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Facebook und Co.: Höhenflug und Crash der Internet-Firmen
Wer mit seiner Geschäftsidee aufs Internet setzt, kann sich nur einer Sache sicher sein: Es geht rasant. Während Amazon und Google schwindelerregende Erfolge feiern, müssen MySpace und Groupon ihrem Wert- Verfall Bezeichnet den vertraglich festgelegten Tag, an dem ein Derivat mit einer begrenzten Laufzeit verfällt. Verfall zusehen. Und Facebook gibt angesichts seines geplanten Börsenganges zu: Auf uns zu setzen, ist riskant.
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Die Nachfrage soll bereits seit Tagen das Angebot überschreiten. Erst am Dienstag hat Facebook die Preisspanne für die Aktienplatzierung weiter hochgeschraubt: von bis zu 38 Dollar pro Aktie ist nun die Rede.
Damit könnte Facebook zum Börsenstart am Freitag einen Gesamtwert von mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen – aktuell doppelt so viel wie der Autobauer Daimler oder die Kaffeehaus-Kette Starbucks und 4 x so viel wie die Bank Credit Suisse.
Facebook wäre so mit dem Hundertfachen seines Gewinns bewertet. Das Unternehmen erzielte im letzten Jahr 1 Mrd. US-Dollar, bei einem Umsatz von 3,7 Mrd. Viele Finanz-Spezialisten sind sich einig: Das ist überbewertet.
Zynga, Groupon, Pandora: Wertverlust
Der Traum vom virtuellen Erfolg kann schnell platzen. Die Börsengänge von Internet-Firmen im letzten Jahr lassen wenig Raum für Euphorie. So verloren der Browserspiele-Betreiber Zynga, der Online-Rabatt-Anbieter Groupon und das Internet-Radio Pandora massiv an Wert. Groupon ist nach einem halben Jahr gar nur noch die Hälfte wert.
Der Online-Markt entwickelt sich rasant – und aus hochgejubelten Ideen können plötzlich Konzepte von gestern werden. Das soziale Netzwerk MySpace kaufte der Medienmogul Rupert Murdoch 2005 und zahlte dafür 580 Mio. US-Dollar. MySpace entwickelte sich wenig lukrativ, die Nutzerzahlen gingen zurück. Im letzten Jahr wurde das Unternehmen für weniger als ein Zehntel des ursprünglichen Kaufpreises an eine kalifornische Werbefirma verramscht.
Ähnlich ergeht es studiVZ: Auch das deutsche Pendant zu Facebook muss dem rasanten Schwund seiner Mitglieder zusehen. Erste Medien munkeln, es werde das Jahr 2012 nicht überleben.
Facebook bescheinigt sich selbst hohes Risiko
Die Abhängigkeit von der Gunst der Nutzer – genau dies ist auch eines der Risiken für Facebook. In seinem Börsenprospekt nennt das Unternehmen zahlreiche Gefahren, die den Erfolg existenziell bedrohen könnten. Neben stagnierenden oder schwindenden Nutzerzahlen wären dies vor allem Einbussen in der Werbung – Facebook verdient 85 % seines Geldes mit Werbung – oder schlicht die Verdrängung durch neue Konkurrenten im hart umkämpften Internet-Markt. Facebook bescheinigt denn einem Investment in seine Aktien auch «a high degree of risk» – ein hohes Risiko.
Dennoch: Einige Online-Firmen feiern enorme Erfolge. Ebay und Amazon, zwei der wenigen Überlebenden der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends, haben heute ein Vielfaches ihres einstigen Börsenwerts – Amazon sogar das 200-Fache. Google hat derzeit, fast 8 Jahre nach seinem Börsengang, die 8-fache Markt-Kapitalisierung. LinkedIn ging vor einem Jahr an die Börse. Gleich am ersten Tag verdoppelte sich der Börsenwert des sozialen Business-Netzwerks, heute liegt er fast beim Dreifachen.
Laut ETH-Wirtschaftsforscher Peter Cauwels sei bereits eine neue Internet-Blase entstanden. Zynga und Groupon seien offensichtliche Beweise dafür. Seiner Meinung nach ist Facebook aktuell allerhöchstens 50 Milliarden Dollar wert. «Alles andere ist spekulativ», so Cauwels am 14. Mai im Wirtschaftsmagazin «ECO».
Um Erfolg zu haben, müsse Facebook weiter diversifizieren. Grösstenteils auf Werbung zu setzen und den Rest durch Provisionen von externen Firmen zu verdienen, die auf Facebook ihre Dienste anbieten dürfen, sei kein tragfähiges Modell. Jedoch: Peter Cauwels ortet Potenzial in Facebook: «Sie haben eine Plattform mit 900 Millionen Nutzern. Nun müssen sie herausfinden, wie man damit Geld macht.»


