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Zur Sondersendung «Arbeit» vom 02.01.2012
Die Chefs, ihre Fehler – und wie sie mit Kritik umgehen
Arbeitsmediziner Dieter Kissling hat Hunderte Chefs beraten - und gewisse Fehler immer wieder entdeckt. SBB-Chef Andreas Meyer hat Hunderte Kritiken eingesteckt. Und sie nicht immer so leicht weggesteckt.
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Die tiefe Personal-Zufriedenheit hat ihm Kritik eingetragen, die hohe Fluktuation im Top-Kader ebenso. Und jeder Preiserhöhung folgt ein Sturm der Entrüstung. SBB-Chef Andreas Meyer gilt zwar nicht als Chef mit wenig Selbstvertrauen. Sätze wie «Stress ist die Angst, nicht zu genügen – ich habe diese Angst nicht» zeugen davon. Aber harte Kritik trifft auch ihn, wie er im «ECO»-Interview sagt. «Wenn man das so locker wegstecken würde, dann sollte man eine solche Aufgabe nicht mehr machen», sagt Meyer. Und begründet es so: «Um Menschen zu führen, muss man selbst auch Mensch sein».
Meyer steht stellvertretend für über 300‘000 Firmenchefs in der Schweiz. Hunderte von ihnen haben sich in ihrer Karriere vom Arbeitsmediziner Dieter Kissling beraten lassen, auch Andreas Meyer. Laut Kissling spielt das Handeln der Chefs eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden, aber auch für die Produktivität der Mitarbeiter. Nur seien sich viele Chefs dessen nicht bewusst.
Ein anderes Manko, das Kissling regelmässig feststellt: Chefs erledigen ihr «daily business», anstatt zu führen. Dann etwa, wenn schwierige Mitarbeitergespräche anstehen. Kisslings Appell an die Chefs: «Das könnt ihr nicht delegieren. Berechnungen, also das ‹daily business›, könnt ihr delegieren, da gibt es Junge, die das schon bald besser können als ihr».
Schlaflose Nächte und Chefs, die andere Chefs decken
Schwierige Gespräche – Andreas Meyer musste sie auch schon führen. Als junger Manager in Deutschland entliess er beim Anlagenbauer Babcock Borsig über 3000 Mitarbeiter, weil seine Vorgänger laut Meyer nicht weit genug vorausgeschaut hätten. Er schlafe nur selten schlecht, sagt er. Aber in diesen Nächten sei er schweissgebadet wach gelegen. «Und da habe ich mir geschworen, dass mir das nie passieren wird, dass ich nicht weit genug vorausschaue».
So ungern Meyer sich an diese Geschichte erinnert, so schlecht ist dem Arbeitsmediziner Kissling ein anderer Vorfall in Erinnerung. In einem Team, das zu ihm ins Seminar kam, herrschte eine Fluktuationsrate von 50 Prozent. Mitarbeiter erzählten ihm, sie würden gemobbt und das mache sie krank – ohne dass die Teamchefin eingreife.
Kissling: «Der Chef, der diese Führungsperson ausgewählt hat, steht hinter ihr. Würde er das nicht tun, müsste er sich selbst ja einen Fehler bei der Einstellung eingestehen». So decke der Chef-Chef den Chef, und der Chef-Chef-Chef wiederum decke den Chef-Chef. «Deshalb müssen Teams oft extrem lang unter schlechten Chefs leiden», so Kissling.
Das Wirtschaftsmagazin «ECO» berichtete am 02.01.2012 in einer Sondersendung über das Themenfeld Arbeit.











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