Inhalt

Übersicht

Reto Lipp zu Zypern: «Ansteckungs-Effekte sind brandgefährlich»

Montag, 25. Juni 2012, 19:13 Uhr

Hoch verschuldet hat sich Zypern unter den Rettungsschirm Der Stabilisierungsfonds der EU, auch Rettungsschirm genannt, wurde vor dem Hintergrund der Eurokrise im Mai 2010 von den EU-Finanzministern beschlossen. Er dient dazu, die Währung Euro zu stabilisieren und Euro-Staaten vor dem Bankrott zu bewahren.
Der grösste Teil des bis zu 750 Milliarden umfassenden Schirms, besteht aus einem Fonds von 440 Milliarden. Dieser Fonds wird von den Euro-Staaten finanziert.
Zu dessen Verwaltung wurde eine Zweckgesellschaft nach Luxemburger Recht gegründet, die sogenannte «European Financial Stability Facility» kurz «EFSF.
Aus dem EU-Haushalt fliessen 60 Milliarden Euro in den Fonds. Ausserdem stellt der Internationale Währungsfonds IWF 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Es wird in jedem Fall neu beurteilt, wie viel Geld wann aus welcher Quelle kommt.
Der Fonds ist nicht primär zur Bankenrettung gedacht. Dafür stehen nationale Bankenrettungsfonds zur Verfügung. Der Rettungsschirm kommt allerdings dann zum Einsatz, wenn ein Land durch die Rettung der eigenen Banken in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Voraussetzung für die Unterstützung durch den «EFSF» ist jedoch die Einhaltung strenger Reformauflagen. Diese werden durch den Internationalen Währungsfonds IWF und die zuständigen Instanzen der EU kontrolliert.
Rettungsschirm
geflüchtet. Für SF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp ist das keine Überraschung. Die Wirtschaften Griechenlands und Zyperns sind eng verflochten. Im Interview beantwortet Reto Lipp die wichtigsten Fragen zum Hilferuf des Inselstaates und dessen Konsequenzen.

Bild Reto Lipp
«Zypern schlüpft unter den Rettungsschirm Der Stabilisierungsfonds der EU, auch Rettungsschirm genannt, wurde vor dem Hintergrund der Eurokrise im Mai 2010 von den EU-Finanzministern beschlossen. Er dient dazu, die Währung Euro zu stabilisieren und Euro-Staaten vor dem Bankrott zu bewahren.
Der grösste Teil des bis zu 750 Milliarden umfassenden Schirms, besteht aus einem Fonds von 440 Milliarden. Dieser Fonds wird von den Euro-Staaten finanziert.
Zu dessen Verwaltung wurde eine Zweckgesellschaft nach Luxemburger Recht gegründet, die sogenannte «European Financial Stability Facility» kurz «EFSF.
Aus dem EU-Haushalt fliessen 60 Milliarden Euro in den Fonds. Ausserdem stellt der Internationale Währungsfonds IWF 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Es wird in jedem Fall neu beurteilt, wie viel Geld wann aus welcher Quelle kommt.
Der Fonds ist nicht primär zur Bankenrettung gedacht. Dafür stehen nationale Bankenrettungsfonds zur Verfügung. Der Rettungsschirm kommt allerdings dann zum Einsatz, wenn ein Land durch die Rettung der eigenen Banken in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Voraussetzung für die Unterstützung durch den «EFSF» ist jedoch die Einhaltung strenger Reformauflagen. Diese werden durch den Internationalen Währungsfonds IWF und die zuständigen Instanzen der EU kontrolliert.
Rettungsschirm
, um die zypriotischen Banken zu retten.» srf

Jetzt ist Zypern unter den Rettungsschirm Der Stabilisierungsfonds der EU, auch Rettungsschirm genannt, wurde vor dem Hintergrund der Eurokrise im Mai 2010 von den EU-Finanzministern beschlossen. Er dient dazu, die Währung Euro zu stabilisieren und Euro-Staaten vor dem Bankrott zu bewahren.
Der grösste Teil des bis zu 750 Milliarden umfassenden Schirms, besteht aus einem Fonds von 440 Milliarden. Dieser Fonds wird von den Euro-Staaten finanziert.
Zu dessen Verwaltung wurde eine Zweckgesellschaft nach Luxemburger Recht gegründet, die sogenannte «European Financial Stability Facility» kurz «EFSF.
Aus dem EU-Haushalt fliessen 60 Milliarden Euro in den Fonds. Ausserdem stellt der Internationale Währungsfonds IWF 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Es wird in jedem Fall neu beurteilt, wie viel Geld wann aus welcher Quelle kommt.
Der Fonds ist nicht primär zur Bankenrettung gedacht. Dafür stehen nationale Bankenrettungsfonds zur Verfügung. Der Rettungsschirm kommt allerdings dann zum Einsatz, wenn ein Land durch die Rettung der eigenen Banken in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Voraussetzung für die Unterstützung durch den «EFSF» ist jedoch die Einhaltung strenger Reformauflagen. Diese werden durch den Internationalen Währungsfonds IWF und die zuständigen Instanzen der EU kontrolliert.
Rettungsschirm
geflüchtet. Kam das unerwartet?

Nicht ganz unerwartet, denn das zypriotische Bankensystem ist sehr stark mit dem griechischen verknüpft.

Und was bedeutet diese Verflechtung für die zypriotische Wirtschaft?

Zyperns Banken haben sich in den guten Zeiten sehr stark in Griechenland engagiert und sind natürlich von der griechischen Krise stark betroffen. Es gibt nun Ansteckungseffekte, welche Zyperns Banken extrem belasten. Viele Kredite werden angesichts der Krise in Griechenland nicht mehr bedient und stellen sich nun als faule Kredite heraus, die abgeschrieben werden müssen. Zypern schlüpft unter den Rettungsschirm Der Stabilisierungsfonds der EU, auch Rettungsschirm genannt, wurde vor dem Hintergrund der Eurokrise im Mai 2010 von den EU-Finanzministern beschlossen. Er dient dazu, die Währung Euro zu stabilisieren und Euro-Staaten vor dem Bankrott zu bewahren.
Der grösste Teil des bis zu 750 Milliarden umfassenden Schirms, besteht aus einem Fonds von 440 Milliarden. Dieser Fonds wird von den Euro-Staaten finanziert.
Zu dessen Verwaltung wurde eine Zweckgesellschaft nach Luxemburger Recht gegründet, die sogenannte «European Financial Stability Facility» kurz «EFSF.
Aus dem EU-Haushalt fliessen 60 Milliarden Euro in den Fonds. Ausserdem stellt der Internationale Währungsfonds IWF 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Es wird in jedem Fall neu beurteilt, wie viel Geld wann aus welcher Quelle kommt.
Der Fonds ist nicht primär zur Bankenrettung gedacht. Dafür stehen nationale Bankenrettungsfonds zur Verfügung. Der Rettungsschirm kommt allerdings dann zum Einsatz, wenn ein Land durch die Rettung der eigenen Banken in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Voraussetzung für die Unterstützung durch den «EFSF» ist jedoch die Einhaltung strenger Reformauflagen. Diese werden durch den Internationalen Währungsfonds IWF und die zuständigen Instanzen der EU kontrolliert.
Rettungsschirm
, um die zypriotischen Banken zu retten.

Wie wichtig ist Zypern für die Euro-Zone?

Zypern ist natürlich insgesamt für die Euro-Zone unbedeutend. Es handelt sich um eine ihrer kleinsten Volkswirtschaften. Doch es zeigt sich anhand dieses Beispiels einmal mehr, in welchem Masse Ansteckungs-Effekte im Gang sind, die von einem Land zum anderen übergreifen. Das ist brandgefährlich, denn der Rettungsschirm ist bereits jetzt stark belastet und könnte einen Zahlungsausfall Spaniens oder Italiens nicht refinanzieren.

Die grösste Gefahr geht im Moment sicher von Spanien aus, denn das Geld, das an die spanischen Banken ausbezahlt wird, erhöht die spanische Verschuldung. Diese dürfte bald gegen 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung tendieren.

Welche sind die nächsten Schritte der EU-Politiker?

Die Ungewissheit hält an, das zeigt sich an den stark negativen Börsen zum Wochenauftakt. Selbst die Wachstumsinitiative, die Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien Ende letzter Woche beschlossen haben, hat die Aktienmärkte nicht im geringsten beeindruckt.

Anleger Ein Anleger ist eine Person, die das ihr zur Verfügung stehende Vermögen in Wertpapiere investiert, oder eben anlegt. Anleger schauen bereits voraus auf den EU-Gipfel Ende dieser Woche. Sie sind skeptisch, dass dann beispielsweise eine Banken-Union oder ein europaweiter Sicherungsfonds für Sparguthaben abgesegnet wird. Diese Unsicherheit ist Gift für die Euro-Zone. Das Vertrauen müsste zurückgewonnen werden, bisher ist das aufgrund der zögerlichen Handlungsweise der EU-Chefs nicht gelungen.

Griechenland hat eine neue Regierung. Ist die Gefahr eines Austritts aus der Euro-Zone jetzt definitiv gebannt?

Überhaupt nicht – der letzte Woche mit viel Vorschusslorbeeren gestartete neue griechische Finanzminister ist bereits wieder zurückgetreten, allerdings aus Krankheitsgründen. Unter den Ökonomen herrscht mehrheitlich die Meinung, dass irgendwann ein neuer Schuldenschnitt Als Schuldenschnitt, Englisch «Haircut», wird ein Abschlag auf die vereinbarten Zins- und/oder Tilgungsleistungen eines Schuldners bezeichnet. Der Schuldner bezahlt nach dem Schuldenschnitt nicht mehr die ursprünglich zugesagten Zinsen und/oder tilgt einen geringeren Betrag. Der Gläubiger verzichtet also auf einen Teil der Zinsen und/oder des Kapitals. Schuldenschnitt Griechenlands kommen muss. Der Schuldenberg ist langfristig einfach zu hoch.

Es stellt sich immer dringender die Frage, ob staatliche Institutionen wie die EZB oder der Währungsfonds, die viele griechische Staatsanleihen halten, dazu bereit sind – oder ob letztlich Griechenland einseitig ein Zins-Moratorium oder gar einen Schuldenschnitt Als Schuldenschnitt, Englisch «Haircut», wird ein Abschlag auf die vereinbarten Zins- und/oder Tilgungsleistungen eines Schuldners bezeichnet. Der Schuldner bezahlt nach dem Schuldenschnitt nicht mehr die ursprünglich zugesagten Zinsen und/oder tilgt einen geringeren Betrag. Der Gläubiger verzichtet also auf einen Teil der Zinsen und/oder des Kapitals. Schuldenschnitt verkünden wird. Das wäre aber dann vermutlich mit einem Austritt aus der Euro-Zone verbunden.

(siem)