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Die Schattenrechnung der Versicherer

Marcel Sigrist
Montag, 1. Oktober 2012, 11:08 Uhr, Aktualisiert 02.10.2012, 9:40 Uhr

Das Geschäft mit der 2. Säule Unvorhergesehene Solidarität: Die 2. Säule des Schweizer Rentensystems unterscheidet sich fundamental von der 1. Säule.

(Sendung vom 13.12.2010)
2. Säule
ist für die Lebensversicherer hoch profitabel – auch, weil sie Defizite im Bereich Verwaltung indirekt auf die Versicherten abwälzen können. Es geht um mehr als 1 Milliarde Franken.

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Das Thema bei «ECO» am 01.10.2012: 2. Säule: Die Schattenrechnung der Versicherer

Über 800 Milliarden Franken Vorsorgekapital sind in der  2. Säule Unvorhergesehene Solidarität: Die 2. Säule des Schweizer Rentensystems unterscheidet sich fundamental von der 1. Säule.

(Sendung vom 13.12.2010)
2. Säule
investiert. Davon verwalten die Lebensversicherer rund 130 Milliarden. Sie verdienen mit diesem Geschäft viel Geld - trotz Finanz- und Schuldenkrise. Die Finanzmarktaufsicht hat kürzlich die aktuellsten Zahlen publiziert: 2011 waren es über eine halbe Milliarde Franken. In den vergangenen 6 Jahren rund 1,8 Milliarden Franken.

Erträge und Aufwendungen im 2.-Säule-Geschäft verbuchen die Lebensversicherer über drei Posten. Auffällig: Bei der Rendite Die Rendite gibt das Verhältnis der Einzahlungen zu den Auszahlungen einer Geld- bzw. Kapitalanlage an und wird meist in Prozent und jährlich angegeben. Bei Wertpapieren beispielsweise bezeichnet die Rendite den in Prozenten des Kaufpreises angegebene Ertrag, den das Papier bei Berücksichtigung aller Faktoren (Dividende, Kursgewinn etc.) jährlich erbringt. Rendite auf die ihnen anvertrauten Kapitalien und bei den Risikoversicherungen stehen die Versicherer über die vergangenen Jahre deutlich im Plus. Anders bei der Verwaltung: Dort schreiben fast alle Versicherungs-Gesellschaften Defizite. Kumuliert beläuft sich der Fehlbetrag seit 2006 auf rund 1 Milliarde Franken.

Bild Taschenrechner
Das Minus in der Verwaltung belasten Versicherer offenbar einem Reservetopf, der den Versicherten gehört. colourbox

Diese Defizite verrechnen die Unternehmen zu Lasten des so genannten Überschussfonds – ein Reservetopf, der den Versicherten gehört. Die Schattenrechnung ist nachzulesen in einem weitgehend unbeachteten Anhang einer Studie des Bundesamtes für Sozialversicherungen.

«Das ist empörend»
Rudolf Rechsteiner, SP-Nationalrat

Das Geld fehlt letztlich den Angestellten von hunderttausenden KMU, die ihre Pensionskasse über einen Lebensversicherer organisieren. Angesichts stagnierender Renditen an den Börsen, einer tiefen Mindestverzinsung des Vorsorgekapitals und wenig Aussicht auf eine Besserung ist diese Milliarde eine hohe Summe.

Wettbewerb wird verzerrt

«Das ist empörend», sagt der Pensionskassen-Experte und ehemalige SP-Nationalrat  Rudolf Rechsteiner im Interview mit «ECO». Ein Grund dafür sei, dass die Lebensversicherer mit zu tiefen Prämien für die Verwaltung den Wettbewerb verzerren würden, um an Aufträge zu kommen, meint er weiter.

Auf Anfrage von «ECO» verweisen Swiss Life, Zurich Insurance Group, Allianz Suisse und Bâloise an den Schweizerischen Versicherungsverband (SVV). Dieser betont, er könne im Detail nicht für die Versicherungs-Gesellschaften sprechen. «Die Behauptung, dass den Versicherten über die Jahre eine Milliarde Franken entgangen sind, ist falsch» schreibt der SVV gegenüber «ECO». Der Spar-, der Risiko- und der Kostenprozess würden gesamthaft betrachtet. Ein Defizit bei der Verwaltung würde deshalb nicht dem Überschussfonds belastet. Die Mobiliar schreibt, sie sei als Teilanbieter von Versicherungslösungen im Bereich der 2. Säule Unvorhergesehene Solidarität: Die 2. Säule des Schweizer Rentensystems unterscheidet sich fundamental von der 1. Säule.

(Sendung vom 13.12.2010)
2. Säule
nur am Rande vom Thema betroffen.

Politisch blockiert

Dieses Verhalten der Versicherer ist legal. Die Kommission Die Kommission ist eine Gebühr, die von einer Bank für ihre Dienstleistungen verrechnet wird. Banken verlangen beispielsweise oft bei einem Geldwechsel in eine andere Währung eine Kommission. Kommission «Soziale Sicherheit und Gesundheit» des Nationalrats wollte diese Schattenrechnung im letzten Jahr mit einer parlamentarischen Initiative unterbinden: Die Versicherungskonzerne sollten gezwungen werden, die Prämien für die Verwaltung im Voraus festzulegen, um nicht nachträgliche Defizite über den Überschussfonds abrechnen zu können.

Die entsprechende ständerätliche Kommission Die Kommission ist eine Gebühr, die von einer Bank für ihre Dienstleistungen verrechnet wird. Banken verlangen beispielsweise oft bei einem Geldwechsel in eine andere Währung eine Kommission. Kommission hat vor Jahresfrist die Initiative grossmehrheitlich abgelehnt. Die Schattenrechnung der Versicherer geht weiter.