Archiv Sendung vom 17.02.2011
DOK am Donnerstag, 17.02.2011, 20:00 Uhr auf SF1
Tod nach Plan
André, psychisch krank und lebensmüde
Ein Film von Hanspeter Bäni
„Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig.“ Diese Zeilen verfasst André Rieder für seine eigene Todesanzeige. Der 56jährige ist seit Jahren psychisch krank und möchte deshalb mit Hilfe einer Sterbeorganisation aus dem Leben scheiden. Akribisch bereitet er sich auf den Tod vor. Seine Freunde, hin und hergerissen zwischen Verständnis und Verzweiflung, haben viele offene Fragen. Doch auch unter Psychiatern ist die Sterbehilfe umstritten. Der Film von Hanspeter Bäni zeichnet die Gratwanderung der Sterbehilfe in der modernen Gesellschaft auf. Ein bewegendes Dokument über einen Menschen, dem der Tod lieber ist, als ein Leben mit einer psychischen Krankheit. - Nach der Sendung fand unter den Zuschauerinnen und Zuschauern eine lebhafte Internet-Diskussion statt. Das Ergebnis können Sie im DOK-Forum lesen.
German version with English subtitles at the bottom.
Solothurner Filmtage 2012: 21.01.2012, 12:00 Uhr Kino Canva Blue
Suizid ist nicht gleich Suizid
Zwei Filme in DOK zum Thema Suizid – doch Suizid wie er verschiedener nicht sein könnte.
André Rieder im Film "Tod nach Plan" bereitet sich minutiös auf seinen assistierten Freitod vor. Solche Suizide von psychisch Kranken sind eine grosse Ausnahme. Die Angehörigen der Menschen im Film "Dein Schmerz ist auch mein Schmerz" haben sich ohne Vorwarnung, in einer Phase von grösster Verzweiflung das Leben genommen. Ihre Form des Suizid ist weit häufiger – weit mehr als 1000 Menschen pro Jahr töten sich selbst auf diese Weise.
Die Redaktion CLUB bereitet für Dienstag, 29.2. eine Sendung zum Thema "Suizid" vor.
Wiederholungen von "Tod nach Plan"
18. Februar 2011 um ca. 01:45 Uhr auf SF1
22. Februar 2011 um ca. 05:35 Uhr auf SF1
19. April 2011 um ca. 20:45 Uhr auf HD-Suisse
André Rieder steht vor dem Grab seiner Eltern und ist sich gewiss, dass bald auch sein Name auf dem Gedenkstein eingraviert sein wird. Der 56-jährige Mann ist psychisch krank und hat sich entschieden, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Zuvor möchte er sich von seinen Freunden verabschieden und ihnen dabei seine Beweggründe für den geplanten Suizid mitteilen.
André Rieder hat ein bewegtes Leben hinter sich: Der studierte Arzt und Sozialversicherungsfachmann führte lange Zeit mit Erfolg eine Firma für Pharmamarketing. Anfang der 90er Jahre wurde er zum ersten Mal wegen einer manischen Phase in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Es folgten weitere manische und depressive Phasen, welche zu mindestens 20 Klinik Aufenthalten führten. Diese Ereignisse haben André Rieder zutiefst betroffen und verängstigt, zumal ihm die Verwahrung in einer psychiatrischen Klinik droht.
Im März 2010 meldet sich André Rieder bei der Sterbeorganisation Exit. Exit willigt nach monatelangen Abklärungen im November 2010 ein, ihn in den Freitod zu begleiten. Der 56-jährige plant akribisch, wie er seine letzten Wochen, ja sogar seinen letzten Tag verbringen möchte. Reporter Hanspeter Bäni hat ihn dabei mit der Kamera begleitet.
Der Filmer und André Rieders Freunde stehen oft hilflos einem Menschen gegenüber, der nur noch den Freitod als Ausweg sieht. Das löst bei allen Beteiligten Fragen aus: Wie geht man mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Fürsorge eines suizidgefährdeten Menschen und dessen Respekt vor der Selbstbestimmung um? Gibt es Möglichkeiten, einen Lebensmüden vor der Selbsttötung abzuhalten? Und ist ein psychisch kranker Mensch mit Todessehnsucht überhaupt in der Lage, seine Situation objektiv zu beurteilen?
Team
Schnitt: Sabrina Inderbitzi
Sprecher: Rainer Zurlinde
Musik: Julian Lindt
Audiomix: Hugh Gordon
EQ: Martin Krattiger
Produktionsassistenz: Yvonne Sjöberg
Autor
Hanspeter Bäni (*1956) arbeitet seit 2000 bei SF. Nach sieben Jahren bei der „Rundschau“ wechselte er zu „Reporter“. Der Video-Journalist ist in den letzten Jahren mit zahlreichen Preisen geehrt worden: 2002 SRG-Medienpreis, 2004 Medienpreis Aargau-Solothurn, 2006 Medienpreis Aargau-Solothurn, 2009 Medienpreis Aargau-Solothurn, im gleichen Jahr Ostschweizer Medienpreis.
Im Mittelpunkt von Bänis Filmen stehen immer Menschen mit ihren Schicksalen. Bäni sagt, er wolle "die Menschen erfassen, wie sie wirklich sind". Dieses Gespür habe er sich mit seinen jahrelangen Aufenthalten bei Naturvölkern in Amerika, Asien und Afrika angeeignet (1978 – 1981). Seine vielen beruflichen und privaten Reisen verarbeitet der Fernsehjournalist auch als Künstler in seinen Bildern.
Hanspeter Bäni über seinen Film
Ich habe gelitten. Gelitten, weil ich meine mentale Belastbarkeit während den Dreharbeiten mit André Rieder überschätzt habe. Doch das Schicksal des 56jährigen psychisch kranken Arztes, der mithilfe einer Sterbeorganisation aus dem Leiden scheiden wollte, beschäftigte mich mit jedem Drehtag mehr. mehr
Literaturhinweise
Frank Th. Petermann – „Sterbehilfe – grundsätzliche und praktische Fragen“ – Verlag Institut für Rechtswissenschaft St. Gallen
Ueli Oswald – „Ausgang – das letzte Jahr mit meinem Vater“ ( Edition Epoca) – Autobiographisches Schicksal.
Nicola Bardola – „Schlemm“ ( Heyne Verlag) – ein Roman zum Thema Sterbehilfe
Death According to Plan
André, mentally ill and world-weary.
"When you think of me, do not be sad" are the lines written by André Rieder for his own death notice. The 56-year-old has been mentally ill for many years, and wants to end his life with the help of an assisted suicide organization. He prepares for his death down to the last detail. His friends, torn between sympathy and despair, have many unanswered questions. Assisted suicide is also controversial among psychiatrists. This film by Hanspeter Bäni describes the dilemmas surrounding assisted suicide in our modern society. A moving documentary about a man who would rather die than live with mental illness.













