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Archiv Sendung vom 19.08.2010

(Der Millionen-Räuber machte Schlagzeilen)

«Kriminalfälle - die 7 Todsünden»: 7/7 Eine Todsünde kommt selten allein

Ein Film von Roland Huber
Hochmut, Eitelkeit. Im Mittelalter eine Todsünde. Doch noch heute fordert sie Opfer. So wie den Aargauer Bodyguard, der im Januar 2002 seinen eigenen Geldtransporter überfiel.

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Mit den erbeuteten 10,6 Millionen Franken floh er nach Hamburg, wo er in drei Nächten im Milieu von St. Pauli über 50‘000 Franken verprasste und prompt aufflog. Der Film geht der Frage nach, welches waren die wahren Motive des Räubers?

Wiederholungen:
19. August 2010 um ca. 02.50 Uhr auf SF1
24. August 2010 um ca. 15.05 Uhr auf SF1

Bis zu seinem Überfall lebte der Geldtransporteur bescheiden und unauffällig im Kanton Aargau. Was bewog ihn zu jenem Schritt, der sein Leben aus den gewohnten Bahnen warf? Der DOK Film zeichnet den ebenso schlauen wie erfolggekrönten Überfall nach und fragt nach den Hintergründen und Motiven des Räubers. Trieb ihn reine Habgier an, wollte er um jeden Preis berühmt werden, und brachte ihn etwa sein Hochmut zu Fall?

(Millieu St. Paul in Hamburg: Hier verprasste Michael Felder in 3 Tagen und Nächten 52‘000 Franken)

Vor Gericht wurde der Raubüberfall als spektakuläre Veruntreuung gewertet. Dies kümmerte den Bodyguard wenig. Die Tat habe er sowieso nur begangen, um seiner Ex-Frau zu schaden, erzählt er im Film. Mit der Thailänderin lag er im Streit wegen des Sorgerechts ihres gemeinsamen Kindes.

(Der Täter nach der Gerichtsverhandlung als Medienstar)

Und vor Gericht behauptete der Räuber, er habe die Tat nur begangen und sich so auffällig benommen, damit er in Haft komme. Er wolle nichts mehr wissen von dieser Welt. Im Gefängnis hätte er Ruhe von all den Widerwärtigkeiten des Lebens. Dort wäre er sicher. Dort möchte er für immer weggesperrt bleiben.

(Michael Felder in der Strafanstalt – sogar die Strafe für den Komplizen wollte er absitzen)

Nach dreieinhalb Jahren wurde die Strafanstalt ihn tatsächlich fast nicht mehr los. Der ehemalige Geldtransporteur wollte nicht raus. Er beantragte sogar, die Strafe seines Komplizen absitzen zu dürfen.

Heute lebt der ehemalige Star-Häftling wieder als Biedermann unter uns und schaut im Film auf seine spektakuläre Tat zurück. Eine eitle Tat, die er aus Hass plante, mit Hochmut ausheckte, mit Stolz inszenierte, mit Wollust praktizierte und die voll Wut und Neid durchtränkt war: Eine Todsünde kommt wahrlich selten allein.

(Der Autor Roland Huber)

Der Autor Roland Huber

Geburtsdatum: 1950 in Dietikon, ZH
Bei SF seit 1980
Derzeitige Funktion: Reporter bei “Reporter“ und Dok-Filmer
Werdegang bei SF: Redaktor „Schweiz aktuell“, Redaktor „Rundschau“
Berufswerdegang vor SF: Kunstgewerbeschule Zürich, Bildhauer in Italien

Eine Auswahl an DOK-Filmen aus der letzten Zeit:

WERNER SPROSS & WALTER FREY Zwei halbe Milliardäre; Reichtum in der Schweiz (1991)
DAS ELEPHANT KANN NICHTS DAFÜR Ein freies Theater tourt durch die Alpen (1992)
EMILIE LIEBERHERR Portrat eines politischen Urgesteins (1994)
CHRISTOPH BLOCHER Wie ein Wahlsieger entsteht (1995)
MORD IM VATIKAN Drei Leichen bei der päpstlichen Schweizergarde (1998)
TSCHINGGELI ODER SVIZZERI Fremdarbeiter gehen nach 30 Jahren in Pension (2000)
FÜNF LEICHEN UND KEIN MÖRDER Der grösste ungelöste Schweizer Mordfall (2001)
DIE BLOCHERS Wie die Familie des Bundesrates die Schweiz umbauen will (2004)
GEBRÜDER BLOCHER Reportage über Bundesrat Christoph und Pfarrer Gerhard (2007)
DAS EIDGENÖSSISCHE SCHWINGERFEST - Stiernackig, sägemehlpaniert und manchmal ganz beschwingt (2007)
KANN TONI BRUNNER BLOCHER JETZT VERGESSEN? (2008)