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Euro-Krise: Deutsche Banken kränker als einst Lehman Brothers

Montag, 16. Mai 2011, 12:27 Uhr, Aktualisiert 23:25 Uhr

Für den renommierten Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson stehen Europa schwierige Zeiten bevor. Die Zukunft der Euro-Zone hängt für ihn massgeblich von Deutschland ab, sagt Ferguson im Interview mit «ECO».

Milliarden fliessen nach Griechenland, Irland und nun Portugal. Die Griechen stehen wohl vor einem Schuldenschnitt Als Schuldenschnitt, Englisch «Haircut», wird ein Abschlag auf die vereinbarten Zins- und/oder Tilgungsleistungen eines Schuldners bezeichnet. Der Schuldner bezahlt nach dem Schuldenschnitt nicht mehr die ursprünglich zugesagten Zinsen und/oder tilgt einen geringeren Betrag. Der Gläubiger verzichtet also auf einen Teil der Zinsen und/oder des Kapitals. Schuldenschnitt . «Ich denke, eine Umschuldung Lässt sich ein Land nicht mehr durch Sparmassnahmen sanieren, kann eine Umschuldung vorgenommen werden. Die Schuldenlast kann durch drei Massnahmen verringert werden: einen Schuldenschnitt, die Verlängerung der Laufzeiten von Anleihen oder niedrigere Zins-Zahlungen. Wird umgeschuldet, müssen Inhaber von Staatsanleihen auf einen Teil ihrer Rendite verzichten. Umschuldung ist unvermeidbar», sagt Harvard-Professor Niall Ferguson – auch wenn dies für einige europäische Banken schmerzhaft sein wird. «Verglichen mit dem Fremdkapital Das Fremdkapital stellt einen Teil der Bilanz eines Unternehmens dar und wird auf der Seite der Passiven aufgeführt. Es stellt also einen Teil der Mittel dar, mit denen das Unternehmensvermögen finanziert wird.

Das Fremdkapital stellt den Teil der Mittel dar, der nicht vom Unternehmen oder dessen Inhabern zur Verfügung gestellt wird (Eigenkapital). Dazu zählen unter anderem Darlehen, Obligationen, oder Rückstellungen für noch zu leistende Zahlungen wie Steuern. Das Fremdkapital stellt eine Schuld dar, die mit meist mit einem entsprechenden Zins zurückbezahlt werden muss.
Fremdkapital
in den Bilanzen einiger deutscher Banken erscheint Lehman Brothers als gut geführte Bank», so der Wirtschaftshistoriker.

Bild Niall Ferguson
Niall Ferguson legt den Fokus auf Deutschland: Dort wird sich für ihn die Zukunft der Euro-Zone entscheiden. sf

Für Niall Ferguson hängt das Weiterbestehen der Euro-Zone von Deutschland ab. «Die Deutschen waren im Verlauf des Zusammenwachsens Europas stets die grössten Nettozahler», so der Wirtschaftshistoriker, den das Time-Magazine zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt zählt.

«Die Deutschen fühlen sich nicht mehr verpflichtet»

«Doch die Stimmung hat sich geändert», sagt Ferguson im Interview mit «ECO»-Moderator Reto Lipp in London. «Zum ersten Mal seit 1945 fühlen sich die Deutschen nicht mehr verpflichtet, für andere Europäer zu zahlen.»

Wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dieser geänderten Wähler-Stimmung umgehe, werde entscheidend sein für die Zukunft des Euro. Denn: «Sie weiss, dass sie weiter zahlen muss.»

«Starker Franken unvermeidbar»

Die unsichere Zukunft der Euro-Zone bedeutet für die Schweiz weitere Geldzuflüsse.

Die Hoffnung, der Franken könne in naher Zukunft wieder schwächer werden, hält Niall Ferguson für eine Illusion. «Ein starker Franken scheint für die nächsten Jahre unvermeidbar zu sein», sagt er entschuldigend.

Das ausführliche Interview mit Niall Ferguson im Wirtschaftsmagazin «ECO»:

Niall Ferguson prophezeit schlechte Zeiten für Europa

(siem)

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