Interview mit Regisseur Michael Moore
Gespräch zwischen Michel Bodmer und Michael Moore in Cannes 2002
Michel Bodmer: Sind Sie und der Soziologe Barry Glassner, der Autor des Buchs «The Culture of Fear», der Ansicht, dass Regierung und Establishment politische Ziele damit verfolgen, dass sie das Volk in Angst halten?
Michael Moore: Ja. Angst wird seit Jahrtausenden so verwendet. Faschismus floriert, wenn die Leute Angst haben. Wenn die Machthaber in Ländern, die einen Rechtsrutsch herbeiführen wollen, den Leuten weismachen können, dass es wirkliche Gründe gibt, Angst zu haben, so dass sie der Regierung mehr Geld für Polizei geben sollen, mehr Geld fürs Militär, mehr Geld, um härter gegen Einwanderer vorzugehen, dann bekommen sie das auch von den Leuten. Sofern sie den Leuten wirklich Angst machen können. Die Leute geben einem alles. Das war ja die Aussage von «1984»; der Führer brauchte einen permanenten Krieg, der Feind war überall und konnte jederzeit angreifen. «Sie könnten der Nächste sein!» Deshalb gaben die Leute freiwillig alle ihre Freiheiten auf, um sicher zu sein. Nicht ein einziger Schuss wurde abgefeuert.
Wie schlimm müsste es in den USA werden, dass Sie auswandern würden? Wann geben Sie Amerika auf?
Das würde ich nie tun.




