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Reto Lipp zur Wegelin-Anklage: «Katastrophale Fehleinschätzung der Chefs»
Jetzt ist sie offiziell beschuldigt. Der Bank Wegelin wird von den USA vorgeworfen, US-Staatsbürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. SF-Wirtschaftsexperte Reto Lipp sagt im Interview, welches die Konsequenzen sind für die Rest-Wegelin, für die Raiffeisen-Gruppe und für den Finanzplatz Schweiz.
Reto Lipp, jetzt wurde die Bank Wegelin von den USA angeklagt. Haben Sie damit gerechnet?
Ja, denn es kursierten seit Tagen Gerüchte, dass die Finma Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma beaufsichtigt und kontrolliert alle Bereiche des Finanzwesens, insbesondere Banken, Versicherungen oder Börsen. Die Leitung der Finma wird vom Bundesrat besetzt. Die Finma ist seit dem 1. Januar 2009 aktiv. In der Finma werden die drei Behörden Bundesamt für Privatversicherungen BPV, Eidgenössische Bankenkommission EBK und die Kontrollstelle für die Bekämfpung der Geldwäscherei Kst GwG zusammengeführt. Finma damit gerechnet hat, dass die Anklage am letzten Montag komme. Deshalb wurde auch der ganze Wegelin-Deal mit der Raiffeisen-Bank noch in der letzten Woche durchgepeitscht, um den Amerikanern und damit einer Anklage zuvorzukommen.
Dass die USA ernst machen würden, war seit Tagen klar. Wegelin ist zudem keine systemrelevante Bank. Dass gewisse Experten sogar die Nationalbank aufbieten wollten, um Wegelin zu retten, ist absurd.
Wie nachvollziehbar ist diese Anklage-Erhebung für Sie?
Das ist ja jetzt erst einmal eine Anklage, die Amerikaner werden Beweise für das Verhalten von Wegelin vorlegen müssen. Wenn man sich allerdings in Banken-Kreisen umhört, dann ist klar, dass Wegelin sich nach dem Fall UBS intensiv um die ehemaligen UBS-Kunden bemüht hat.
Die Wegelin-Chefs haben dabei eine katastrophale Fehleinschätzung vorgenommen. Sie glaubten, wenn sie sich ans Schweizer Gesetz halten würden, seien sie vor dem Arm der amerikanischen Justiz sicher. Dabei ist seit Jahren im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft klar, dass hier auch die Gesetze des Heimatlandes der jeweiligen Bank-Kunden eine wichtige Rolle spielen.
Was bedeutet das für die Bank, die doch ohnehin nur noch aus einem Bruchteil ihrer selbst besteht?
Wegelin hat immerhin mit dem Raiffeisen-Deal vorgekehrt, dass keine Schweizer Kunden zu Schaden kommen. In der Rest-Wegelin befinden sich nämlich nur noch die US-Kunden. Der Rest wurde in die neue Notenstein-Bank überführt.
Und natürlich befindet sich in der Rest-Wegelin das Geld aus dem Raiffeisen-Deal, also zwischen 150 und 300 Mio. Franken. Dieses Geld ist für die Amerikaner wichtig, daraus wird die potenzielle Busse im Strafverfahren bezahlt werden müssen.
Was heisst das für die Raiffeisen-Gruppe, die den grössten Teil von Wegelin vergangene Woche gekauft hat?
Die Raiffeisen-Gruppe muss dafür Sorge tragen, dass die Sünden der alten Wegelin nicht plötzlich auf sie durchschlagen. Von daher ist es ziemlich gefährlich, dass der neue Notenstein Bank-Chef auch Geschäftsleitungsmitglied der alten Wegelin war. Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz sieht hier für Raiffeisen gewisse Risiken (s. Video). Allerdings behauptet die Finma Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma beaufsichtigt und kontrolliert alle Bereiche des Finanzwesens, insbesondere Banken, Versicherungen oder Börsen. Die Leitung der Finma wird vom Bundesrat besetzt. Die Finma ist seit dem 1. Januar 2009 aktiv. In der Finma werden die drei Behörden Bundesamt für Privatversicherungen BPV, Eidgenössische Bankenkommission EBK und die Kontrollstelle für die Bekämfpung der Geldwäscherei Kst GwG zusammengeführt. Finma , sie habe das rechtlich abgeklärt.
Und welches sind die Konsequenzen für den gesamten Schweizer Bankenplatz?
Es dürfte jetzt für alle offensichtlich sein, dass die Schweiz eine Gesamtlösung mit den USA braucht, in der ein und für alle Mal sämtliche Altlasten bereinigt werden. Je länger die Krise dauert, desto mehr werden die ausländischen Kunden verunsichert und ziehen allenfalls ihr Geld ab. Das ist höchst gefährlich, wie Wegelin gezeigt hat. Dort flossen nämlich in schneller Kadenz massiv Gelder ab.
Eine solche Gesamtlösung wird allerdings teuer. Vor Wochen sprach man bereits davon, dass die Schweizer Banken (alle zusammen) 10 Milliarden Dollar als Abgeltung zahlen müssten. Es ist vorstellbar, dass der Preis in der Zwischenzeit sogar gestiegen ist.

Blog zum Thema
Reto Lipp hat zur Wegelin-Anklage gebloggt:
(siem)


