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Schweizer Arbeitnehmer: Trotz Druck sehr zufrieden
94 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit ihrer Arbeitssituation. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Wirtschaftsmagazins «ECO». Die Umfrage zeigt aber auch: Jede und jeder dritte Erwerbstätige beurteilt die Belastung als zu hoch.
2011 war ein schwieriges Wirtschaftsjahr: Frankenstärke und Euro-Schuldenkrise bescherten dauernd negative Schlagzeilen, die Arbeitslosenquote stieg an. Trotzdem sind überraschend viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz glücklich: In der «ECO»-Umfrage sagen 94 Prozent der Erwerbstätigen, sie seien zufrieden mit ihrer Arbeitssituation, 35 Prozent sind sogar sehr zufrieden. Nur 6 Prozent geben an, unzufrieden zu sein.
Vergleicht man einzelne Personengruppen, zeigen sich interessante Resultate. So sind die Erwerbstätigen umso zufriedener, je tiefer die Ausbildung ist: 40 Prozent der Personen, die nur die Grundschule absolviert haben, sagen, sie seien sehr zufrieden mit ihrer Arbeitssituation; bei jenen mit einer höheren Schulbildung sind dies nur 32 Prozent. Auch scheinen Frauen glücklicher als Männer zu sein: Bei den Frauen geben 37 Prozent an, sehr zufrieden mit ihrer Arbeitssituation zu sein, bei den Männern nur 33 Prozent.
Zu hohe Arbeitsbelastung
Fragt man die Erwerbstätigen, wie hoch sie die Belastung am Arbeitsplatz einschätzen, sieht das Bild nicht mehr so positiv aus. 3 Prozent stufen die Belastung als zu tief ein, für 64 Prozent ist sie gerade richtig. 33 Prozent hingegen beurteilen die Belastung am Arbeitsplatz als zu hoch – und damit jeder und jede dritte Erwerbstätige in der Schweiz.
Viele Erwerbstätige, die über eine zu hohe Belastung klagen, und gleichzeitig eine hohe Zufriedenheit mit der generellen Arbeitssituation – ein Widerspruch? Nein, sagt Arbeitspsychologe Theo Wehner, Professor an der ETH Zürich: «Man kann zufrieden sein und sich gleichzeitig belastet fühlen.» Stress und Belastung am Arbeitsplatz gehörten in der heutigen Gesellschaft dazu. «Und wenn Sie nach der Zufriedenheit mit der Arbeitssituation fragen, liegt der Prozentsatz so hoch, weil dort auch resignativ Zufriedene dabei sind, die sagen, es lässt sich nicht mehr viel ändern und man sollte hier zufrieden sein», sagt Theo Wehner.
Je älter die Befragten sind, desto mehr schätzen die Belastung am Arbeitsplatz als zu hoch ein. So beurteilen bei den 15- bis 29-Jährigen nur 22 Prozent die Belastung als zu hoch. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 34 Prozent. Und bei den über 50-Jährigen stufen 42 Prozent die Belastung am Arbeitsplatz als zu hoch ein. Erstaunlich: Es zeigt sich ein Röstigraben. In der Deutschschweiz beklagen sich nur 30 Prozent über eine zu hohe Belastung, in der Westschweiz sind es 40 Prozent.
Hohe Zufriedenheit mit dem Lohn...
Beim Lohn herrscht in der Schweiz - wie bei der generellen Arbeitssituation - eine hohe Zufriedenheit. 85 Prozent der Erwerbstätigen antworten, sie seien zufrieden mit ihrem Lohn, 20 Prozent sind sogar sehr zufrieden. Nur 15 Prozent geben an, unzufrieden mit ihrem Salär zu sein. Auch beim Lohn zeigt sich ein Röstigraben: Deutlich mehr Westschweizer sind unzufrieden (20 Prozent) als Deutschschweizer (14 Prozent).
Vergleicht man die Antworten von Männern mit jenen der Frauen, ist kein Unterschied bei der Zufriedenheit feststellbar. Kaum überraschend ist aber, dass die Zufriedenheit mit der Höhe des Einkommens steigt. Bei den Erwerbstätigen mit einem Lohn unter 6000 Franken sind nur noch 76 Prozent mit ihrem Salär zufrieden, bei jenen mit über 9000 Franken sind es 89 Prozent. Andererseits heisst das, dass 11 Prozent der Grossverdiener unzufrieden sind mit ihrem Lohn.
...und mit dem Chef
Ein gutes Zeugnis stellen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Schweiz ihren direkten Vorgesetzten aus: 91 Prozent sind zufrieden, 44 Prozent sogar sehr. Nur gerade 9 Prozent sind unzufrieden. Allerdings zeigt sich ebenfalls ein Röstigraben: So sind die Westschweizer deutlich unzufriedener mit ihrem direkten Vorgesetzten (15 Prozent) als die Deutschschweizer (7 Prozent).
Ein signifikanter Unterschied zeigt sich bei der Frage nach der Zufriedenheit mit dem Chef auch zwischen Mann und Frau: Während bei den Männern nur 40 Prozent sehr zufrieden mit ihrem direkten Vorgesetzten sind, sind es bei den Frauen deutlich mehr, nämlich 50 Prozent.
Die repräsentative Umfrage im Auftrag von «ECO» hat das Link-Institut ausgeführt. Telefonisch befragt wurden über 800 Erwerbstätige in der Deutsch- und Westschweiz im November 2011.
Heute: «Arbeit – eine Hassliebe»
Das Wirtschaftsmagazin «ECO» zeigte am 02.01.2012 eine Sondersendung zum Thema Arbeit: «Arbeit – eine Hassliebe»


