Interviews zu «Dogma» (SF zwei, Karfreitag, 6. April, 22.20 Uhr)
Interview mit Regisseur Kevin Smith
Michel Bodmer: Beim Betrachten von Dogma wurde ich an verschiedene Fantasy- und Comic-Autoren erinnert, an Alan Moore, Terry Pratchett, Douglas Adams usw. Waren Sie von solchen Vorbildern beeinflusst?
Kevin Smith: Douglas Adams war eine enorme Inspiration für diesen Film. Seine «Per Anhalter durch die Galaxis»-Bücher haben mich beim Schreiben stark beeinflusst. Viel von Neil Gaiman und Grant Morrison steckt drin, viel von Alan Moore, viel von Matt Wagner, seine frühen «Mage»-Geschichten... Gut beobachtet.
MB: Als ehemaliger Katholik staunte ich weniger über einen Mangel an Gottesfurcht in Ihrem Film als über die Bekräftigung mancher grundlegender Aspekte von Spiritualität und Glauben. Dennoch meine ich, dass manche Leute, die den Katholizismus beim Wort nehmen, Ihnen Ärger machen werden. Wofür sind Sie gerüstet?
KS: Ich bin dafür gerüstet, meinen Standpunkt zu verteidigen. Manchmal schau ich mir diesen Film an und er kommt mir vor wie ein Anwerbungsstreifen für die Kirche. Ich weiss nicht, warum in aller Welt sie mir das Leben schwer machen sollten. In den USA gab es zu Anfang etwas Radau von der Catholic League. Die nannte mich anti-katholisch, und das machte mich echt sauer. Es verletzte mich, denn ich bin hier und mache (ihre) Arbeit. Ich rühre hier die Werbetrommel für Christus...
Auszug aus Interview mit Salma Hayek
Michel Bodmer: Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie katholisch aufgewachsen sind?
Salma Hayek: Ja, das ist richtig.
MB: Was an diesem Projekt hat Sie angezogen?
SH: Ich war davon angezogen, weil es ein brillantes Drehbuch hatte, das im Grunde eine Komödie war, aber komplexe Figuren aufwies, was eine schwierige Kombination ist. Gewöhnlich sind die Figuren in Komödien eindimensional und albern. Doch diese Figuren hatten auch clevere, raffinierte und komische Dialoge, eine ganze Menge. Und als wäre das nicht genug, versuchen sie auch philosophische Konzepte zu wälzen, die sich zum Teil widersprechen, wenn man genau hinhört. Ich etwa habe einen langen Monolog über Glauben, und dieser steht im Widerspruch zu einem Monolog von Chris Rock über Glauben. Somit vertritt dieses Projekt nicht einen bestimmten Standpunkt zum Thema Religion oder Glauben, sondern einen Standpunkt zum Thema Menschheit. Die Religion bildet den Hintergrund, vor dem dieser Standpunkt entwickelt werden kann.
MB: Beisst sich «Dogma» nicht mit den Werten und Ansichten, mit denen Sie aufgewachsen sind?
SH: Nicht mehr, als wenn ich etwa in einem Film wie «Desperado» jemanden erschoss. Geschrieben habe ich den Film ja nicht. Die Figur ist auch nicht ich, sondern eine Muse, die auf die Erde herabgekommen ist. Natürlich würde ich auch nie jemanden töten, aber im Film «Desperado» schieße ich auf jemanden, weil mein Leben in Gefahr ist. Bei diesem Film bin ich auch nicht mit allem einverstanden, was wir sagen, aber das sind alles intelligente und valable Ansichten. Nur selten trifft man auf einen derart komplexen und mutigen Film. Auch wer diesen Film hasst, ihn abscheulich findet oder sonstwas daran auszusetzen hat - was bisher nicht der Fall war - kann nicht bestreiten, wie mutig er ist, wie originell, einzigartig, phantasievoll und raffiniert. Außerdem konnte ich mit einer tollen Besetzung zusammenarbeiten und mit einem Regisseur, der für mich in gewisser Weise die Stimme der nächsten Generation verkörpert.
Auszug aus Interview mit Ben Affleck
Michel Bodmer: Was war das für ein Gebrüll während meines Gesprächs mit Kevin Smith?
Ben Affleck: (grinst) Kevin ist sehr empfindlich, was seine Medienpräsenz angeht. Es soll ihm niemand ins Rampenlicht treten, denn da steht er ja nur selten. Ich machte vorhin jemandem meinen schottischen Akzent vor, und das kann ich nur adäquat machen, wenn ich brülle. Wenn ich flüstere, wirkt er nicht besonders.
MB: Im Pressematerial werden Sie zitiert mit der Bemerkung, «Dogma» sei für Sie ein «bahnbrechender Film». Inwiefern genau?
BA: Für mich persönlich insofern, als ich über die Jahre eine Beziehung zu Kevin aufgebaut habe; wir sind Freunde, haben an zwei Filme zusammengearbeitet, und im Rahmen dieser Partnerschaft war das hier eine ganz neue Erfahrung. Dieses Drehbuch hatte mir schon seit langem gefallen, und ich hatte Kevin immer gesagt, wie sehr ich es möge und dass er es machen müsse, dass er keine Angst davor haben solle. Eine ganze Menge verschiedener Dinge in meinem Leben sind hier zusammen gekommen. Meine freundschaftliche Beziehung zu Kevin; Kevin hat Matt Damon und mir geholfen, «Good Will Hunting» zu verwirklichen, und Matt ist auch mit mir zusammen in diesem Film. Bahnbrechend ist der Film aber auch, weil er unkonventionell ist und sich nicht einfach schubladisieren lässt, was das Genre angeht. Er geht Risiken ein und ist recht kühn. Egal ob er nun Erfolg hat oder scheitert, für mich ist es immer am Besten, wenn man etwas Neues versucht und sich einer neuen Herausforderung stellt.





