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Archiv Sendung vom 18.01.2007

Frau Rey, die Abwartsfrau von Lindenstrasse Nr. 46 versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

(SF)

NEUE HEIMAT LINDENSTRASSE - Schweizer und Ausländer in Littau bei Luzern

Man nennt sie 'das Ghetto'. Die Lindenstrasse in Reussbühl, am Rande der Stadt Luzern, hat einen schlechten Ruf. Der Ausländeranteil ist hier so hoch wie sonst kaum wo. Ruedi Leuthold und Beat Bieri dokumentieren in ihrem Film das pulsierende Leben im Schmelztiegel der Nationen, Freud und Leid in der neuen Heimat, voller Überraschungen.


Wiederholungen:

19. Januar 2007 um ca. 03.15 Uhr auf SF1
19. Januar 2007 um ca. 11.00 Uhr auf SF1
27. Februar 2007 um ca. 05.35 Uhr auf SF1
01. August 2011 um 19.20 Uhr auf 3sat

Die ganze Welt in einer Strasse

Die Strasse im engen Tal der Reuss ist nur 200 Meter lang. Und doch hat in der kleinen unscheinbaren Strasse die ganze Welt Platz genommen. Hier leben Menschen aus 22 Nationen. Hier spielt das grosse, ewige Drama im Kleinen: Fremde suchen neue Territorien, die letzten Einheimischen verteidigen ihr Identität.

Nur 200 Meter lang ist die Lindenstrasse - und hat doch Platz für die ganze Welt.

(SF)

Beten zwischen zwei Bordellen

Die Lindenstrasse - die Welt als Quartierstrasse. Es ist keine privilegierte Wohnlage, hier im Schatten des Zimmereggwaldes. Dafür sind die Mieten günstig. Vor Jahrzehnten fanden an der Lindenstrasse die ersten Zuwanderer, Italiener und Spanier, ein neues zuhause. Heute wohnen in den alten Häusern Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan und aus Sri Lanka, Asylbewerber aus Afrika. Das Restaurant Gartenhaus, eines der zwei Wirtshäuser in der Strasse, ist zum Rückzugsgebiet der Schweizer geworden. Zwischen zwei Bordellen befindet sich der islamische Gebetsraum. Der Coiffeursalon von Carmen ist die Nachrichtenbörse des Quartiers. Als die Coiffeuse vor 14 Jahren hierher kam, hat sie sich zuerst den Waffenschein für einen Pfefferspray besorgt. Da ist auch ein Kindergarten, wo längst keine Schweizer Kinder mehr heranwachsen. Und wenn es Nacht wird, leuchten nicht nur die roten, sündigen Lämpchen. Eingangs der Strasse strahlt eine Tankstelle so grell, dass es sogar den Anschein macht, als wären auch noch Ausserirdische in einem Ufo gelandet.

Menschen aus 22 Nationen wohnen an der Lindenstrasse in Reussbühl.

(SF)

Frau Rey harrt aus

'Es kommen nur noch Ausländer an diese Strasse', sagt Frau Rey, die resolute Schweizer Abwartsfrau von Nr. 46. Sie harrt aus, hofft, dass alles vielleicht doch wieder anders wird. Und versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist.


Ruedi Leuthold und Beat Bieri haben sich ein halbes Jahr lang in dieser Welt bewegt, haben Menschen getroffen und deren Geschichten gesammelt. Und einige davon tönten ganz anders, als man es erwartet hatte.

Die Autoren

.Ruedi Leuthold ist Mitarbeiter der Zeitschrift "Das Magazin" und von deutschen Zeitungen. Gegenwärtig arbeitet er als Korrespondent in Rio de Janeiro, Brasilien.

Beat Bieri ist Redaktor bei der SF-Sendung "10 vor 10" und realisiert Reportagen für "Reporter" und "DOK".

Bieri und Leuthold haben zusammen die Dokumentarfilme "Schweizer am Ende der Welt" (2001) und "Nachrichten aus Fidels Gefängnis" (2004) realisiert