«Einstein»-Specials
Kimberley-Prozess
Rückkehr der Blutdiamanten
Seit 10 Jahren versuchen die am Diamantengeschäft beteiligten Länder zu verhindern, dass die wertvollen Steine zur Finanzierung von Bürgerkriegen verwendet werden. Der sogenannte Kimberley-Prozess sollte helfen – doch viele betrachten ihn als gescheitert.
Kimberley. Der Name der Südafrikanischen Stadt steht wie kein anderer für alles, was mit Diamanten zusammenhängt. Als hier 1866 die ersten Steine entdeckt wurden, setzte ein richtiger Diamantenrausch ein und machte den Ort während einiger Jahrzehnte zur bedeutendsten Quelle für Rohdiamanten. Heute gibt es wesentlich wichtigere Abbaugebiete. Der Name Kimberley hat jedoch im weltweiten Diamantengeschäft nichts an Bedeutung verloren.
Kampf gegen Konflikt-Diamanten
Grund ist der sogenannte Kimberley-Prozess. Mit diesem Abkommen reagierten die am Diamantengeschäft beteiligten Länder 2003 auf die brutalen Bürgerkriege der 1990er Jahren, die oft durch den Handel mit Diamanten finanziert wurden. In Liberia, Sierra Leone oder Angola kauften Rebellenorganisationen mit dem Erlös der Diamantenminen die Waffen für ihren Kampf gegen die Regierung. Wer litt, war die Bevölkerung.
1998 reagierte der UNO-Sicherheitsrat und verbot der angolanischen Rebellenorganisation Unita erstmals die Ausfuhr von Diamanten. Zwei Jahre später trafen sich in Kimberley die diamantenproduzierenden Länder – darunter auch die Schweiz und die EU – und verpflichteten sich, ausschliesslich mit Diamanten zu handeln, für die ein offizielles Dokument vorliegt.
Jeder Rohdiamant muss seitdem von einem fälschungssicheren Zertifikat begleitet sein, das transparent macht, wann, wo und von wem die Edelsteine geschürft wurden. Staaten, welche dieses Zertifikationssystem nicht anwenden, werden vom Handel mit Rohdiamanten ausgeschlossen.
Prozess gescheitert
An der Ausarbeitung des Kimberley-Prozesses waren auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Amnesty International oder Global Witness beteiligt. Doch gerade diese attackieren das Projekt scharf: Trotz des Abkommens gibt es immer wieder Berichte über Korruption und gefälschte Zertifikate. Global Witness kritisiert, dass Blutdiamanten aus Côte d'Ivoire in den Handel gelangt seien und auch Venezuela immer wieder gegen die Regeln des Abkommens verstossen habe, ohne dafür geahndet worden zu sein.
Ende 2011 zertifizierte der Kimberley-Prozess gar den Export von Diamanten aus dem Osten Zimbabwes, obwohl die Einnahmen aus diesen Minen laut Menschenrechtsorganisationen zum Grossteil direkt in die Kassen von Diktator Robert Mugabe fliessen. Nach diesem Entscheid zog sich Global Witness aus dem Abkommen zurück. Der Vorwurf: Es habe versagt.
Zweifelhaftes Anlageobjekt
Der Kimberley-Prozess bleibt in der Kritik und hat einen schweren Stand: Die globale Krise hat Diamanten zu einem begehrten Anlageobjekt gemacht. Die Preise steigen. Der weitaus grösste Teil der gehandelten Diamanten kommt heute aus zertifizierter Produktion. Doch eine 100-prozentige Sicherheit, dass mit seinem Schmuckstück nicht irgendwo ein schmutziger Krieg mitfinanziert wurde, hat immer noch niemand, der sich einen Diamanten leistet. Auch der Kimberley-Prozess bietet dafür offenbar keine Gewähr.



