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«Einstein»-Specials

Fussball

Jogi Löws geheime Helfer

Jo Siegler für «Einstein»
Mittwoch, 13. Juni 2012, 14:39 Uhr, Aktualisiert 14:39 Uhr

Die EM wird auf dem Rasen entschieden. Aber nicht nur. Gut 45 Kölner Studenten analysieren die Gegner der deutschen Fussball-Mannschaft bis ins kleinste Detail. Sie liefern Jogi Löws Team damit wertvolle Hinweise zur richtigen Taktik – und zum Tor-Erfolg.

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Jogi Löws geheime Helfer - Kölner Sportstudenten analysieren im Auftrag des DFB die Gegner der deutschen National-Mannschaft.

Sie dürfen genau das tun, was ihnen am liebsten ist: Fussball gucken, bis der Arzt kommt. Doch in den Räumen der Kölner Sporthochschule wird nicht gejubelt und gefiebert, es herrscht absolute Stille und höchste Konzentration: Der Sportstudent Alexander Otto und seine Kommilitonen beobachten im Auftrag des DFB Spiele und Spieler der nächsten EM-Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Kommenden Sonntag wird dieser Gegner Dänemark sein. Und so knöpft sich das Forscher-Team die Mannschaft von Morten Olsen vor.

«Hey, lass dir mal was Neues einfallen!»

Spieler für Spieler wird genau unter die Lupe genommen: Jede Bewegung, jeder Blick zum Teamkollegen, jeder Trick und jede kleine Gemeinheit – alles findet seinen Niederschlag in der Datenbank. «Man lernt die Spieler allmählich ganz genau kennen, auch alle Tricks. Da denkt man schon manchmal: Hey, lass dir mal was Neues einfallen!» erzählt Alexander Otto nicht ohne ein gewisses Selbstbewusstsein in der Stimme.

Die Kniffe und Strategien der analysierten Fussballer werden fein säuberlich in Tabellen eingetragen und anschliessend statistisch ausgewertet. Selbst modernste Analyse-Software ist bisher noch nicht in der Lage, ein Fussballspiel so en Detail zu untersuchen wie die Sportstudenten. Und die haben noch dazu eine Geheimwaffe: Frauen.

Weibliche Intuition

So wie die Bundesliga-Spielerin Nadine Rolser. Mit ihrer Erfahrung als Aktive und mit weiblicher Intuition sieht sie offenbar Dinge, die ihren männlichen Kollegen entgehen. Was das genau ist? Streng geheim! Genauso wie die Anzahl der weiblichen Teilnehmer, die bei der Spielanalyse eingesetzt werden.

Im Lauf von nur wenigen Wochen kommen so Tausende von Daten zusammen – gut 600 Seiten Papier und 60 Stunden Videomaterial pro Mannschaft. Das fertige Dossier wird express ins Quartier der deutschen Nationalmannschaft nach Danzig geschickt. Ein Analyseteam um den Schweizer Urs Siegenthaler, den sportlichen Chefstrategen der Nationalmannschaft, wird daraus vielleicht 5 Seiten kondensieren. Erst diese Quintessenz wird an den Trainerstab um Jogi Löw weitergegeben.

Eine kleine Notiz verschaffte den Sieg

Wie wirkungsvoll diese Analysen sein können, erzählen die Kölner Forscher immer wieder gerne: 2006 steckt Torwarttrainer Andi Köpke vor dem Penalty-Schiessen während der Fußball-WM gegen Argentinien seinem Goalie Jens Lehmann einen Zettel zu. Lehmann liest, hält und Deutschland gewinnt das Spiel. Köpke habe sich auf die Daten aus Köln verlassen. Der Zettel wird heute übrigens im Bonner Haus der Geschichte ausgestellt – neben Adenauers Mercedes und Teilen der Berliner Mauer.

Die Kölner Forscher wissen, dass die Mannen um Jogi Löw ihre Analysen nur selten so explizit wie damals nutzen können. Entschieden wird ein Fussballspiel immer noch auf dem Feld. Trotzdem sind die Studierenden stolz auf ihre Leistung. Alexander Otto: «Wenn nur ein Prozent unserer Analyse dem DFB nutzt, dann haben wir unsere Aufgabe erfüllt. Und wenn genau dieses eine Prozent hilft, den Gegner zu schlagen, dann sind wir absolut zufrieden.»

Am Montag werden wir sehen, ob sie wieder einen entscheidenden Hinweis gegeben haben. Doch bis es so weit ist, bleibt alles: Streng geheim!

Und das stand auf dem Zettel

1. Riquelme links hoch

2. Crespo langer Anlauf/rechts, kurzer Anlauf/links

3. Heinze 6 links flach

4. Ayala 2 lange warten, langer Anl. rechts

5. Messi links

6. Aimar 16 lange warten links

7. Rodríguez 18 links.

8. Cruz 20 / lange warten rechts.