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Roger Michell über seinen Film «The Mother»

Roger Michell

Roger Michell, wieso wollten Sie Daniel Craig für diese Rolle?

Erstens, weil ich ihn schon seit einer Weile beobachtet hatte und er in vielen Sachen sehr gut war, im britischen Fernsehen, auf der Bühne und in einigen Filmen. Zweitens weil er diese seltsame Eigenschaft hat, sehr attraktiv und ansprechend zu sein und gleichzeitig zu wirken, als sei er ein wenig im Arsch. Er wird beschädigt, als hätte er zu viele Morgen grauen sehen. So ist er nicht; er ist ein sehr ausgeglichener und vernünftiger Kerl. Aber für die Rolle musste man das Gefühl haben, er stehe etwas am Rande, er sei etwas seltsam oder bedürftig. Nur so wäre plausibel, dass er auf diese Beziehung einsteigt, mit dieser anderen leicht bedürftigen Person.


Sex und Alter war lange ein Tabu. Was hat sich verändert, dass Sie heute einen solchen Film machen können?

Das Tabu war ja nicht so sehr «alte Menschen und Sex» wie «alte Frauen und Sex». Jack Nicholson beim Sex ist kein Problem, aus irgendeinem Grund, Sean Connery auch nicht...


War die Inszenierung der Sexszenen zwischen Anne Reid und Daniel Craig schwierig?

Bei Sexszenen muss man sehr pragmatisch vorgehen. Die Darsteller müssen wissen, was ich vorhabe; wo ich sie haben will; welcher Teil von welchem Körper auf welchen Teil von welchem Körper kommt; was gezeigt wird und was nicht; wo die Kamera stehen wird. Das alles muss entschieden und besprochen werden, lange bevor der Drehtag kommt. Ich mache Zeichnungen und gehe das sehr methodisch an, damit nie der Eindruck aufkommt, dass sie diese schwierigen Dinge improvisieren müssen. Ist das erst mal geregelt, fällt es ihnen leichter, das nötige Selbstvertrauen aufzubringen, um etwas recht Schweres zu machen. Zudem erzählt jede gute Sexszene eine Geschichte, ist ein Teil der Handlung und nicht willkürlich. Wenn man sich auf diese Geschichte konzentriert, ist es interessanter, sie zu filmen und sie zu spielen.


Ausschnitt aus einem Interview, das Michel Bodmer, Redaktionsleiter Film und Serien, mit Roger Michell 2003 in Cannes führte.