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Zur Sondersendung «Arbeit» vom 02.01.2012

Lohntransparenz – ökonomischer Unsinn?

Andreas Kohli
Mittwoch, 28. Dezember 2011, 10:40 Uhr, Aktualisiert 23:34 Uhr

«Lohntransparenz steigert das Vertrauen in das Unternehmen und die Leistung», sagt Patrick Burkhalter. Er weiss, wovon er spricht: In seiner Firma Ergon kennt jeder den Lohn des anderen. Ganz anders Ökonom Bruno S. Frey: Er ist gegen Lohntransparenz, denn diese senke die Produktivtät.

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213‘000 Franken – so hoch ist das Gehalt von Patrick Burkhalter. Der Chef der Software-Firma Ergon hat keine Mühe, darüber zu sprechen. Geheimnistuerei lohnt sich auch nicht, denn im Intranet von Ergon kann jeder der 140 Angestellten nachschauen, wie viel jemand verdient. Das gilt auch für den Lohn des Chefs.

«Lohntransparenz schafft ein enormes Vertrauen von der Firma zum Mitarbeiter und vom Mitarbeiter zur Firma», sagt Burkhalter im Interview mit «ECO». Und es führe zu mehr Produktivität: «Dank der Transparenz weiss jeder, dass er fair behandelt wird. Dadurch ist er auch bereit, sich mehr für die Firma einzusetzen und mehr Leistung zu bringen.»

«Vergleich führt zu Neidgefühl»
Bruno S. Frey

Die Wissenschaft ist in Sachen Lohntransparenz zu weniger schmeichelhaften Ergebnissen gekommen. Engagement, Loyalität und schliesslich auch Produktivität würden durch Lohntransparenz zurückgehen, sagt der renommierte Ökonom Bruno S. Frey. «Wir vergleichen uns mit jenen, die mehr haben, und das führt leicht zu einem Neidgefühl.» Bei Lohntransparenz fokussierten die Mitarbeiter zu stark auf den Lohn, statt einfach ihre Arbeit zu machen, sagt der Wirtschaftsprofessor der Universität Zürich.

Konsequenz: tiefere Produktivität

Ein Ökonom, der sich gegen Transparenz wehrt, wo doch vollständige Information in der Marktlehre zu einem optimalen Ergebnis beiträgt? «Wir haben in der psychologischen Ökonomie herausgefunden, dass Transparenz nicht überall zu einem Optimum führt», sagt Frey. Auch beim Lohn nicht.

Bruno S. Frey, Universität Zürich, über Transparenz von Löhnen und die Arbeitszufriedenheit in der Schweiz

Seine Begründung: Vergleiche sich ein Mitarbeiter mit einem anderen, spielten viele persönliche Elemente mit. Weniger verdienen könne gleichgesetzt werden mit weniger wert sein. Diese Herabsetzung des Selbstwertgefühls führe zu einer tieferen Produktivität – und so zu einem Ergebnis unter dem Optimum.

Ergon-Chef Burkhalter schenkt seinen Erfahrungen in der Praxis mehr Glauben als der Theorie. Für ihn ist klar: «Es würde auch in anderen Firmen funktionieren. Man muss allfällige Lohnunterschiede einfach begründen können.» Und das bedeute: Vor der Einführung einer Lohntransparenz müssten die Löhne bereits fair sein.

Patrick Burkhalter, Ergon, über sein Modell der transparenten Löhne

Das Wirtschaftsmagazin «ECO» zeigte am 02.01.2012 eine Sondersendung zum Thema Arbeit. Um 22.20 Uhr auf SF 1.

Die Tabu-Brecher

Schweizerinnen und Schweizer gelten als äusserst zurückhaltend, wenn es darum geht, öffentlich über ihren Lohn zu sprechen. Es gibt aber auch jene, die damit überhaupt kein Problem haben – vornehmlich in den unteren Einkommensschichten.

Wie viel verdienen Sie? – «ECO»-Umfrage zum Lohn der Schweizer
Kommentare aktiv...

B. Sure, Hirzel
(boahee Mann)
Verfasst am: 3.1.2012 13:44

Faktoren

Ich denke, dass die grundlegenden Faktoren Werte... mehr

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J. Knecht, Bangkok
(knechtjosef Mann)
Verfasst am: 29.12.2011 8:59

Beide haben recht - wie fast immer

In einem Kleinunternehmen wie Ergon kann... [1]  mehr

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M. Zuber, Rizenbach
(zuma Mann)
Verfasst am: 28.12.2011 13:49

Offenheit

zeigt sich nicht nur in der Transparenz der... mehr

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