Übersicht
Griechenland ohne Euro: Wie ein Währungsaustritt funktioniert
Es könnte ein Abschied vom Euro werden. Das Verlassen des Währungsraums im Falle Griechenlands ist kein Tabu mehr. Ein unkontrollierbarer Präzedenzfall? Keinesfalls.
Bild
Sollte Griechenland wirklich zu seiner Drachme zurückkehren, könnte die ehemalige Tschechoslowakei als Vorbild dienen. Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zerfiel die Donaumonarchie, und damit eine Währungsunion. Praktisch über Nacht musste das Land eine Währungsreform umsetzen.
Und diese erfolgte so: Finanzminister Alois Rašin liess alle Banknoten mit einem Stempel versehen – nur noch diese markierten Scheine waren gültig. Zeitgleich liess er das Militär die Grenzen bewachen. Niemand sollte sein Vermögen ins Ausland bringen können. Der Zahlungsverkehr der Banken und Postämter wurde für zwei Wochen eingestellt. Neue Banknoten wurden gedruckt – und diese anschliessend gegen die gestempelten Noten eingetauscht.
Der Wechsel war erfolgreich, weil der Finanzminister den Währungsaustritt für eine Sanierung seines Staatshaushaltes nutzte: Die Hälfte der alten Banknoten behielt der Staat ein. Das schnelle Handeln der Regierung verhinderte die
Hyperinflation
Der Begriff der Hyperinflation bezeichnet extrem hohe Inflation. Üblicherweise wird von Hyperinflation gesprochen, wenn die monatliche Inflationsrate mehr als 50 Prozent beträgt.
Hyperinflation
, die die umgrenzenden Länder befiel. Als die tschechoslowakische Krone eingeführt wurde, fand sie eine rasche Akzeptanz an den
Devisen
Devisen umfassen Geldforderungen, die auf fremde Währungen lauten und im Ausland zahlbar sind. Beispiele hierfür sind Sicht- und Terminguthaben auf das Ausland sowie Checks, die auf ausländische Währungen lauten.
Devisen
-Märkten.
«Erstaunlich schnelle Erholung»
Technisch wäre ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ebenfalls möglich und vergleichbar mit jenem der damaligen Tschechoslowakei. Die wirtschaftlichen Einschnitte für Griechenland wären jedoch dramatisch, da das Land auf einem schlechten wirtschaftlichen Fundament steht. Das bestätigt Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Er weist aber darauf hin: «Historisch ist es erstaunlich, wie schnell diese Länder sich wieder erholen».
Als Beispiel nennt er Argentinien. Das südamerikanische Land trat zwar nicht aus einer Währungsunion aus, entkoppelte 2001 aber den Peso vom US-Dollar. Die ökonomische Folge des Losbindens von einer Währung ist eine ähnliche wie bei einem Austritt: eine dramatische Abwertung der eigenen Währung.
Nach einem «brutalen Einbruch», wie ihn Tobias Straumann nennt, folgte eine rasche Erholung. «10 Jahre nach der Abwertung war der Lebensstandard in Argentinien höher als im letzten Krisenjahr», so Tobias Straumann.
Auch Schweiz betroffen
Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone würde auch die Schweiz treffen. Auf welchen Ebenen, zeigt das Wirtschaftsmagazin «ECO» heute Abend in einem Schwerpunkt zum
Währungsaustritt
Will sich ein Land sich von einer Währung lossagen, bedarf es mehrerer technischer Schritte.
(Sendung vom 21.05.2012)
Währungsaustritt
. Zu Gast live im Studio ist der Ökonom Klaus Wellershoff. Um 22.20 Uhr auf SF 1.
(siem / bost / koha / braa)


