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Archiv Sendung vom 05.09.2012

Die Lermittes aus Richmond

DOK am Mittwoch, 05.09.12, 22.55 Uhr, SF1

Hotel Mama

Wenn die Kinder nicht flügge werden

Hotel Mama ist im Trend. Mehr als 30 Prozent der 25- bis 34jährigen leben bei den Eltern. Tendenz steigend. Schuld daran sind nicht nur überbesorgte Eltern oder faule Sprösslinge, sondern auch die Wohnungsknappheit und der ausgetrocknete Arbeitsmarkt. Der Film zeigt Eltern und Kinder in England, Italien und Kanada und geht der Frage nach, wie der Schubs aus dem Nest am besten gelingen könnte.

Auch Phil Hanley ist ein sogenannter "Boomerang"

In Italien heissen die Nesthocker Bamboccioni, grosse Babys. In England Yuckies, was so viel heisst wie "unerwartete Kosten verursachende Kids". Und in den USA nennt man sie Boomerangs, weil sie immer wieder nach Hause zurückkehren.

Auch der 35jährige Andrea ist ein sogenanntes grosses Baby.

Der 35jährige Andrea ist ein typischer Bamboccione. Er hat eine gute Stelle bei der italienischen Nationalbank. Aber er ist nie aus der Wohnung der Eltern im Zentrum von Rom ausgezogen. Zudem bezahlt er keinen Euro Miete, kann also dank Hotel Mama sein Geld andersweitig ausgeben.

Caleb und seine zukünftige Frau. Beide wohnen mit fast 30 immer noch bei ihren Eltern.

Auch in der Familie Reyes aus Brampton Ontario leben die Kinder bei den Eltern, mindestens bis zu ihrer Hochzeit. Der 29jährige Caleb steht kurz davor: In sechs Monaten wird er Michelle heiraten, die ebenfalls noch zu Hause wohnt.

Ashlee (r) kehrt mit 25 zu ihrer Mutter zurück.

Anders die 25jährige Ashlee aus Vancouver. Sie kommt mit 25 Jahren zurück ins Haus ihrer Mutter, nachdem sie jahrelang eigenständig war. Sie zog aus, als sie an die Universität ging, reiste nach ihrem Abschluss herum und arbeitete im Ausland. Sie kehrt ins Elternhaus zurück, um in der Nähe ihres 95jährigen Grossvaters zu sein.

In der Familie Lermitte gelten strengere Regeln was das Ausziehen betrifft.

Die Lermittes aus Richmond wollen allerdings nicht ewig mit ihren Kindern zusammenleben. Mit 25 müssen diese draussen sein. Für Patrick tickt die Uhr: Er hat noch keine Stelle und feiert in sechs Monaten seinen 25. Geburtstag.

Jane Adams leitet Workshops, die sich mit dem Nesthocker Phänomen befassen.

Wissenschaftler und Psychologen streiten sich darüber, ob es gut oder schädlich ist, wenn die Kinder immer später flügge werden. Und sie fragen sich, wer schuld daran ist. Tatsache bleibt: Der Trend verstärkt sich. Und es ist fraglich, ob das Nesthocker-Phänomen abflaut, wenn die Wirtschaft wieder anzieht. Vielleicht dauert es ja heute einfach länger, bis man erwachsen wird.