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Reto Lipp: «Nationalbank wird Mindestkurs noch lange halten»

Donnerstag, 6. September 2012, 13:54 Uhr

Es ist exakt 1 Jahr her. Am 6. September 2011 kommunizierte die Schweizerische Nationalbank, sie toleriere ab sofort keinen Euro-Franken- Kurs Der Kurs eines Wertpapiers steht für dessen Kaufpreis beziehungsweise den Verkaufspreis. Dieser Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Der Kurs ist der meist amtlich festgesetzte Marktpreis für die an einer Börse gehandelten Wertpapiere. Kurs unter 1.20 mehr. Eine riskante, aber notwendige Massnahme. SRF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp beschreibt im Interview, wie sich die Nationalbank einst wieder vom Euro lösen könnte.

Bild Reto Lipp
Noch muss der Kurs Der Kurs eines Wertpapiers steht für dessen Kaufpreis beziehungsweise den Verkaufspreis. Dieser Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Der Kurs ist der meist amtlich festgesetzte Marktpreis für die an einer Börse gehandelten Wertpapiere. Kurs mit Zukäufen sichergestellt werden. Reto Lipp: «Wir sind noch weit von den 1.20 entfernt.» srf

Die Schweizerische Nationalbank hat vor einem Jahr einen Mindestkurs zum Euro von 1.20 kommuniziert. Das bedeutet regelmässige Divisen-Käufe. Wo liegen die Risiken des bisherigen Vorgehens der SNB?

Reto Lipp: Um ihre Glaubwürdigkeit zu halten, muss die Nationalbank den Mindestkurs auf jeden Fall verteidigen, und das kann sehr teuer werden. Die Nationalbank hat inzwischen Euros für über 230 Milliarden aufgehäuft.

Sollte sie den Mindestkurs aufheben und der Euro fällt um 20 Prozent gegenüber dem Franken, verliert sie auf einen Schlag über 50 Milliarden. Das ist praktisch ihr ganzes Eigenkapital Vermögen eines Unternehmens abzüglich der Schulden (Fremdkapital). In der Bilanz erscheinen unter Eigenkapital sämtliche Mittel, welche die Inhaber der Unternehmung zur Verfügung stellen. Es wird dabei zwischen Beteiligungsfinanzierung (von aussen) und Selbstfinanzierung (von der Unternehmung erwirtschaftet) unterschieden. Eigenkapital . Sie kann also den Mindestkurs derzeit nicht aufheben, ohne selbst Milliarden-Verluste einzufahren.

Wie lange wird der Euro-Franken- Kurs Der Kurs eines Wertpapiers steht für dessen Kaufpreis beziehungsweise den Verkaufspreis. Dieser Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Der Kurs ist der meist amtlich festgesetzte Marktpreis für die an einer Börse gehandelten Wertpapiere. Kurs noch bei 1.20 bleiben?

Die Nationalbank hat ein Ausstiegsszenario, kann dies aber natürlich wegen der Spekulanten nicht bekannt geben. Am besten wäre es, die Lage im Euro-Raum würde sich stabilisieren, der Euro wieder stärker werden, der Franken sich demgegenüber abschwächen auf 1.30 – und dann könnte die Nationalbank elegant den Mindestkurs aufheben.

Wie wahrscheinlich ist das?

Derzeit sieht es nicht danach aus. Denn dazu müsste sich die Euro-Zone stabilisieren, und man müsste wissen, was denn nun mit Griechenland geschieht. In den nächsten Wochen stehen derart viele Entscheidungen in der Euro-Zone an (wie z. B. das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Euro- Rettungsschirm Der Stabilisierungsfonds der EU, auch Rettungsschirm genannt, wurde vor dem Hintergrund der Eurokrise im Mai 2010 von den EU-Finanzministern beschlossen. Er dient dazu, die Währung Euro zu stabilisieren und Euro-Staaten vor dem Bankrott zu bewahren.
Der grösste Teil des bis zu 750 Milliarden umfassenden Schirms, besteht aus einem Fonds von 440 Milliarden. Dieser Fonds wird von den Euro-Staaten finanziert.
Zu dessen Verwaltung wurde eine Zweckgesellschaft nach Luxemburger Recht gegründet, die sogenannte «European Financial Stability Facility» kurz «EFSF.
Aus dem EU-Haushalt fliessen 60 Milliarden Euro in den Fonds. Ausserdem stellt der Internationale Währungsfonds IWF 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Es wird in jedem Fall neu beurteilt, wie viel Geld wann aus welcher Quelle kommt.
Der Fonds ist nicht primär zur Bankenrettung gedacht. Dafür stehen nationale Bankenrettungsfonds zur Verfügung. Der Rettungsschirm kommt allerdings dann zum Einsatz, wenn ein Land durch die Rettung der eigenen Banken in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Voraussetzung für die Unterstützung durch den «EFSF» ist jedoch die Einhaltung strenger Reformauflagen. Diese werden durch den Internationalen Währungsfonds IWF und die zuständigen Instanzen der EU kontrolliert.
Rettungsschirm
), dass mit einer Beruhigung nicht zu rechnen ist.

Was ist also die Alternative?

Sollte die Nationalbank den Mindestkurs noch sehr lange aufrecht erhalten, z. B. 2 bis 3 Jahre, dann wird der Franken ohnehin wegen der tieferen Inflation Inflation bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen andauernden, signifikanten Anstieg des Preisniveaus, auch Teuerung genannt. Dadurch verändert sich das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes. Preise erhöhen sich, Waren und Dienstleistungen werden teurer. Mit einer Geldeinheit kann stetig weniger gekauft werden. Beispielsweise kann ich heute mit 10 Franken 4 grosse Flaschen Cola kaufen. Zehn Jahre später kann ich für den gleichen Betrag, nur noch 3 Flaschen Cola kaufen, denn das Geld hat an Wert verloren. Inflation entsteht, wenn der gesamten Gütermenge eine zu grosse Geldmenge gegenüber steht, weil Staaten oder Zentralbanken zu viel Geld in Umlauf bringen. Die Preissteigerungen lösen steigende Löhne aus, das führt wiederum zu erhöhter Nachfrage. Verschiedene Geschwindigkeiten der Inflation führen zu stärkeren oder schwächeren Auswirkungen. Die Verhinderung einer signifikanten Inflation ist ein wichtiges geldpolitisches Ziel der Schweizerischen Nationalbank.

Es gibt verschiedene Schweregrade von Inflation. Von einer leichten Inflation spricht man, wenn der Wertverlust des Geldes jährlich zwischen 0 und 5 Prozent liegt. Bei einer schweren Inflation liegt der Wertverlust über fünf Prozent. Verliert das Geld monatlich über 50 Prozent an Wert, ist die Inflation besonders schwer und man spricht von einer Hyperinflation.

Inflation
in der Schweiz immer stärker und wird dann gegen 1.20 tendieren. Dann könnte die Nationalbank den Mindestkurs ebenfalls ohne grössere Probleme aufheben, weil der faire Wert dann eben gegen 1.20 tendiert.

Eine solche Anpassung über die Inflationsdifferenz dauert aber ziemlich lange. Wir sind noch weit von den 1.20 entfernt. Ich gehe davon aus, dass die Nationalbank den Mindestkurs noch für einige Zeit halten muss. Die Risiken für die Schweizer Wirtschaft sind immer noch gross.

Ist es derzeit illusorisch, einen höheren Franken-Euro- Kurs Der Kurs eines Wertpapiers steht für dessen Kaufpreis beziehungsweise den Verkaufspreis. Dieser Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Der Kurs ist der meist amtlich festgesetzte Marktpreis für die an einer Börse gehandelten Wertpapiere. Kurs als 1.20 zu fordern, etwa 1.30? Auch Stimmen, die für 1.40 plädierten, waren letzten Herbst noch laut geworden.

Davon spricht derzeit niemand mehr. 1.40 wären zwar für die Wirtschaft eine grosse Erleichterung, derzeit aber unrealistisch, wenn man davon ausgeht, dass die Kaufkraftparität Kaufkraftparität liegt vor, wenn der Wechselkurs derart bestimmt wird, dass bei gegebenen Preisniveaus in zwei Ländern die Kaufkraft der in- und der ausländischen Währung gleich ist. Kaufkraftparität bedeutet also nichts anderes als das «Gesetz des einheitlichen Preises», das zur Erklärung des Wechselkurses dient.
Kaufkraftparität
eher bei 1.30 liegt.

Aber auch 1.30 sind schwierig. Die Nationalbank hat keinen Zauberstab, mit dem sie den Kurs Der Kurs eines Wertpapiers steht für dessen Kaufpreis beziehungsweise den Verkaufspreis. Dieser Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Der Kurs ist der meist amtlich festgesetzte Marktpreis für die an einer Börse gehandelten Wertpapiere. Kurs mal schnell auf diesen Kurs Der Kurs eines Wertpapiers steht für dessen Kaufpreis beziehungsweise den Verkaufspreis. Dieser Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Der Kurs ist der meist amtlich festgesetzte Marktpreis für die an einer Börse gehandelten Wertpapiere. Kurs heben kann. Er muss auf dem Markt durchgesetzt werden.

Wenn wegen der Euro-Krise auf dem Markt viele Anleger Ein Anleger ist eine Person, die das ihr zur Verfügung stehende Vermögen in Wertpapiere investiert, oder eben anlegt. Anleger ihre Euros loswerden und Franken kaufen wollen, dann wird es sehr schwierig, sich gegen den Markt zu stellen, auch wenn man Milliarden zur Verfügung hat wie die Nationalbank.

In den letzten Monaten hat die Nationalbank 100 Milliarden Euro investiert, nur um den Mindestkurs von 1.20 zu halten. Das ist ein Fünftel der jährlichen Wirtschaftsleistung der Schweiz – eine ungeheure Summe. Hätte sie den Mindestkurs bei 1.30 festgesetzt, hätte sie vielleicht das Doppelte investieren müssen.

Ein Jahr Mindestkurs: Thomas Jordan im Interview (ECO, 27.08.12)

(fref/siem)

Kommentare aktiv...

B. Jorns
(benedikt.jorns Mann)
Verfasst am: 10.9.2012 8:44

Die Sicherheit der erfolgten Kapitalanlagen ist relevant

Die Nationalbank ist kein Unternehmen im... mehr

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B. Sure, Hirzel
(boahee Mann)
Verfasst am: 6.9.2012 14:23

Wir könnten den Job der EZB übernehmen und Staatsanleihen

mit diesen über 200 Milliarden Euros kaufen...... mehr

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