanton Waadt und der Stadt Lausanne finanziert wird. International gehört sie heute zu den führenden Filmarchiven und beherbergt - neben einem riesigen Filmbestand - auch eine einzigartige Plakat- und Fotosammlung.
Die Schuldenberge der Cinémathéque
Bundesplatz vom 02.11.1995
Die Cinémathèque ist hoch verschuldet. Kommt der Bund nicht zu Hilfe, droht dem grössten Schweizerischen Filmarchiv das Aus.
50 Jahre Cinémathèque
Filmszene vom 11.11.1998
Zum fünfzigjährigen Jubiläum der Cinémathèque begrüsst die Filmszene den Leiter des Instituts, Hervé Dumont, im Studio. Er gibt Auskunft die Entstehungsgeschichte und den Inhalt des grössten Schweizer Filmarchivs.
Portrait Freddy Buache
Schweiz aktuell vom 08.03.1991
Die Cinémathèque Suisse ist das audiovisuelle Gedächtnis der Schweiz. Über 50'000 Filmdokumente lagern in den Archiven in Lausanne. Freddy Buache ist ein wichtiger Kopf in der Geschichte der Cinémathèque: Seit 40 Jahren ist er Leiter und Vaterfigur des Archives.
Der 25. Geburtstag der Cinémathèque Suisse
Schweizer Filmwochenschau vom 20.09.1974
Das Schweizer Filmarchiv feiert seinen 25. Geburtstag. Das Archiv ist dringend auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten und Ressourcen. Für die Bestandesaufnahme und Sichtung der 40 Millionen eingelagerten Filmmeter muss ein einziges Betrachtungsgerät genügen. In den Räumlichkeiten fehlen Heizung und Wasseranschluss. Im Lager liegen zudem 7.5 Millionen Meter hochgradig brandgefährliche Nitratfilme.
Als die Bilder brennen lernten
Antenne vom 22.07.1968
Nitrofilme zersetzen sich und sind leicht entflammbar. Sie können sich sogar selbst entzünden. Beim chemischen Zerfall setzen sie Giftstoffe frei. Die Nitratfilme müssen deshalb auf neue Träger kopiert werden. Die Cinémathèque Suisse in Lausanne kümmert sich um die Erhaltung kulturell wichtiger Filme.



