Archiv Sendung vom 16.09.2010
DOK am Donnerstag, 16.09.2010, 20:00 Uhr auf SF1
Leben zum halben Preis
Familien mit knappem Budget erzählen
Ein Film von Pino Aschwanden
Sie jammern nicht. Sie leben unauffällig. Sie mögen Monate mit weniger als 31 Tagen: Schweizer Familien, deren Lohn zwar knapp ist, die sich aber ungern als arm bezeichnen würden. Im Gegenteil. Sie haben sich eingerichtet in ihrem anspruchslosen Dasein. Virtuos nutzen sie Gelegenheiten, in allen Bereichen des Lebens zu sparen. DOK stellt vier Familien vor, bei denen Geld Mangelware ist. Und zeigt, was dafür reichlich vorhanden ist: ein selten gewordener, ausgeprägter Familienzusammenhalt.
Wiederholungen:
17. September 2010 um ca. 01:50 Uhr auf SF1
17. September 2010 um ca. 11:00 Uhr auf SF1
21. September 2010 um ca. 05:35 Uhr auf SF1
19. Oktober 2010 um ca. 05:35 Uhr auf SF1
19. Januar 2011 um ca. 21:10 Uhr auf 3sat
Vier fast normale Schweizer Familien schildern in DOK ihre ganz persönliche Geldgeschichte. Sie berichten, wie es ist, als Familie stets knapp bei Kasse zu sein. Sie erzählen von Zeiten belastender Entbehrung - aber auch vom Gewinn, gemeinsam schwierige Momente zu meistern. Sie verhehlen nicht, was für Erfahrungen und Lebensentscheide die Familie ans finanzielle Limit gebracht hat. Geradeheraus und ohne zu klagen benennen sie die Bitterstoffe eines eingeschränkten Lebens. Sie legen offen, was es für Eltern und Kinder bedeutet, meist noch vor Ende Monat im Minus zu sein und keinen Franken Polster zu haben für all das Unvorhergesehene, das Teil und manchmal Schicksal jeden Daseins ist.
Zu wenig Geld haben heisst häufig auch, zu wenig Gelegenheit haben, am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Kino für die Kinder, ein Ausflug in den Zoo, ein Besuch im Restaurant: Viele dieser kleinen Freuden müssen anderswo wieder eingespart werden. Ferien? Meist ums Haus herum. Wenn sie das Meer sehen wollen, stellen sie den Fernseher an. Wenn der Zahnarzt mal tiefer bohrt und entsprechend Rechnung stellt, müssen sie Hilfe suchen – bei Verwandten oder privaten Institutionen. Schmerzhaft, ja bedenklich ist der Verzicht auf Förderung und Ausbildung der Kinder – auch im musischen oder sportlichen Bereich.
DOK-Autor Pino Aschwanden beschreibt ein unscheinbares Leben, das zahllose Familien hierzulande führen. Es ist ein mit anstrengender Bescheidenheit gelebtes Leben – inmitten eines materiell übersatten Umfelds, wo man gerne meint, dass eigentlich alles für alle zu haben sei.
Pino Aschwanden wurde 2008 von der Zürcher Radio und Fernsehstiftung mit dem begehrten Fernsehpreis geehrt. "Seine Arbeiten", so urteilt die Jury, "überzeugen durch kluge Themenwahl, differenzierte Gestaltung und respektvollen Umgang mit seinen Protagonisten."
Curriculum: 1946 in Altdorf geboren. Lic. phil. (Anglistik, europäische Volksliteratur, Deutsch). Seit 1977 (mit einem Unterbruch von acht Jahren) beim Schweizer Fernsehen - als Redaktor, Autor und
Produzent verschiedenster Sendungen, u.a.: Music-Scene, Plattform, Traumziel, Quer, einfachluxuriös, SF Spezial Sommerreisen, SF Spezial Langzeitreportagen. Seit 2003 bei „DOK“, seit 2005 bei „Reporter“.
Der 62jährige gehört zu den profilierten Dokumentarfilmern der Schweiz. Ein guter Erzähler und ein intelligenter Texter, aber vor allem gelingt es ihm immer wieder, zu den Menschen in seinen Filmen eine berührende Nähe herzustellen während er gleichzeitig seine leise und humorvolle Distanz bewahrt, die ihn auch sonst auszeichnet.
Eine kleine Liste seiner jüngsten Filme: „Sex – Was wirklich läuft"; „Die Deutschen kommen – Und wie lieb wir sie haben"; "Wo Gott hockt – Ein nicht ganz irdischer Heimatfilm"; „Im Sog der Schulden - Unterwegs mit dem Betreibungsbeamten“; „Gefeiert und gefeuert – Böse Geschichten aus der Chefetage“; „Wenn Mütter anschaffen“; "Der Landarzt"; "Der Handaufleger".
„Reporter“ (Auswahl): „Casino Gnadenlos - Bekenntnisse eines Spielers“; „Also sprach das Meerschweinchen - Die wunderbare Welt der Tierversteher“; „Wo das Böse hockt - Vom Umgang mit gefährlichen Gefangenen“; „Im falschen Land geboren - Die wahre Sehnsucht nach dem Cowboyleben“; „Menschen beim Tierarzt - Geschichten von Glück und Liebe auf vier Pfoten“; „Das Glück der Arbeit - Wie man bei Victorinox lernt, seinen Chef zu lieben“; „Witwe (84) sucht treuen Freund“, "Witwer (82) sucht zärtliche Freundin".
Reporters Notizbuch
„Leben zum halben Preis“:
Ein Film über etwas Unsichtbares
Im kalten Januar 2010, als ich daran ging, diesen Film aufzugleisen, war die Schweiz gerade mit Schlagzeilen über die massive Armut in der Schweiz überzogen. Es hiess, praktisch jeder zehnte Bürger hierzulande sei mittellos, ja, rund 400‘000 Menschen ginge es sogar richtig dreckig. Jedes sechste Kind leide unter der Geldnot der Eltern. Im Tages-Anzeiger las ich eine Geschichte, wie sich arme Schweizer Kinder um ein Stück trockenes Brot stritten.
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