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Archiv Sendung vom 07.03.2012

Überforderter Krisenstab

DOK am Mittwoch, 07.03.2012, 22.55 Uhr auf SF1

Japans nukleare Krise

Am 11. März 2011, um 14 Uhr 47 Ortszeit, bebt in Japan die Erde wie seit Menschengedenken nicht mehr. Auf die Schockwellen der Stärke 9 folgen 15 Meter hohe Flutwellen, welche Teile der Ostküste verwüsten - unter anderem auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, wo es in drei von vier Reaktoren zur Kernschmelze kommt.

Arbeiter in Lebensgefahr

Die freigesetzten radioaktiven Substanzen breiten sich aus und verseuchen Luft , Wasser, Erde und damit auch die Nahrung. Weit über hunderttausend Menschen müssen ihre Wohnstätten, ihre Betriebe, ihr Vieh verlassen und in andere Landesteile fliehen. Aus der europäischen Distanz gesehen ist das Atomunglück von Fukushima ebenso eine Verkettung katastrophaler Ereignisse wie eine Serie verhängnisvoller Nicht- und Fehlentscheide. Weder die Tepco, die Kraftwerksbetreiberin, noch die japanische Regierung handelte zum richtigen Zeitpunkt richtig - wenn überhaupt. Betrachtet man jedoch die Chronologie der Ereignisse und Handlungen aus der Nähe, ergibt sich ein etwas differenziertes Bild: Dass wichtige Entscheidungen, die das Schlimmste hätten verhindern können, bis zuletzt hinausgezögert wurden, hat damit zu tun, dass jede Massnahme neben ihren Vorteilen auch gravierende Nachteile und Gefahren bargen.

Trümmerhaufen Fukushima

Um nur das wichtigste Beispiel zu nennen: Das Öffnen der Ventile zur Druckverminderung in den Reaktorgehäusen hätte zwar vielleicht die Kernschmelze verhindern können, bedeutete aber, dass radioaktiv befrachtete Gase in die Umwelt abgelassen und damit weite Landesteile verstrahlt worden wären. Dies brachte nicht nur Menschen in Gefahr; die Tepco musste auch mit hohen Entschädigungsforderungen rechnen, was möglicherweise der tiefere Grund dafür war, dass sie den Befehl des Ministerpräsidenten zum Öffnen der Ventile nicht ausführte, bis es zu spät war. Eine Dokumentation des japanischen Fernsehens NHK zeichnet die Ereignisse von Fukushima nach und stellt schonungslos die Frage nach Verantwortlichkeiten bis in die obersten Etagen von Technik und Politik. Und sie vermittelt erstaunlich offene Antworten - bis hin zum Eingeständnis der Inkompetenz.