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Zur Sondersendung «Arbeit» vom 02.01.2012

Kürzere Arbeitszeit, höhere Belastung

Tobias Bossard
Montag, 2. Januar 2012, 19:17 Uhr

Unser Wohlstand ist grösser denn je. Wir arbeiten im Durchschnitt nur noch halb so viel wie vor 150 Jahren. Trotzdem nehmen die Klagen über die Belastung am Arbeitsplatz nicht ab – im Gegenteil.

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Eine repräsentative Umfrage von «ECO» zeigt: Jede und jeder dritte Erwerbstätige in der Schweiz klagt über eine zu hohe Belastung bei der Arbeit. Für den ETH-Professor Theo Wehner ist dies eine logische Entwicklung der Arbeitsgesellschaft.

Immer mehr Work-to-Life Konflikte

Zwar werde die Arbeit dauernd rationalisiert und immer mehr von Maschinen übernommen, so der Arbeitspsychologe im Interview mit «ECO». Gleichzeitig verdichteten sich die verbleibenden Tätigkeiten, so dass die Angestellten in der gleichen â€“ oder sogar weniger â€“ Zeit oft mehr Arbeiten erledigen müssten. Die Konsequenz gemäss Wehner: immer mehr Work-to-Life-Konflikte, also durch die Arbeit ausgelöste Probleme, die sich auf das ganze Leben auswirken.

Theo Wehner, Professor für Arbeitspsychologie ETH Zürich, über die Belastung der Arbeitnehmer

Noch vor 150 Jahren arbeiteten die Menschen bis zu 100 Stunden pro Woche in den Fabriken. Heute beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit in der Schweiz 42 Stunden. Und Theo Wehner kann sich durchaus vorstellen, dass die Wochenarbeitszeit noch massiv weiter sinkt: sogar 20 Stunden pro Woche seien denkbar.

Allerdings müsse sich die Gesellschaft dann noch viel stärker als schon heute überlegen, was mit der freien Zeit angestellt werde und wie man ein solches Modell finanziere. Für Theo Wehner könnte die Lösung in Richtung eines Grundeinkommens gehen («ECO»-Bericht über das Grundeinkommen).

Helmut Hubacher blickt zurück

Einer, der jahrzehntelang für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft hat, ist Helmut Hubacher. Der ehemalige Gewerkschafter und SP-Präsident ist heute 85 Jahre alt. «ECO» hat ihn an seinen ersten Arbeitsplatz begleitet: auf den Rangierbahnhof «Wolf» in Basel.

Dort begann Helmut Hubacher Ende der 1940er-Jahre als so genannter Dienst-Einteiler. Im Interview mit «ECO» blickt er zurück und kommentiert die Entwicklungen in der Arbeitswelt. Auch er sieht in der zunehmenden Belastung am Arbeitsplatz ein grosses Problem.

Helmut Hubacher, ehem. Gewerkschafter und SP-Präsident

Vorträge mit 85 Jahren

Der 85-Jährige ist zwar längst pensioniert. Arbeitsmüde ist er deswegen aber nicht. Er schreibt Kolumnen für diverse Zeitungen und Zeitschriften, hält Vorträge über die vergangene und aktuelle Politik.

Und Helmut Hubacher gibt sogar noch Vorlesungen: an der Volkshochschule in Basel. «ECO» hat ihn Mitte November in seiner Vorlesung «Globalisierte Schweiz und Brüssel» gefilmt.

Vorlesung Helmut Hubachers, ehem. Gewerkschafter und SP-Präsident, über die Herausforderungen der Schweiz
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