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Tourismus: Städte überflügeln Berge
Wenn die Temperaturen nicht stimmen oder der Schweizer Franken stark ist, bleiben viele Schweiz-Besucher fern. Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt aber: Einige Regionen konnten deutlich an Marktanteilen gewinnen.
Die Region Basel ist ein touristischer Überflieger. Um mehr als 50 % legten die Übernachtungen in den vergangenen 10 Jahren zu. Im Dreiländereck erklärt man den Erfolg so: «Wir sind im Freizeit-Tourismus an den Wochenenden gewachsen», sagt der Basler Tourismus-Direktor Daniel Egloff. «Die Positionierung Basels als Kulturstadt, das hat sehr gut funktioniert und den Auslastungsgrad der Hotels verbessert.» Auch der Geschäfts- und Kongress-Tourismus trägt einen grossen Anteil an der Entwicklung.
Die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel hat die Entwicklung der Hotel-Übernachtungen in den vergangenen 10 Jahren für «ECO» analysiert.
| Region |
Anteil Hotel-Ü. |
Veränderung 2001–2011 |
| Graubünden |
15,2 % |
–11,2 % |
| Zürich |
14,7 % |
+21,1 % |
| Wallis |
11,5 % |
–4,2 % |
| Tessin |
6,7 % |
–18,2 % |
| Genf |
8,1 % |
+22,7 % |
| Basel |
4,1 % |
+51,8 % |
| Neuchâtel / Jura / Berner Jura |
1,1 % |
–9,7 % |
Ganz generell gehören die urbanen Zentren zu den Tourismus-Gewinnern. Die Regionen Genf und Zürich legten bei den Übernachtungen um ein Fünftel zu. In Genf übernachten inzwischen 8 % aller Gäste in der Schweiz, in Zürich 15 %.
Tessin als Verlierer des Jahrzehnts
In anderen, vor allem in Berg-Regionen, sind viele Gäste fern geblieben. Graubünden, Wallis, Jura – sie alle büssten Übernachtungen ein. Graubünden muss mit 11 Prozent weniger Hotel-Gästen leben, ist aber mit 15 % aller Übernachtungen weiterhin die wichtigste Tourismus-Region der Schweiz.
Der grösste Verlierer heisst: Tessin. Dort übernachten im Vergleich mit 2001 rund 18 % weniger Gäste. Nicht einmal mehr 7 % der Hotelgäste entscheiden sich für den Kanton auf der Südseite des Gotthards.
Der Tessiner Tourismus-Direktor Tiziano Gagliardi gesteht Fehler ein: «Die Hotellerie war nicht immer auf der Höhe der Zeit. Es gab diejenigen, die investierten, und sie sind noch im Geschäft. Wer nicht investierte, hatte am Ende das Nachsehen, denn die Konkurrenz ist hart.»
Schweizer als treue Gäste
Fest steht: Der starke Franken wird weiterhin viele Gäste aus den traditionellen Herkunftsländern von ihren Ferien in der Schweiz abhalten. Es kommen heute deutlich weniger US-Amerikaner (minus 21 %), Deutsche (minus 17 %) und Briten (minus 14 %). Vielversprechend sind aber Osteuropäer und Asiaten (ohne Japaner). Sie kommen schon heute doppelt so oft in Schweizer Hotels wie vor 10 Jahren.
| Herkunft der Besucher |
Anteil Hotel-Ü. |
Veränderung 2001–2011 |
| Schweiz |
43,2 % |
+7,5 % |
| Deutschland |
16,9 % |
–17,2 % |
| Grossbritannien |
5,8 % |
–14,3 % |
| USA |
4,6 % |
–20,6 % |
| Frankreich |
3,8 % |
+12 % |
| Asien (o. Japan) |
3,4 % |
+129,7 % |
| Osteuropa |
2,7 % |
+103,4 % |
Wer es nicht schafft, Besuchergruppen aus diesen Regionen anzuziehen, wird das Nachsehen haben.
Eines sollten die Schweizer Tourismus-Verantwortlichen sich aber bewusst machen: Ihre wichtigsten Gäste finden sie im Inland. Fast jede zweite Hotelübernachtung bucht nach wie vor ein Einwohner aus der Schweiz.
Die Entwicklung im Schweizer Tourismus zeigte «ECO» am 25.06.2012.


