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Archiv Sendung vom 17.12.2009

(Lotti Latrous - Foto:Marcel Studer)

Oase im Elend. Lotti Latrous im Slum von Abidjan

Ein Film von Hanspeter Bäni

Sie hat Tausenden das Leben gerettet und wurde deswegen 2004 zur Schweizerin des Jahres gewählt. Doch dafür habe ihre Familie einen hohen Preis bezahlen müssen, sagt Lotti Latrous. Die heute 56jährige entschloss sich vor zehn Jahren für ein Ehe- und Familienleben auf Distanz, um dafür in einem der ärmsten Elendsviertel in der Elfenbeinküste das Hilfswerk „Centre l‘ Espoir“ auf- und auszubauen. Und während sie den Leidenden in Afrika Liebe bringt, ist das Leiden innerhalb der Familie noch immer nicht ganz abgeklungen.

Oase im Elend. Lotti Latrous im Slum von Abidjan

Wiederholungen:
18. Dezember 2009 um ca. 02:05 Uhr auf SF1
18. Dezember 2009 um ca. 11:00 Uhr auf SF1
22. Dezember 2009 um ca. 05:35 Uhr auf SF1
14. Februar 2011 um ca. 23:25 Uhr auf 3sat

Seit zehn Jahren errichtet sie in der Elfenbeinküste Oasen der Menschlichkeit. In dieser Zeit hat „Madame Lotti“, wie sie von den Einheimischen genannt wird, ein Ambulatorium, ein Sterbehospiz und ein Waisenhaus für Aidskranke aufgebaut. Strassenkinder erhalten täglich ein Glas Milch, alleinstehende Frauen können sich dank Mikrokrediten eine Existenz aufbauen und verarmte Kranke werden kostenlos medizinisch betreut. Dadurch haben die 55-jährige Schweizerin und ihre mittlerweile 60 Mitarbeiter bis heute Tausenden von Todgeweihten das Leben gerettet und Sterbenden einen menschenwürdigen Abschied ermöglicht.

Und dies in einem Land, das sich in denkbar schlechter Verfassung befindet. Die Wirtschaft ist am Boden und es mangelt an fast allem: An Essen, an medizinischer Versorgung, ja selbst an Trinkwasser. So haben 40 Prozent der Bevölkerung in der Elfenbeinküste inzwischen keinen Zugang zu Trinkwasser. Ein Problem, unter dem auch das Hilfswerk von Lotti Latrous zu leiden hat.

Hanspeter Bäni dokumentiert in seinem Film den harten Alltag von Lotti Latrous, die für ihr Engagement auch persönlich einen hohen Preis bezahlt. Vor einigen Monaten erkrankte sie selber an schwerer Tuberkulose. Und noch längst nicht verheilt sind auch die Wunden, die sich ergeben haben, als Lotti Latrous ihre Familie verliess, um ihr Hilfswerk aufzubauen.

(Hanspeter Bäni)

Der Autor

Hanspeter Bäni(*1956) arbeitet seit 2000 bei SF. Nach sieben Jahren bei der „Rundschau“ wechselte er zu „Reporter“. Der Video-Journalist ist in den letzten Jahren mit zahlreichen Preisen geehrt worden: 2002 SRG-Medienpreis, 2004 Medienpreis Aargau-Solothurn, 2006 Medienpreis Aargau-Solothurn, 2009 Medienpreis Aargau-Solothurn, im gleichen Jahr Ostschweizer Medienpreis.

Im Mittelpunkt von Bänis Filmen stehen immer Menschen mit ihren Schicksalen. Bäni sagt, er wolle "die Menschen erfassen, wie sie wirklich sind". Dieses Gespür habe er sich mit seinen jahrelangen Aufenthalten bei Naturvölkern in Amerika, Asien und Afrika angeeignet ( 1978 – 1981). Seine vielen beruflichen und privaten Reisen verarbeitet der Fernsehjournalist auch als Künstler in seinen Bildern.