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Staatsbankrott – ein Fiasko mit Tradition

Montag, 19. September 2011, 11:51 Uhr, Aktualisiert 23:20 Uhr

Griechenland pleite? Wird diese Eventualität ausgesprochen, sorgt sie nicht selten für Entrüstung. Eine Staatspleite ist allerdings keine solche Seltenheit, wie man meinen könnte. Das zeigt ein Blick in die Geschichte.

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Griechenland ist in den letzten 200 Jahren bereits 5 Mal bankrott gegangen. Damit zählt das Land keinesfalls zu den Pleite-Königen. Deutschland und Frankreich standen seit 1800 schon 8 Mal vor der Zahlungsunfähigkeit, Spanien gar 13 Mal.

Kredite als Wette

Wer Staaten Geld auslieh, war im Mittelalter in einer ganz anderen Situation als heute. Die Zinsen seien damals exorbitant hoch gewesen, bis zu 50 Prozent pro Jahr, sagt Harold James, Wirtschaftshistoriker an der Universität Princeton. Als Gläubiger ging man eine eigentliche Wette ein: «Wie lange werden die Zinsen bezahlt? Wenn sie einige Jahre bezahlt werden, dann ist die Wette schon für den Kaufmann gewonnen. Wenn die Zahlungen sofort eingestellt werden, dann hat der Kaufmann verloren», so James.

Argentinien: Pleite fürs Volk

Im kollektiven Gedächtnis ist heute vor allem Argentinien. Das südamerikanische Land ging vor knapp 10 Jahren bankrott. Das Beispiel zeigt aber auch, dass die Konsequenzen einer Staatspleite, so «gewöhnlich» sie sein mag, verheerend sind: Bank-Run, Inflation Inflation bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre einen andauernden, signifikanten Anstieg des Preisniveaus, auch Teuerung genannt. Dadurch verändert sich das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes. Preise erhöhen sich, Waren und Dienstleistungen werden teurer. Mit einer Geldeinheit kann stetig weniger gekauft werden. Beispielsweise kann ich heute mit 10 Franken 4 grosse Flaschen Cola kaufen. Zehn Jahre später kann ich für den gleichen Betrag, nur noch 3 Flaschen Cola kaufen, denn das Geld hat an Wert verloren. Inflation entsteht, wenn der gesamten Gütermenge eine zu grosse Geldmenge gegenüber steht, weil Staaten oder Zentralbanken zu viel Geld in Umlauf bringen. Die Preissteigerungen lösen steigende Löhne aus, das führt wiederum zu erhöhter Nachfrage. Verschiedene Geschwindigkeiten der Inflation führen zu stärkeren oder schwächeren Auswirkungen. Die Verhinderung einer signifikanten Inflation ist ein wichtiges geldpolitisches Ziel der Schweizerischen Nationalbank.

Es gibt verschiedene Schweregrade von Inflation. Von einer leichten Inflation spricht man, wenn der Wertverlust des Geldes jährlich zwischen 0 und 5 Prozent liegt. Bei einer schweren Inflation liegt der Wertverlust über fünf Prozent. Verliert das Geld monatlich über 50 Prozent an Wert, ist die Inflation besonders schwer und man spricht von einer Hyperinflation.

Inflation
, Armut. Am Ende trifft eine Zahlungsunfähigkeit, neben den Gläubigern, immer das Volk.

Wirtschaftshistoriker Harold James zu einem möglichen Zahlungsausfall Griechenlands

«Sehr grosse Angst vor einem Staatsbankrott»

Harold James warnt daher vor einer griechischen Staatspleite: «Das sind gewaltige Rechtseinschritte, ein gewaltiger Einschnitt in das Gefühl von Rechtssicherheit, die eigentlich ein entscheidender Bestandteil des modernen Staates ist. Wenn man das macht, ist die Frage nicht nur, ob die EU weitergehen kann, sondern auch ob Parlamente, Demokratien noch funktionieren können. Also ich würde sehr grosse Angst vor einem Staatsbankrott, vor einer Zahlungseinstellung haben.»

Das Wirtschaftsmagazin «ECO» zeigte am 19. September 2011 mehr zu diesem Thema sowie über Wege, Staatsschulden wieder loszuwerden.

Staatsbankrott – ein Fiasko mit Tradition

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(gerr/koha/siem)